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Interview: Im Gespräch mit der ungarischen Regisseurin Zsuzsanna Konrád konnten wir mehr über ihren Kurzfilm „Something Wild“ (OT: „Valami Vad“) erfahren, der im Internationalen Wettbewerb des 42. Interfilm Festival Berlin 2026 (10.-15. November 2026) zu sehen sein wird, wie die Geschichte zu ihr fand, welchen Kontrast sie auf visueller Ebene herausarbeiten wollte und wie es war, mit einem echten Bären zu drehen.
The original english language interview is also available.
Wie ist die Idee zu dem Film entstanden und spiegelt es auch Erinnerungen an das eigene Erwachsenwerden?
Maya Korn, die amerikanische Produzentin des Films, wandte sich an mich, weil sie einen Werwolf-Film in Rumänien drehen wollte, war aber auch offen für andere Ideen. Ich behielt das Element der Tierverwandlung bei und verbrachte viel Zeit damit, darüber nachzudenken, was dieses Motiv für mich bedeutet. Ich kam zu dem Schluss, dass es etwas Wildes symbolisiert, das in den Tiefen eines Menschen lauert und plötzlich außer Kontrolle gerät. Im Laufe meines Lebens habe ich mich immer wieder in Situationen wiedergefunden, in denen mir sehr nahestehende Menschen die Kontrolle verloren haben – ja sogar in einen psychotischen Zustand geraten sind –, und es war sehr schwer, ihnen zur Seite zu stehen. Ich habe diese Krise und Hilflosigkeit hautnah miterlebt, und sie haben tiefe Spuren bei mir hinterlassen. Ursprünglich schrieb ich über eine fiktive Familie, doch im Laufe der Dreharbeiten wurde es dennoch persönlich.
Deine Geschichte spielt in einem privaten, kleinen Rahmen in Ungarn zur heutigen Zeit – wie weit ist sie auch ein Spiegel der aktuellen Gesellschaft?
Bei den Dreharbeiten habe ich mich bemüht, Menschen so konkret und authentisch wie möglich darzustellen, anstatt Verallgemeinerungen zu treffen. Doch so wie man in jedem Einzelfall universelle Wahrheiten finden kann, so verhält es sich auch hier. Zum Beispiel, wie schwer es ist, miteinander über schwierige Themen zu sprechen, und welche Folgen es hat, wenn man diese Themen verdrängt.
Über welchen Zeitraum und mit welchen Mitteln hast Du Deinen Film auf die Beine gestellt?
Wir haben den Film vor zwei Jahren gedreht. Maya hat die Anschubfinanzierung bereitgestellt, und in Ungarn hat sich GoodKids mit Patricia D’Intino zusammengetan, die den Film produziert hat. Mein Mann war der Kameramann; wir hatten bereits einen kleinen Jungen, und ich war mit unserem zweiten Kind schwanger, sodass wir auch als Familie viel Energie in das Projekt gesteckt haben. Außerdem bin ich jedem einzelnen Mitglied der Crew sehr dankbar, das so hervorragende Arbeit geleistet und enormen zusätzlichen Einsatz gezeigt hat.
Was lag Dir bei der Ausgestaltung der Bilder am Herzen?
Wir wollten ein Gefühl von Realismus und eine natürliche, ungeschönte Atmosphäre schaffen. Es war sehr wichtig, dass die Darstellung nicht übertrieben wirkt, denn das einzige zentrale magische Element – der Bär – konnte nur dann wirklich absurd wirken, wenn er in einer sehr realistischen Welt auftrat. Das haben wir stets im Hinterkopf behalten.
Dein Cast ist sehr gut besetzt – worauf hast Du beim Casting Wert gelegt?
Was die visuelle Umsetzung angeht, entspricht das ziemlich genau dem, wonach ich gesucht habe. Ich wollte, dass sie wirklich menschlich wirken. Es sollte nicht so aussehen, als würde ein Schauspieler eine Rolle spielen, sondern als würden wir ganz normale Menschen sehen. Die Casting-Direktorin Irma Ascher hat das wirklich verstanden und mir geholfen, die Darsteller zu finden. Während des Castings haben wir viel improvisiert, wodurch sehr deutlich wurde, wer das Wesen dieser Situation verstanden hat und darin natürlich wirken konnte. Viele der Darsteller waren keine Schauspieler – der Rabbiner war zum Beispiel ein echter Rabbiner, und auch die Kinder waren Laien. Eszter Márton, die Hauptdarstellerin, hat sehr gut mit den Laien zusammengearbeitet; sie hat ihnen geholfen, die Authentizität der Situationen zu erleben und zu vergessen, dass es sich nur um eine Darstellung handelte.
Ihr habt mit einem realen Bären gedreht, oder? Kannst Du mir mehr dazu erzählen – das stelle ich mir sehr spannend vor.
Es war wirklich aufregend. Wir haben mit dem Tiertrainer Zoltán Horkai zusammengearbeitet, der viel Erfahrung mit Dreharbeiten mit Wildtieren hat. Gleichzeitig war es selbst für ihn eine neue Erfahrung, einen Bären in eine echte Wohnung zu bringen, daher haben wir alles im Vorfeld bis ins kleinste Detail geplant und choreografiert. Es gab ein paar Tricks, mit denen sie ihn lenken konnten, aber am besten funktionierte es, Futter an den Stellen zu verstecken, an die wir ihn haben wollten. Glücklicherweise blieb er die ganze Zeit über ruhig.
