“Der Wein und der Wind” (2017)

© Studiocanal

Filmkritik: Die Franzosen und der Wein sind ein Paar, welches uns schon in vielen Filmen begegnet ist. Das beschränkte sich dabei in den meisten Filme auf den Genuss des Traubentranks, doch der neue Film von Cédric Klapisch – “Der Wein und der Wind” (OT: “Ce qui nous lie”, Frankreich, 2017) zeigt, wie viel Arbeit im Weinbau steckt, und verknüpft es geschickt mit einer interessanten Familiengeschichte.

Jean (Pio Marmaï) war über zehn Jahre nicht mehr auf dem Familienweingut in Burgund gewesen. Doch als er die Nachricht erhält, dass sein Vater im Krankenhaus liegt, tritt er die Reise nach Hause an und lässt seine Freundin Alicia (María Valverde) und sein Kind in Australien zurück. Nach dem Tod des Vaters geht er zusammen mit seiner Schwester Juliette (Ana Giradot) und seinem kleinen Bruder Jérémie (François Civil), der auch noch auf dem Weingut seiner Schwiegereltern arbeitet, die nächsten Lese an. Ein Jahr harter Arbeit und finanzieller und familiärer Probleme liegen vor ihnen, aber auch die Chance die Zukunft positiv zu gestalten.

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Der französische Regisseur Cédric Klapisch erlangte durch die ‘L’Auberge espagnole’-Trilogie (“L’auberge espagnole – Barcelona für ein Jahr”, “L’auberge espagnole – Wiedersehen in St. Petersburg” und “Beziehungsweise New York”) große Bekanntheit. Doch schon 2010 entwickelte er erste Pläne für den Film “Der Wind und der Wein”. Es begann damit, dass er bei dem Schauspieler und Winzer Jean-Marc Roulot, den er einmal bei einem Casting kennengelernt aber nicht besetzt hatte, seinen Wein einkaufte. Irgendwann erlaubte dieser dem Regisseur Klapisch auf seinem Weingut Fotos aufzunehmen. Zusammen mit dem Fotografen Michel Baudoin suchte er dann den perfekten Ort (einen Baum in einem Gut). an dem er die Jahreszeiten festhalten kann. Als dieser gefunden war, machte Baudoin daraufhin von diesem Ort jede Woche ein Jahr lang ein Foto sowie einen 1-minütigen Film. Damit war das Gerüst für den Spielfilm geschaffen. Durch Klapischs Vater, einen absoluten Weinliebhaber, wurde der Regisseur selbst zu einem kleinen Kenner der burgundischen Weine. Zusammen mit dem Drehbuchschreiber Santiago Amigorena und dem befreundeten Winzer Jean-Marc Roulot wurde ein Drehbuch geschaffen, das die Weinherstellung so zeigt, wie sie wirklich ist. Während er die Weinlesen mehrere Male beobachtet hatte, wurde Klapisch bewusst, dass es alles wetterbedingt und somit fragil ist. In diesem Sinne spielen auch alle Jahreszeiten eine wichtige Rolle und so überredete er seinen Produzenten, den Film über ein Jahr lang immer wieder zu drehen und den Jahreszeiten die Drehplanung zu überlassen. Für die Authentizität war es aber nicht nur wichtig, dass die Umgebung stimmig eingefangen wurde, sondern, dass auch alle Arbeitsschritte mit eingebaut wurden, um zu zeigen, wie komplex und individuell der Weinanbau ist. Dabei ist die Darstellung auch für Laien verständlich, obwohl die Filmemacher nicht darauf verzichten, Fachtermina zu verwenden ohne diese zu erklären. Die dargestellte Arbeit ist dabei immer interessant und auf angenehme, leichte Weise lehrreich. Kombiniert wird das Ganze mit einer warmherzigen und schönen Familiengeschichte, die von drei sympathischen Geschwistern getragen wird. Natürlich kann nicht jedes Klischee umschifft werden, aber größtenteils ist die Familiengeschichte realitätsnah und unverkrampft. Auch kommt nicht alles so, wie es genretypisch erwartet werden würde. Diese Mischung aus expliziter Weinanbauarbeit und einer warmen, aber nie übertriebenen Familiengeschichte unterscheidet diesen Film von anderen französischen Arthouse-Kino. Getragen wird das ganze vor allem von den fantastischen Filmaufnahmen und den herausragenden Darstellern. Die Filmaufnahmen bieten eine breite Palette der burgundischen Landschaft. Oft spielt die Kamera mit wunderschönem Licht. Nach elf Filmen, die nur in Städten spielten, gelang Klapisch ein naturverbundener Film, der unangestrengt diese Schönheit preist. Zudem ist die Besetzung absolut gelungen. Die drei Hauptdarsteller füllen die Rollen perfekt aus aus und funktionieren als Gespann hervorragend. Vor allem Ana Giradot, die bisher international noch nicht wirklich von sich reden machte, kann hier als clevere und natürlich schöne Winzern die Zuschauer an die Geschichte binden. Im Gesamten kann man sich als Zuschauer freuen, dass Cédric Klapisch mal einen anderen Weg eingeschlagen hat. Abseits der Großstädte wie Barcelona und New York schuf er einen leisen, aber wunderschönen Film über die Liebe zum Wein und dessen Anbau.

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Fazit: Der französische Spielfilm “Der Wein und der Wind” ist kein typisches französisches Arthouse-Wohlfühlkino. Der Regisseur Cédric Klapisch und sein Drehbuchautor Santiago Amigorena lassen sich Zeit, die Herstellung von Wein ausführlich zu beschreiben und verflechten damit geschickt eine schöne Familiengeschichte. Diese kann durch die sympathischen Charaktere, den sanften Humor und die sehr guten Darstellern überzeugen. Zudem ist der Film eine große Liebeserklärung an den Landstrich Burgund, an die Natur selbst und die Traditionen, die es zu pflegen gilt. Im Gesamten ist den Filmemachern ein eindringliches Portrait gelungen, dessen Stimmung den Zuschauer auch nach dem Film noch berührt.

Bewertung: 7,5/10

geschrieben von Doreen Matthei

Quelle: Pressematerial von StudioCanal

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