Städtische Sammlungen Freital: Georg Lührig

Ausstellungsbericht: Lange Schlangen an den Kassen, dichtes Gedränge in den Museumsräumen – wer das nicht mag, ist im Freitaler Schloss Burgk genau richtig. Noch bis zum fünften August können Besucher in aller Ruhe die Grafiken und Gemälde von Georg Lührig (1886-1957) betrachten. Völlig unverdient ist dieser niedrige Zuspruch, denn die Ausstellungsmacher um Lührig-Nachfahrin Inge Knoblauch haben einen wahren Schatz gehoben.

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Georg Lührig: Rumänischer Park, 1900, Privatbesitz © Städtische Sammlungen Freital / Biokovar

 

Geboren in Göttingen, fing Lührig schon als Kind an zu malen. Das früheste Werk der Ausstellung zeigt eine Kneipenschlägerei. Georg war zwölf, als er sie zeichnete. In München studierte er später Kunst. Durchbruch und erster Höhepunkt seines Schaffens war der Zyklus „Totentanz“. Die Kohlezeichnungen sind nur noch als Fotografien vorhanden. Alle Originale wurden um 1990 aus dem Museum Schloss Hinterglauchau (bei, ratet mal, Glauchau) gestohlen. Seither sind sie auf dem US-amerikanischen

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Georg Lührig: Toter Bettler vor Dresden© Galerie Saxonia München, Frank C. Kempe

Kunstmarkt aufgetaucht, anscheinend ohne dass deutsche Besitzer und Behörden etwas dagegen unternehmen können. Noch eine Lücke ins Werk hat der Zweite Weltkrieg gerissen. Von Fresken, die in Dresden einige Gebäude zierten, sind heute nur noch Detailstudien und leuchtend bunte Entwürfe vorhanden.

 

Den größten Teil seiner Schaffenszeit verbrachte Georg Lührig in Dresden, unterbrochen von einigen Aufenthalten in Rumänien. In der dortigen Bevölkerung fand er ein Hauptthema für sein Werk. So zum Beispiel im Gemälde „Alter und Jugend“, zu dem die Schau Detailstudien gesellt. Sie stammen, wie die meisten Lithografien und kleineren Werke, aus dem Privatbesitz von Lührigs Erben.

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Georg Lührig: Alter und Jugend, 1898, Gemäldegalerie Neue Meister, SKD © Städtische Sammlungen Freital / Biokovar

„Alter und Jugend“ selbst gehört, wie auch ein phänomenales Ölgemälde eines Pelikans, zum Besitz der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Bis zur Wende hing es in der Dauerausstellung, verschwand aber nach der Wende recht schnell und kommentarlos im Depot. Schade, denn im Klingnersaal würde es eine hervorragende Figur machen.

 

Doch schon in der DDR setzte das Vergessen ein. Nur einige der Lithografien aus der Arbeitersphäre wurden in Sonderausstellungen präsentiert. Georg Lührigs Ölgemälde hatten zwar einen festen Platz in Dauerausstellungen, doch wurde die Aufmerksamkeit nie gezielt auf sie gelenkt. Heute ist Lührig fast vergessen. Trotz seiner großartigen Fertigkeiten und trotz der Tatsache, dass er als Maler in Künstlergruppen wie der Dresdner Secession vernetzt war. Obwohl er als Professor der Dresdner Kunstakademie die Schüler von Otto Dix übernahm und damit eine ganze Generation Dresdner Maler prägte.

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So sah er aus: Selbstbildnis, um 1900 © Städtische Sammlungen Freital / Biokovar

Fazit: Auf nach Schloss Burgk, liebe Kunstfreunde! Hier gilt es einen vergessenen Großen zu entdecken. Die engagierten Museumsleute hätten regen Zulauf redlich verdient. Ist weniger Betrieb, hat der Besucher aber einen gewaltigen Vorteil. Dann hat er nämlich die Chance, vom freundlichen und ungemein informierten Wachmann noch so einiges Wissenswerte über die Exponate der Dauerausstellung zu erfahren.

 

Wer die Ausstellung verpasst, findet in dem hervorragenden Ausstellungskatalog von Inge Knoblauch ein tolles Trostpflaster. Schloss Burgk bietet mit Dauerausstellung, Sammlung Pappermann und dem Bergbaumuseum genügend Reizvolles für einen Museumstag. Und nicht vom Schloss gehen, ohne auf dem Spielplatz gewesen zu sein! Egal, ob mit Kindern, oder ohne.

Geschrieben von Katrin Mai

Quellen:

Inge Knoblauch: Georg Lührig – eine Ausstellung anlässlich seines 150. Geburtstags (Ausstellungskatalog)

http://www.georgluehrig.de/

Seite des Rathauses Freital

Seite der Stadt Freital

Einblick in den Rechercheaufwand zur Ausstellung bietet die Sächsische Landesbibliothek Dresden

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