“The Disaster Artist” (2017)

Poster zum Film

© Justina Mintz / A24 / New Line Cinema

Filmkritik: Im Jahr 2003 löste der Film “The Room” des Filmemachers Tommy Wiseau den allseits geliebten Klassiker “Plan 9 from Outer Space” (1959) von Ed Wood als schlechtesten Film aller Zeiten ab. Wie dieser überhaupt das Licht der Leinwand erblicken konnte, erzählt uns nun der Oscaranwärter “The Disaster Artist” (OT: “The Disaster Artist”. USA, 2017) des Schauspieler-Regisseurs James Franco.

© Justina Mintz / A24 / New Line Cinema

1998 lernen sich in einer Schauspielklasse in San Francisco der schüchterne Greg Sestero (Dave Franco) und der auffällige Tommy Wiseau (James Franco) kennen. Beide haben den gleichen Traum vom Ruhm als Schauspieler. Zusammen brechen sie nach Hollywood auf, um endlich berühmt zu werden. Doch sie scheitern bei allen Castings. Da bekommt Tommy die Idee, dass sie ihren eigenen Film drehen können, in dem sie selbst die Hauptrollen spielen. So beginnen die Dreharbeiten zu ‘The Room’. Dabei haben sie zwar keine finanziellen Probleme, aber viele anderen Hürden müssen überwunden werden. Doch trotz allem scheint sich das Projekt nicht in die gewünschte Richtung zu entwickeln.

© gemeinfrei

Tommy Wiseau

Vor 15 Jahren lief “The Room” gerade einmal in zwei amerikanischen Kinos an. Der Film erzählt im Kern eine Dreiecksliebesgeschichte zwischen Johnny (Tommy Wiseau), seinem besten Freund Mark (Greg Sestro) und Lisa (Juliette Danielle). Die Geschichte wird aber zusätzlich aufgefüllt mit losen Nebensträngen und vielen weiteren Charakteren. Doch das Verhalten aller ist mehr als merkwürdig. Ständige Wiederholungen, gleich scheinende Dialoge, Entwicklungen, die nicht zu Ende gedacht sind, Personen, die einfach in die Wohnung kommen und eine Menge uninspirierter Sexszenen machen “The Room” sehr schrullig. Ernstnehmen, wie es vermutlich in Wiseaus Sinn stand, kann man den Film einfach nicht. Doch gerade wegen seiner Fehler und der schlechten schauspielerischen Leistung hat der Film mittlerweile Kultstatus erlangt. Regelmäßig wird er in Sonderveranstaltungen gezeigt. Wiseau hat sich dem angenommen und präsentiert das eigentliche Drama nun als Komödie. Eine neue Zusammenarbeit mit Greg Sestero – “Best F(r)iends: Unmasked” (geplant für 2018) – steht schon an. Wie es zu der ersten Zusammenarbeit kam und wie der Dreh vonstatten lief, schildert das Buch „The Disaster Artist: My Life Inside The Room, the Greatest Bad Movie Ever Made“ (2013) geschrieben von dem Schauspieler Greg Sestero (*1978) und dem Drehbuchautor Tom Bissell (*1974).

© Justina Mintz / A24 / New Line Cinema

Diese Schilderungen sind die Grundlage für den Spielfilm “The Disaster Artist”, der für den Oscar in der Kategorie “Bestes adaptiertes Drehbuch” nominiert wurde. Die Autoren Scott Neustadter (*1977) und Michael H. Weber (*1978) adaptierten die Vorlage recht getreu, nur reduzierten sie die tyrannische Ader Wiseaus auf ein Minimum. Der Film erzählt dabei nicht nur eine Geschichte über die Entstehung eines Films, sondern auch von Freundschaft, der Filmwelt an sich und vor allem von der geheimnisumwoben Person Tommy Wiseau. Dieser besitzt einen osteuropäischen Akzent, den er vehement leugnet und seine Herkunft einfach nicht verraten will. Auch sein Alter und woher die finanziellen Mittel stammen, um mehrere Wohnungen und ein ganzes Filmprojekt zu finanzieren, bleiben unbekannt. Das macht Wiseau zusammen mit seiner grauenvollen Performance im Film und seinem Bestehen auf manchen Szenen zu einer faszinierenden Person. James Franco (*1978), Regisseur und Hauptdarsteller, schafft es Wiseau perfekt zu imitieren. Dabei gelingt ihm nicht nur eine optische Anpassung, sondern auch in den Bewegungen und selbst beim Lachen bildet er eine gelungene Kopie. Das macht diesen Film sehr authentisch. Gerade wenn man auch “The Room” kennt, kann man die Detailtreue erkennen. Ganze Szenen wurden übernommen und alle witzigen und unlogischen Stellen werden perfekt aufs Korn genommen. Freilich ist die Hauptfigur das Gegenteil von einem Sympathen, aber Franco fängt diese mit all ihren Seltsamkeiten faszinierend ein und vermeidet es, sich über ihn lustig zu machen. Trotzdem kann der Film durch seine irrwitzige Geschichte und die gelungenen Dialoge die Zuschauer an sich binden. Im Gesamten ist “The Disaster Artist” mit seiner handwerklichen Machart, dem Ensemble und der Geschichte ein rundum gelungener Film, der sich die bisher gewonnenen Auszeichnungen, darunter den Golden Globe Award 2018 für den Besten Hauptdarsteller, wahrlich verdient hat und so auch gute Chancen auf einen Oscar hat.

© Justina Mintz / A24 / New Line Cinema

Fazit: Der Spielfilm “The Disaster Artist” erzählt eine irrwitzige, aber wahre Geschichte über die Entstehung des wirklich schlechten Spielfilms “The Room”. Dabei handelt er nicht nur vom Filmgeschäft, sondern auch von Tommy Wiseau, dem mysteriösen und eigenwilligen Schaffer des Werkes. Handwerklich gut gemacht mit perfekt nachgestellten Szenen und einer hervorragenden Performance der Franco-Brüder ist der Film mehr als sehenswert und ein kleines Highlight unter den diesjährigen Oscarkandidaten.

Bewertung: 8,5/10

Kinostart: 1. Februar 2018, DVD-Start: 28. Juni 2018

Der Trailer zum Film “The Disaster Artist”:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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