Sieben Fragen an Renzo Cozza

Doreen Kaltenecker
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Interview: Im Gespräch mit dem argentinischen Regisseur Renzo Cozza konnten wir mehr über seinen Kurzfilm „Time to Go“ (OT: „La hora de irse“) erfahren, der im Rahmen des ‚Berlinale Shorts‘-Programm auf der 76. Berlinale 2026 seine Premiere feierte und auch für den Teddy-Award nominiert war, erfahren. Er erzählt, wie ein Darsteller den Auslöser für diese Genre-Geschichte gab, was ihm visuell am Herzen lag und wie er selbst den Weg vom Schauspielern zur Regie fand.

The original english language interview is also available.

Du hast Deinen Film rund um Deinen Hauptdarsteller Martín Shanly aufgebaut. Wie kam das Genre des Vampirfilms hinzu?

Als ich mit dem Schreiben begann, hatte ich mir Martín Shanly immer als Vampir vorgestellt. Ich erinnere mich an dieses erste Bild von ihm, wie er nachts geht – ein Bild, das der Eröffnungsszene des Kurzfilms sehr ähnlich ist. Daraus entstand der Wunsch, über schwulen Sex zu sprechen, und die Frage, ob es dabei um Konsum oder um eine Begegnung zwischen Körpern geht. So hatte ich das Gefühl, dass das Bild meines Freundes zusammen mit dieser Frage den Rhythmus des Schreibens prägte, ebenso wie die Möglichkeit, dass in den Figuren Sorgen mitschwingen, die ich selbst habe.

Auch die anderen Rollen sind sehr gut besetzt – nach welchen Kriterien hast Du sie ausgewählt?

Martín Shanly und Jerónimo Bosia

Ich arbeite sehr gerne mit Schauspielern zusammen, die ich kenne. Die Schwestern sind Freundinnen von mir, und ich habe eine gewisse Ähnlichkeit zwischen ihnen gespürt, die mich dazu gebracht hat, etwas für sie zu schreiben. Mit Julián Larquier, dem Veganer, wollte ich schon lange zusammenarbeiten, und das war die Gelegenheit dazu. Was Jerónimo, den muskulösen Typen, betrifft, so hat ihn mir ein Freund, der im Casting arbeitet, vorgeschlagen, und es passte perfekt. Ich mag es, mit Schauspielern Räume zu schaffen, und dafür sind Vertrauen, Nähe und Gespräche sehr wichtig. Deshalb versuche ich, traditionelle Casting-Verfahren zu vermeiden.

Dein Film ist auch ein Spiegel der Gesellschaft in Buenos Aires – was möchtest Du Deinem Publikum mitgeben?

Ich wollte etwas erzählen, das mich in Buenos Aires sehr bewegt hat, nämlich das Gefühl dieser Begegnungen, die oft nachts zwischen Männern stattfinden. Sie sind wie unsichtbare Wege, eine verborgene und unersättliche Sinnlichkeit unter Fremden, in der Begierde, Gefahr und vielleicht auch Liebe zirkulieren. Ich wollte eine Traurigkeit vermitteln, die ich empfand, aber auch den Wunsch, mich in Richtung Zärtlichkeit und einer Art pompöser Romantik zu bewegen.

Was lag Dir auf visueller Ebene am Herzen?

Martín Shanly

Visuell war es wichtig, diese Vampire aus der Perspektive der Realität darzustellen. Dafür haben wir sehr sorgfältig mit dem Art Director [Iara Ohanian] zusammengearbeitet, um dieses Vampirhaus zu gestalten. Andererseits haben wir gemeinsam mit dem Kameramann über die Bildkomposition, den Bildausschnitt im 4:3-Format und die Auswahl der zu zeigenden Elemente nachgedacht. Was die Beleuchtung angeht, so spielte der Film ausschließlich nachts, und zwei Filme waren dabei sehr inspirierend: „Eine ganze Nacht“ (OT: „Toute une nuit“, 1982) von Chantal Akerman und „Nackt“ (OT: „Naked“ 1993) von Mike Leigh. Sie beleuchteten, wie man die Nacht ausleuchtet und wie man inmitten von so viel Dunkelheit Wärme im menschlichen Körper findet – was zum Teil genau das war, worüber wir sprechen wollten.

Wie lange habt ihr für die Umsetzung gebraucht und wo genau habt ihr gedreht?

Martín Shanly

Wir haben den Kurzfilm über einen Zeitraum von einem Jahr in Buenos Aires gedreht; so lange dauerten Vorproduktion, Dreharbeiten, Schnitt und Vertrieb bis zur Premiere auf der Berlinale. All dies war möglich dank eines engagierten und hingebungsvollen Teams und der Darsteller sowie der Unterstützung meiner Produzenten, die den gesamten Prozess liebevoll begleitet haben, und das mit sehr begrenzten Mitteln. Derzeit ist das Kino in Argentinien stark von der Politik der neuen Regierung betroffen, und es ist sehr schwierig, daran zu denken, Filme mit staatlicher Unterstützung zu drehen. Aber wir sind hier, und wir werden weiterhin argentinisches Kino machen und teilen.

