Sechs Fragen an Leo Geisler

Doreen Kaltenecker
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Hedda Bednarszky

Interview: Im Gespräch mit dem deutschen Regisseur Leo Geisler (Kurzfilm „The French Flamingo Fucker“) konnten wir mehr über seinen neuesten Kurzfilm „Nosejob“ erfahren, der u.a. auf dem 26. Landshuter Kurzfilmfestival 2026 zu sehen war, warum er sich das Genre des Heist-Film ausgesucht hat und wie er den Film im Rahmen seines Studiums realisiert hat.

Wie ist die Idee zu Deinem Kurzfilm „Nosejob“ entstanden?Flamingo

2024 hab ich eine Essayreihe über die Entwicklung des Heist-Genres geschrieben. Also die Fragestellung drehte sich darum, wie man im 21. Jahrhundert noch Heist-Filme machen kann, nun da das Geld ja nicht mehr im Tresor liegt, sondern gewissermaßen digitalisiert wurde. Dabei ist mir aufgefallen, dass die meisten filmischen Heists von Gruppen von Männer („Ocean’s 11“) oder einem heterosexuellen Paar („Bonnie and Clyde“) begangen werden. Ich dachte, es könnte interessant sein, eine andere Konstellation, nämlich zwei Geschwister, durch ihren Heist zu begleiten. 

Antonis Antoniadis und Marie Tragousti

Welche Filme haben Dich für deine Gangster-Geschichte inspiriert?

Ich habe recht viele Filme mit der Crew geschaut, unter anderem: „Rien ne va plus“ [„Das Leben ist ein Spiel“, 1997] von Claude Chabrol, „Fargo“ [„Fargo – Blutiger Schnee“, 1996] von den Coens, „Sur mes lèvres“ [„Tödliche Bekenntnisse“, 2001] von Audiard, aber von der Haltung her waren auch selbstreflexive Heists wie z.B. „Bande à part“ [„Die Außenseiterbande“, 1964] von Jean-Luc Godard wichtig. 

In welchem Rahmen konntest du den Film umsetzen und wo genau habt ihr gedreht?

Nosejob“ ist der Zweitjahresfilm meines Regie-Studiums an der DFFB. Wir hatten fünf Drehtage in Berlin und zehn Rollen 16mm Film. 

Ich mag den gewissen Retro-Stil. Kannst Du mir zu deinem visuellen Konzept erzählen?

Antonis Antoniadis

Regina Wiebe (Bildgestaltung), Anton Buzal (Schnitt) und ich haben viel über eine Art ‚entblätternde Montage‘ gesprochen, also statische Bilder, die nach und nach den Raum ‚entblößen‘ – vielleicht kommt, neben dem analogen Filmmaterial, das Retro-Gefühl daher, also durch diese Statik.

Dein Cast schafft es in der Kürze der Zeit die Figuren perfekt zum Leben zu erwecken. Kannst Du mir mehr zu den Darstellenden erzählen?

Marie Tragousti und Antonis Antoniadis, unsere zwei Hauptdarsteller:innen, sind privat befreundet, haben daher vielleicht eine gewisse Vertrautheit, die wichtig ist, um ihnen ihre Geschwisterbeziehung abzukaufen. Joshua Bader (der Wiener) und Oliver Kraushaar (der Metzger) sind einfach zwei großartige Schauspieler. Zudem haben wir mit abstrakten Regie-Konzepten gearbeitet, Antonis sollte sich wie eine Glasmurmel verhalten, Marie wie ein Flummi, der Metzger wie eine Bowlingkugel.

Antonis Antoniadis

Sind weitere Projekte am Start?

Ja, ich habe soeben einen Slackerfilm in Naurod, dem hessischen Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, gedreht, also über vier Jugendliche, die sich langweilen und Gras rauchen. Und im Sommer drehe ich mit Antonis Antoniadis (und unserem gemeinsamen Freund Anton Artibilov) Teil zwei und drei eines Kurzfilmtrilogie über zwei Privatdetektive in Leipzig und New York.

Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Nosejob

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