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Filmkritik: Der belgische Animationsfilm „The Little White Queen“ (OT: „La Petite Reine Blanche“) von Mathieu Georis und Théo Hanosset, der auf dem 42. Interfilm Festival Berlin 2026 im Wettbewerb Umweltfilm zu sehen sein wird, erzählt die Geschichte eines Ortes und eines vergessenen Ballspiels.
In einer kleinen belgischen Stadt kommt an einem warmen Sommertag alles zum Erliegen. Während einige Autofahrende noch nach einem freien Parkplatz suchen, spielen zwei Teams das Ballspiel ‚Balle-Pelote‘. Immer mehr Zuschauende finden sich ein, um diesem Spektakel abseits allen Treibens beizuwohnen.
Die beiden belgischen Filmemacher Mathieu Georis und Théo Hanosset schufen zusammen eine Doku-Fiktion, in der sie sich genauer mit Traditionen und Vergangenheit ihrer Heimat beschäftigen. Angesiedelt in dem Dorf Ottignies und ausgehend von einer früheren Fotografie sowie den seitdem stattgefundenen baulichen Veränderungen, greifen sie die typischen Veränderungen in kleinen Ortschaften auf, deren zentraler Platz oft zu Parkplätzen umfunktioniert wurde. Auch wenn sie sich selbst nicht als Autogegner bezeichnen, ist ihr Film
ein klarer Appell gegen diese Art der Fortbewegung, bei der jeder in seinem eigenen ‚Reich‘ (fest-)sitzt und mit diesen viel Platz beansprucht. Ein mögliches Miteinander wird zu einem Ärger über ein Gegeneinander. Im Gegensatz dazu steht nun dieses Sportevent, ein Ballspiel aus früheren Zeiten, das Gemeinschaft schafft und Zusammenhalt und Sportsgeist weckt. Das Platz-Einnehmen der Autos spiegelt sich auch in dem Spiel selbst wider, bei dem die Mannschaften versuchen, mehr und mehr vom Spielfeld einzunehmen. So plädiert der Film gleichzeitig für mehr Zeit miteinander und Entschleunigung, aber auch für ein Umdenken der Verkehrssituation in vielen kleinen Städten.
Umgesetzt haben die beiden Filmemacher das mit Kreide-Zeichnungen für die Hintergründe sowie mit Ölzeichnungen auf Glas für die Figuren. Dabei wurde fast vollständig ohne Rotoskopie gearbeitet und trotzdem entstanden Animationen, welche die Realität wunderbar einfangen. Die Kombination der beiden unterschiedlichen Techniken funktioniert
dabei wunderbar und spiegelt beispielsweise durch die hellen, pastelligen Zeichnungen, auch die Stimmung der Geschichte, das leichte Gefühl eines schönen Sommertags wider. Darüber hinaus arbeiten die beiden wenig mit Sprache, sondern transportieren ihre Geschichte vor allem das spätere Sportspiel viel über Geräusche und passendem Musikeinsatz.
Fazit: „The Little White Queen“ ist ein Kurzfilm des belgischen Filmemacher-Duos Mathieu Georis und Théo Hanosset, der von einem aus der Mode gekommenen Spiel erzählt, von Gemeinschaft und der Notwendigkeit auch mal entschleunigen zu können. All das haben sie in Animationen, Kreidezeichnungen sowie Öl auf Glas Malerei, wunderbar stimmungsvoll umgesetzt.
Zu sehen ist der Kurzfilm am 12. und 14.11.2026 im Wettbewerb Umweltfilm
Bewertung: 4/5
Trailer zum Kurzfilm „The Little White Queen“:
geschrieben von Doreen Kaltenecker
Quellen:
- Doreen Kaltenecker, ‚Acht Fragen an Mathieu Georis und Théo Hanosset‘, testkammer.com, 2026
- Eintrag des Kurzfilms „La Petite Reine Blanche“ beim Interfilm Berlin
- Annecy Festival, ‚The Little White Queen | Théo HANOSSET, Mathieu GEORIS | INTERVIEW‘, youtube.com, 2026
- Eintrag des Kurzfilms „The Little White Queen“ auf der Website des Regisseurs Théo Hanosset
- Kévin Giraud, ‚Annecy 2026: 9 Shorts to Look Out For‘, skwigly.co.uk, 2026