Herzlichen Glückwunsch zur Qualifizierung ums Oscarrennen, wie geht es Dir damit und wie geht es da jetzt weiter?
Vielen Dank. Das ist wirklich aufregend, und wir geben unser Bestes, damit der Film so viele Menschen wie möglich erreicht, aber für mich ist schon allein der Sieg beim PÖFF Shorts und bei Friss Hús ein riesiger Erfolg.
Kannst Du mir zum Schluss noch ein bisschen mehr von Dir erzählen und wie Du zum Film gekommen bist?
Als Teenager stand ich oft am Rande des Geschehens, und das verschaffte mir eine ungewöhnliche Perspektive, die in mir den starken inneren Antrieb weckte, diese Erfahrungen darzustellen. Ich bewarb mich an der Hochschule für Theater- und Filmkunst und wurde in den Kurs von Attila Gigor und Ildikó Enyedi aufgenommen, die seitdem meine Mentorin ist und als ausführende Produzentin des Films fungiert.
Sind bereits neue Projekte geplant?
Wir arbeiten derzeit an einer Spielfilmversion von „Something Wild“ und beantragen dafür Fördermittel. Außerdem habe ich ein Vampir-Drehbuch, das sich mit einem persönlichen Familiendrama befasst, und ich habe vor, auch diesen Film zu drehen.
Die Fragen stellte Doreen Kaltenecker
Übersetzung von Michael Kaltenecker
Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Something Wild“
Interview: In our conversation with Hungarian director Zsuzsanna Konrád, we learned more about her short film “Something Wild” (OT: “Valami Vad”), which will be screened in the International Competition at the 42nd Interfilm Festival Berlin 2026 (November 10–15, 2026), how the story came to her, what visual contrasts she wanted to highlight, and what it was like to shoot with a real bear.
How did the idea for the film come about, and does it also reflect memories of your own coming-of-age?
Maya Korn, the film’s American producer, contacted me because she wanted to make a werewolf movie in Romania, but she was open to other ideas as well. I kept the animal transformation element and spent a lot of time thinking about what this motif means to me. I came to the conclusion that it symbolizes something wild that lurks in the depths of a person and suddenly bursts out of control. Throughout my life, I have found myself in numerous situations where people very close to me have lost control—even fallen into a psychotic state—and it has been very difficult to stay by their side. I experienced this crisis and helplessness up close, and they left a deep mark on me. Initially I was writing about a fictional family, but during the making process, it still became personal.
Your story takes place in a small, private setting in Hungary today. To what extent does it also reflect contemporary society?
While making the film, I strove to portray people who were as specific and authentic as possible, rather than generalizations. But just as one can find universal truths in every specific case, so it is here. For example, how difficult it is to talk to one another about difficult topics, and what the consequences of suppression are.
Over what period of time and with what resources did you put your film together?
We filmed it two years ago. Maya provided the initial funding, and in Hungary, GoodKids joined forces with Patricia D’Intino, who produced the film. My husband was the cinematographer; we already had a little boy, and I was pregnant with our second child, so we put a lot of family energy into it as well. In addition, I’m very grateful to each and every member of the crew, who did such high-quality work and put in a tremendous amount of extra effort.
What was most important to you when it came to the visual style?
We wanted to achieve a sense of realism and a natural, raw feel. It was very important that it not be elevated, because the only central magical element—the bear—could only be made truly absurd if it appeared in a very realistic world. That’s what we kept in mind.
Your cast is very well chosen. What did you look for during the casting process?
It’s similar to what I was looking for in terms of visuals. I wanted them to be truly human. I didn’t want it to seem like an actor was playing a role, but rather that we were seeing ordinary people. Casting director Irma Ascher really understood this, and she helped me find the actors. We improvised a lot during the casting process, which made it very clear who understood the essence of this situation and could be natural in it. Many of the cast members weren’t actors—for example, the rabbi was a real rabbi, and the children were also amateurs. Eszter Márton, the lead actress, worked very well with the amateurs; she helped them experience the truth of the situations and forget that this was just a performance.
You filmed with a real bear, right? Can you tell me more about that? I imagine it was very exciting.
It was really exciting. We worked with animal trainer Zoltán Horkai, who has a lot of experience filming with wild animals. At the same time, bringing a bear into a real apartment was a new experience even for him, so we planned and choreographed everything in great detail beforehand. There were a couple of tricks they could use to guide him, but what worked best was hiding food in the spots where we wanted him to go. Fortunately, he remained calm the whole time.
Congratulations on qualifying for the Oscar race. How do you feel about that, and what’s next?
Thank you so much. It’s really exciting, and we’re doing our best to make sure the film reaches as many people as possible, but for me, just winning at PÖFF Shorts and Friss Hús is already a huge success.
Finally, could you tell me a little more about yourself and how you got into filmmaking?
As a teenager, I often found myself on the outside of situations, and that gave me a weird perspective that sparked a very strong inner drive to show these experiences. I applied to the University of Theatre and Film Arts and was accepted into the class of Attila Gigor and Ildikó Enyedi, who has been my mentor ever since and is the film’s executive producer.
Are there any new projects in the works?
We’re currently working on a feature-length version of „Something Wild„, and we’re submitting it for funding. I also have a vampire screenplay that explores a personal family drama, and I plan to make that as well.
Questions asked by Doreen Kaltenecker
Read on the german review of the short film „Something Wild„