Kannst Du mir noch ein bisschen von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?

Ich habe als Schauspieler angefangen; ich habe das Kino aus der Perspektive vor der Kamera betrachtet. Dann, irgendwann, verlor ich ein wenig die Lust am Schauspielern, und wenn ich heute zurückblicke, glaube ich, dass es mit dem Bedürfnis nach mehr zu tun hatte, mit dem Gefühl, dass mir das nicht ausreichte. Also fing ich an, meine Freunde und Klassenkameraden aus den Schauspielkursen zu filmen, und bei diesem Übergang von vor der Kamera zu hinter die Kamera erinnerte ich mich an meine Kindheit – daran, wie ich als Kind mit meinen Cousins und meiner Schwester spielte und kleine Theaterstücke über Dinge inszenierte, die wir dachten oder fühlten. Es gab immer einen Moment, in dem ich sie von außen anleitete, und ich war ein sehr glückliches Kind, und ich nehme an, dass ich bei jedem Dreh versuche, dasselbe Gefühl hervorzurufen: Einfach mit Freunden über die Dinge zu spielen, die uns beschäftigen.

Sind bereits neue Projekte geplant?

Derzeit schreibe ich an meinem ersten Spielfilm. Er heißt „The Music Teacher“. Ich weiß noch nicht, wie der Film werden wird – ich entdecke ihn nach und nach.

Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Übersetzung von Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Time to Go


Interview: In our conversation with Argentine director Renzo Cozza, we learned more about his short film “Time to Go” (original title: “La hora de irse”), which premiered as part of the ‚Berlinale Shorts‚ program at the 76th Berlinale in 2026 and was also nominated for the Teddy Award. He explains how an actor provided the inspiration for this genre story, what was important to him visually, and how he himself made the transition from acting to directing.

You built your film around your lead actor, Martín Shanly. How did the vampire genre come into play?

When I started writing, I had always thought of Martín Shanly as a vampire. I remember that first image of him walking at night, an image very similar to the opening shot of the short film. From there, the desire to talk about gay sex appears, and how the question was formed of whether there is consumption or an encounter between bodies. So it felt to me that the image of my friend, together with this question, shaped the rhythm of the writing, and also the possibility that within the characters there are concerns that I myself have.

The other roles are also very well cast. What criteria did you use to select them?

I really like working with actors I know. In the case of the sisters, they are friends of mine, and I felt a resemblance between them that made me want to write something for them. With Julián Larquier, the vegan, I had wanted to work with him for a long time, and this was the opportunity. As for Jerónimo, the muscular guy, a friend who works in casting suggested him to me, and it was perfect. I like creating spaces with actors, and for that trust, closeness, and conversation are very important. That’s why I try to avoid traditional casting processes.

Your film also serves as a mirror of society in Buenos Aires. What message do you want to convey to your audience?

I was interested in telling something I felt strongly in Buenos Aires, which is the feeling of these encounters that happen, often at night, between men. They are like invisible routes, a hidden and voracious sensuality among strangers, where desire, danger, and perhaps love circulate. I wanted to convey a sadness I felt, but also a desire to move toward tenderness and a kind of pompous romanticism.

What was important to you on a visual level?

Visually, it was important to portray these vampires from within reality. For that, we worked very carefully with the art director [Iara Ohanian] in building that house of vampires. On the other hand, with the director of photography we thought about the framing, the cropping with the 4:3 format, and choosing what to show. In terms of lighting, it was a film entirely set at night, and two films were very inspiring: Toute une nuit by Chantal Akerman and Naked by Mike Leigh. They shed light on how to light the night, on finding warmth in the human body amidst so much darkness, which was partly what we wanted to talk about.

How long did it take you to complete the film, and where exactly did you shoot it?

We made the short film in Buenos Aires over the course of a year, which is how long pre-production, shooting, editing, and distribution took until its premiere at Berlinale. All of this was possible thanks to a committed and dedicated team and cast, with the support of my producers, who accompanied the whole process in a loving way, with very limited resources. Currently, in Argentina, cinema is being heavily affected by the policies of the new government, and it is very difficult to think about making films with the support of a present state. But here we are, and we will continue making and sharing Argentine cinema.

Can you tell me a little bit more about yourself and how you got into filmmaking?

I began as an actor; I thought about cinema from in front of the camera and from that perspective. Then, at one point, I became a bit depressed with acting, and now, looking back, I think it had to do with the need for something more, with the feeling that it wasn’t enough for me. So I started filming my friends and classmates from acting classes, and in that transition from in front of the camera to behind it, I remembered my childhood—being a kid and playing with my cousins and my sister, putting together little plays about things we thought or felt. There was always a moment when I directed them from the outside, and I was a very happy child, and I suppose that in every shoot I try to evoke that same feeling: simply playing with friends about the things that concern us.

Are there any new projects in the works?

Currently, I am writing my first feature film. It’s called The Music Teacher. I still don’t know what the film will be like—I’m discovering it slowly.

Questions asked by Doreen Kaltenecker

Read on the german review of the short film „Time to Go

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