“Die Nile Hilton Affäre” (2017)

© Port au Prince Pictures 2017

Filmkritik: Auf dem Sundance Film Festival in Utah (USA) gewann die internationale Produktion “Die Nile Hilton Affäre” (OT: “The Nile Hilton Incident”, Deutschland/Schweden/Dänemark) den ‘World Cinema Grand Jury Prize: Dramatic’. Der Regisseur Tarik Saleh und seine Crew wagen sich dabei an ein schwieriges, politisches Thema und tarnen es gut mit einem Kriminalfall.

In der Luxussuite des Nile Hilton in Kairo wird die Leiche einer bekannten Sängerin gefunden. Der Polizeikommissar Noredin (Fares Fares), der gut das Spiel der Korruption beherrscht und mit seinem Polizeichef-Onkel (Yasser Ali Maher) immer gut zusammenarbeitet, wird auf den Fall angesetzt. Doch schnell wird dieser ad acta gelegt und als Selbstmord vertuscht. So macht sich Noredin ungewöhnlicherweise eigenständig daran den Fall zu lösen. Dafür versucht er das Dienstmädchen Salwa (Mari Malek) ausfindig zu machen und unterhält sich mit Gina (Hania Amar), der besten Freundin der ermordeten Sängerin. Damit wirbelt er viel Staub auf, der bis in die höchsten Ebene der Elite Ägyptens und des Polizeiapparats hinein für Aufsehen sorgt.

© Port au Prince Pictures 2017

Die Idee zum Film kam dem schwedischen Regisseur und Autor Tarik Saleh (*1972) als er von dem Fall der ermordeten, recht bekannten Sängerin Suzanne Tamim 2008 in Dubai erfuhr. Dieser Mordfall führte bis zu den einflussreichsten Männern Ägypten. Als sie den reichen Geschäftsmann Mostafa mit Immunitätsstatus verließ, gab dieser ihre Ermordung in Auftrag. Der Mord wurde durch einen ägyptischen Polizisten ausgeführt. Daraus spannte Saleh die Geschichte weiter bis zur Suche nach der Ursache, wie es kommt, dass sowas in Auftrag gegeben werden kann? Schon 2010 überlegte er sich, dass das Drehbuch mit einer Art Revolution enden sollte. Ein Jahr später war der “Arabische Frühling” Wirklichkeit und so verband er die politischen Ereignisse mit dem Kriminalfall von 2008. Die Mischung funktioniert sehr gut und besticht mit einer realistischen Sicht auf das korrupte System des Landes. Der Film lässt sich Zeit die Auswirkungen dessen mit allen Verwicklungen auszuarbeiten, so dass der Betrachter immer aufs Neue schockiert ist, wie weitreichend die kriminellen Strukturen gehen. Auch verliert der Zuschauer wie sein Antiheld Noredin ab und zu den Überblick. Dieser wird wunderbar von dem guten Freund Salehs, dem schwedisch- libanesischen Schauspieler Fares Fares dargestellt. Er schafft es, den korrupten Polizisten Noredin noch sympathische Züge zu verleihen, um das Publikum an den Film zu binden, und trotzdem authentisch zu bleiben, so dass seine finale Läuterung etwas sehr menschliches besitzt. Bei der Ausgestaltung hatte der Regisseur die Film Noirs der 40er Jahre mit dem Moloch von Los Angeles vor Augen. Dabei empfindet er die Großstadt als eine urbane Schönheit und so ist der Film auch ausgestaltet. Missen die Locations zwar nichts an Authentizität (gedreht wurde in Casablanca (Marokko) – da ihnen kurz vorher die Drehgenehmigung für Kairo entzogen wurde), besitzen sie einen urbanen Charme. So sieht man dem Film die Liebe für Ägypten an. Der Regisseur mit ägyptischer Abstammung möchte zwar das System anklagen, aber nicht das ganze Land in Verruf bringen. Das gelingt ihm unaufdringlich und das Ende lässt Optimismus durchklingen. So ist ihm ein politischer Film gelungen, auch wenn dies nie seine Absicht war, der anklagt, wachrütteln will, der noch einmal die vergangenen Ereignisse ins Gedächtnis ruft und daran erinnert, dass es noch nicht geschafft ist.

© Port au Prince Pictures 2017

Fazit: Der europäische Spielfilm “Nile Hilton Affäre” vermischt souverän Kriminalfall mit Polit-Kino. Dabei erzählt er historisch gesehen nichts Neues, fasst aber gut zusammen, was falsch läuft, wenn das ganze System korrupt ist. Der Film möchte die Zuschauer emotional wachrütteln und zeigt mit seinem auch liebevollen Blick, dass es Hoffnung für das Land gibt. Im Gesamten ist den Filmemachern ein solider Film gelungen, der den Anfang des Arabischen Frühling unaufdringlich thematisiert und mit seiner Spannung, auch wenn diese ab und zu abnimmt, die Zuschauer an die Geschehnisse binden kann.

Bewertung: 6,5/10

Kinostart: 5. Oktober 2017, DVD-Start: unbekannt

Der Trailer zum Film:

geschrieben von Doreen Matthei

Quelle: Pressematerial von Port-Au-Prince

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