Patzer auf der Bühne

Lars Jung wendet sich zum Bühnensohn: „Sohn, was sagst du dazu?“ Der Bühnensohn wendet sich fröhlich zur Souffleuse: „Ja, Annie, was sag‘ ich denn dazu?“ – Wenn jemand so schlagfertig mit einem Texthänger umgeht wie dazumal Matthias Luckey, dann hat der Zuschauer jede Menge Vergnügen daran.

Tanzen sie noch oder fallen sie schon? @tanznetz.de

Patzer sind dem Darsteller unangenehm, egal ob es der Texthänger beim Schauspieler ist oder die ungewollte Distanzlosigkeit zum Bühnenboden beim Tänzer, kurz: Hinfallen. Das Publikum merkt es vielleicht gar nicht. Wenn ein Zuschauer es aber doch bemerkt, dann freut er sich meistens. Ich jedenfalls. Und zwar nicht aus Schadenfreude. Oder nur sehr selten.

So ein Fehler kann bei einem Kinofilm nicht passieren. Also nicht, dass das Kino vor Missgeschicken gefeit wäre. Da gab es einen Dokumentarfilm über irgendwas in Dresden, und mehrmals blieb der an der gleichen Stelle hängen. Keine Ahnung mehr, worum es genau ging und ob mir das Ende jemals bekannt geworden ist. Im Gedächtnis hängen geblieben ist nur dieses Hängenbleiben. Aber das war eher kurios als erfreulich.

Ahmad Mesgarha in „Der Selbstmörder“ @David Baltzer für Staatsschauspiel Dresden

Nun zurück zur Bühne. Die Fehlerchen machen deshalb so viel Spaß, weil die Schauspieler in den Momenten kurz aus ihren Rollen fallen. Dann stehen sie als Menschen auf der Bühne, als sie selbst, und das ist sympathisch. Zum Beispiel Ahmad Mesgarha bei der letzten Aufführung von „Der Selbstmörder“. Trotz des unheilschwangeren Namens haben wir es mit einer Komödie zu tun. Mesgarha spielt einen Ehemann, der arbeitslos ist und das auch mag. Seiner Ehefrau will er das nicht zeigen, hat die Schwiegermutter ihn doch sowieso schon im Verdacht, schlichtweg faul zu sein. Das kann ja stimmen, aber deshalb muss das noch lange keiner wissen. Also gibt sich der Ehemann depressiv. Die Ehefrau ist entsetzt, bangt um ihren Mann. Vom Nachbarn erhält sie den Rat, den Mann vom Äußersten abzuhalten, indem sie Witze erzählt. Darin ist sie gnadenlos schlecht. In purer Panik erzählt sie die ältesten Kalauer unter der Sonne. Schließlich auch den: „Wie lautet der Vorname vom Reh?“ Der Ehemann, der schon gehen wollte, dreht sich noch einmal um und sagt: „Kartoffelpü. Den fand ich noch nie lustig.“ Genau das sagt Mesgarha. Und schüttelt sich vor Lachen dabei. Absolut ansteckend!

So was gibts nun mal nicht im Kinofilm. So etwas Unmittelbares und Einmaliges bekommt der Zuschauer nur da, wo Menschen auf der Bühne stehen.

Hat noch jemand ein lustiges Malheur auf Lager?

Geschrieben von Katrin Mai

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