„Kassieren“ (2023)

Doreen Kaltenecker
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Kurzfilm / Deutschland / Dokumentation / 2023

Filmkritik: Der deutsche Kurzfilm „Kassieren“ der drei Filmemacherinnen Amelie Vierbuchen, Franca Pape und Lea Sprenger, der auf dem 66. DOK Leipzig 2023 seine Weltpremiere feierte, berichtet von der Archivarbeit und dem Nicht-Behalten von Material.

Bei ihrer Recherche über eine ehemalige Chemiefabrik im Kölner Stadtbezirk Kalk, an deren Stelle mittlerweile eine Shoppingmall steht, besuchten die drei Filmemacherinnen einen Archivar. Doch viel ist nicht über das ehemalige Werk zu finden. Wie kann es sein, dass bestimmte Informationen für immer verloren gehen? Wann muss ein Archiv entscheiden, Material zu kassieren, um für neues Platz zu machen?

Man kann sagen, dass die Filmemacherinnen Amelie Vierbuchen, Franca Pape und Lea Sprenger auf ihrer Recherche nach Material ihr eigentliches Thema für den Film fanden. Spannend ist der Ausgangspunkt der Fabrik, über die man nur noch sehr wenig weiß und auch nur wenig finden kann. Aber warum ist es so? Ab wann muss man sich fragen, ob das gesammelte Material die Lagerung nicht mehr Wert ist? Überall auf der Welt stehen Archivar:innen immer wieder vor dieser Frage. Auch kommen unabsichtliche Verluste hinzu. Ist also all unsere Geschichtserinnerung lückenhaft? Wieso dürfen nur wenige Menschen entscheiden, was im Gedächtnis bleibt? Die drei Regisseurinnen, die an der Kunsthochschule für Medien in Köln studieren, entdeckten dazu noch Parallelen zu ihrer Arbeit. Auch das Filmmaterial wird ja nie in seiner Gänze verwendet und so wurden sie zum Bestandteil ihres eigenen Films über das Behalten und Erinnern. Die dokumentarischen Aufnahmen, die sie dafür finden, sind oft Detailaufnahmen, fangen Handbewegungen und auch Material ein. Auch wenn man die Protagonist:innen nie sieht, hört man sie bei ihrem Interview mit dem Archivar. Dieser beinah experimentelle Ansatz passt gut zu dem Thema und macht den Film nochmal ein Stück reizvoller. 

Fazit: „Kassieren“ ist ein Doku-Kurzfilm der drei Regisseurinnen Amelie Vierbuchen, Franca Pape und Lea Sprenger, der sich mit dem Archivieren, Erinnern und Behalten beschäftigt. Die Filmemacherinnen bauen sich dabei selbst in die Geschichte ein und finden eine stimmige Bildsprache für das, was man aus dem Off hört.

Bewertung: 7,5/10

geschrieben von Doreen Kaltenecker

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