Sonderschau „25 Jahre Städtische Kunstsammlung Freital“

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Kurzsichtiger Blick in den weitläufigen Saal der Dauerausstellung, auf die Dix-Bilder @Schloss Burgk Freital

Ausstellungsbericht: „Auch das gibt`s“, heißt es im Schloss Burgk. Damit mag auch der stille, in sich gekehrte Kulturgenuss gemeint sein, den Freital dem letztjährigen Wutgeschrei der Flüchtlingsfeinde entgegensetzt. Eigentlich aber verweist der Name darauf, dass die gezeigten Stücke normalerweise im Depot lagern. Also unbedingt anschauen?

Für vier Euro erhält man nicht nur Eintritt in die Sonderschau, sondern auch in die ständige Ausstellung plus Schlossmuseum. Dieses hält für den geneigten Besucher Einblicke in das Bergwerkswesen bereit sowie die Geschichte der einstigen Schlossbesitzer, der Familie Dathe von Burgk. Das ist insgesamt eine Menge für wenig Geld. Wie gut kann dann die Qualität der gezeigten Bilder sein?

Die Skulpturen und Malereien breiten sich in vier Räumen aus. In vier sehr engen Räumen. Das ist deshalb ein großes Problem, weil unter den Depotschätzen und schönen Neuzugängen kein einziges dabei ist, das vor dem 20. Jahrhundert entstanden wäre. Also keine zarten Kabinettstücke, sondern Teile, bei denen eines schon eine Wand gut füllt. Zum Beispiel das Bild-Gebilde von Jürgen Schieferdecker aus dem Jahre 1999. Flächige Malereien, die erst aus der Ferne richtig wirken, kommen hier nicht recht zur Geltung. Und das ist schade.

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So ein Ähnlicher hängt in der Dauerausstellung. Bauer Rehn von Curt Querner @faz.net

Was zeigt die Sonderschau denn nun? Größen der Kunst des 20. Jahrhunderts bis heute. Aber weder Picasso noch Gerhard Richter. Freital fokussiert auf die Region. Drei wunderschöne Gemälde von Curt Querner gesellen sich zu einigen weiteren Werken der ständigen Ausstellung. Zwei Bilder des Otto Dix-Kollegen Willy Kriegel sind zu sehen, dessen Oeuvre zu einem bedauerlich großen Teil dem Krieg zum Opfer fiel. Hans Unger und Richard Müller übertreffen in ihrer präzisen Malerei die damals konkurrierende Fotografie. Unter der Kunst aus DDR-Zeit ist vielleicht die abstrakte Arbeit von Willy Wolff am bekanntesten.

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Was in Freital von Willy Wolff hängt, ist viel bunter und fröhlicher und hat in der Mitte ein Kamasutra-bildchen. Das hier ist vom @Staatlichen Museum Schwerin

Und dann gibt es da noch dieses wunderschöne Bild von Heribert Fischer-Geising. Es ist wohl der Künstlersohn, der sich in der gelben Strickjacke über die Hausaufgaben beugt. Im Rücken gibt ein Fenster den Blick frei auf die nächtliche Straße. In der Ecke des Fensterglases spiegelt sich der schauende Vater mit der Farbpalette.

Es gibt Porträts und Landschaftsbilder und jede Menge anderes. Für sich genommen lohnt sich eine weite Anreise nach Freital dennoch nicht. Erst die Besichtigung der ständigen Ausstellung mit zahlreichen exzellenten Werken von Otto Dix, aber auch etlichen anderen bekannten oder verkannten Größen des 20. Jahrhunderts machen die Sache rund. Mit der Sammlung Pappermann in der ersten Etage trifft der Besucher dann noch auf Werke des 19. Jahrhunderts.

Fazit: Die Jubiläumsausstellung bietet einen hervorragenden Anreiz dazu, sich auf den Weg ins Freitaler Schloss Burgk zu begeben. Und wer sie verpasst, der kommt eben später und freut sich an den Perlen der regionalen Kunst. Die eigene Kunst-Welt geht dann auch nicht unter – ist aber um einiges ärmer.

Geschrieben von Katrin Mai

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