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Filmkritik: Der ungarische Kurzfilm „Something Wild“ von Zsuzsanna Konrád, der Mitte November im Programm des 42. Interfilm Berlin 2026 zu sehen sein wird, erzählt von dem Wilden, das in vielen Menschen schlummert.
Die Eltern (Eszter Márton und Miklós Paizs) leben ein ruhiges Leben zusammen mit ihren beiden Töchtern Ábris (Zalán Pásztor) und Zsófi (Anasztázia Sipos). Doch seit Kurzem verwandelt sich Zsófi, die Ältere der beiden, von Zeit zu Zeit und immer überraschend in einen Bären. Was sind die Ursachen dafür und wie soll die Familie damit umgehen?
Der 21-minütige Kurzfilm der Regisseurin Zsuzsanna Konrád, die auch das Drehbuch dazu geschrieben hat, erzählt, wie das Leben einer Familie aus den Fugen gerät. Die physisch reale Verwandlung in einen Bären wirft Fragen auf. Geht es der Tochter nicht gut – braucht sie mehr Freiraum, sich zu entfalten und ihre wilde Seite rauszulassen? Welche
Gründe auch immer vorliegen, für ihre Verwandlung, sei es das Erwachsenwerden, ein mögliches Coming-Out und psychische Probleme, darum geht es in dem Film nur am Anfang. Die Frage, auf die der Film eine Antwort sucht, betrifft den Umgang mit jenen Menschen, die sich dramatisch verändern. Wie weit reicht elterliche Liebe aus und was ist das Beste für die ‚wilde Person‘? Das Ganze hat Konrád beinahe dokumentarisch inszeniert. Die Farbpalette (grau-blau) sowie die Ausstattung sind dabei authentisch gewählt. Sie hat dafür mit Laiendarsteller:innen, professionellen Schauspieler:innen und einem echten Bären zusammengearbeitet. Die Kamera bleibt nah an den Menschen vor allem ihren Gesichtern und verwendet nur bei dem Bären Totalen und gibt so dem Wilden mehr Raum zur Entfaltung. Durch und durch ist der Regisseurin ein stimmiger Kurzfilm gelungen, der sich auch für die Oscar-Bewerbung qualifiziert hat.
Fazit: „Something Wild“ ist der neueste Kurzfilm der ungarischen Regisseurin Zsuzsanna Konrád, die darin von einer Verwandlung erzählt, welche Ursachen es haben könnte und wie man jetzt mit diesem Menschen umgeht. Dabei inszeniert sie ihren Film sehr realitätsnah und kehrt auf diese Weise den Kontrast zum Fantastischen stärker heraus. Man kann gespannt sein, wie diese Geschichte in eine Langfilmversion ausgebaut werden wird.
Bewertung: 3,5/5
Der Film läuft auf dem interfilm am 12., 13. und 14. November 2026
Trailer zum Kurzfilm „Something Wild“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- Doreen Kaltenecker, ‚Neun Fragen an Zsuzsanna Konrád‘, testkammer.com, 2026
- Eintrag des Films „Something Wild“ bei MUBI
- Eintrag des Films „Something Wild“ bei der Produktionsfirma Good Kids

