„Mother!“ (2017)

© Paramount Pictures

Filmkritik: Der amerikanische Filmemacher Darren Aronofsky (*1969) macht schon seit einigen Jahren zum Teil schwierige und außergewöhnliche Filme, die oft einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Angefangen bei dem fast schon Klassiker “Pi – System im Chaos” (1998) bis hin zu dem vielfach prämierten “Black Swan” (2010) schuf er Filme, die eine tiefere Ebene als das Gesehene besitzen. Da reiht sich sein neuester Film “Mother!” (OT: “Mother!”, USA, 2017) nahtlos ein.

Ein Autor (Javier Bardem) mit Schreibblockade lebt mit seiner Frau (Jennifer Lawrence) abgeschieden von der Welt in einem Landhaus. Eines Tages erhalten sie unerwartet Besuch von einem Fremden (Ed Harris) und dessen später dazu kommender Frau (Michelle Pfeiffer). Die beiden bringen die Ordnung durcheinander und wollen scheinbar nicht gehen. Die nachfolgenden Ereignissen führen aber unerwarteterweise zu einer neuen Muse für den Autor und zu dem langersehnten Mutterglück für seine Frau, welches wiederum unerwartete Konsequenzen mit sich bringt.

© Paramount Pictures

Die Idee zu dem Kammerspiel kam dem Regisseur Darren Aronofsky, der auch das Drehbuch schrieb, als er in einem einsamen Haus über die Welt mit all ihren heutigen Verrücktheiten, Ängsten und der damit einhergehenden Hilflosigkeit nachdachte. Daraufhin schrieb er in fünf Tagen ein Script, das an der Oberfläche etwas anderes erzählt, als seine Metaebene. Stets ist es Aronofskys Ziel, den Zuschauern mit seinen Filmen etwas zu zeigen, was sie nicht erwartet hätten und hier macht er gleichzeitig eine Bestandsaufnahme von der Welt. Das ist ihm mit “Mother!” gelungen. Der verrückte Ritt, der in einigen Punkten unbegreiflich erscheint, packt den Zuschauer auf vielen Ebenen. Als Deutungshilfe dient dabei nicht nur die Situation der heutigen Welt, sondern auch religiöse Themen und Motive sind unverkennbar vorhanden. Viele einzelne Bilder lassen sich durch den religiösen Code entschlüsseln und erklären die Handlungen der Figuren. Zudem wird dann auch der Titel, der sich auf die Mutter Erde bezieht, klar. Jennifer Lawrence spielt diese Rolle mit der richtigen Unschuld und Unfassbarkeit darüber, wie mit ihnen und später mit ihrem Kind umgegangen wird. Sie ist der Schlüssel der Geschichte und so wird auch alles nur aus ihrer Perspektive erzählt, was sich in der Kameraarbeit niederschlägt. So sieht der Zuschauer nur das, was sie sieht, und kann durch die exzellente Darstellung der stets barfuß laufenden Jennifer Lawrence spüren, was sie spürt. Auch für die anderen Rollen wurden die richtigen Darsteller gewählt, die perfekt in ihren Rollen schlüpfen. Formal wird das Ganze mit seiner engen Location, die trotzdem die Weltgeschichte wiederspiegelt, wunderbar eingefangen. Das Haus, was sie dafür erbauten, musste sogar zweimal errichtet werden, um die Zerstörungsszenen drehen zu können. Zusammen mit seinem Komponisten Jóhann Jóhannsson (bekannt für “Sicario”, “Arrival”) entschied sich der Filmemacher, auf Musik zu verzichten, um dadurch die Wirkung des Films zu verstärken. So entstand im Gesamten ein eindringlicher Film, den man so schnell nicht vergisst, welcher die Weltsicht Aronofskys, ob nun religiös und profan gedeutet, zeigt und somit ein fast persönlicher Film geworden ist.

© Paramount Pictures

Fazit: Der Spielfilm “Mother!” überrumpelt den Zuschauer mit seiner gewaltigen Bildkraft. Die Irritationen, wenn man sich nicht vorher mit den Deutungsmöglichkeiten beschäftigt hat, sind groß und halten die Spannung konsequent aufrecht. Aronofskys neuester Film ist verkopft, fesselnd, anstrengend und spannend bis in die letzte Minute und bewegt sich mit seinen Bildern und den hervorragenden Darstellern abseits vom Mainstream-Kino.

Bewertung: 7/10

Kino-Start: 14. September 2017, DVD-Start: 18. Januar 2018

Der Trailer:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

3 Gedanken zu “„Mother!“ (2017)

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