Fünf Fragen an Ivan Barge

Interview: Nachdem uns der Kurzfilm “Madam Black” auf dem 19. Landshuter Kurzfilmfestival 2018 in der ‘Shock Block’-Reihe begeisterte hatte, gab es die Möglichkeit sich mit dem Filmemacher Ivan Barge aus Neuseeland über die Entstehung des Films, tote Katzen und folgende Projekte zu unterhalten.

The original english language interview is also available.

“Madam Black” ist alles auf einmal: böse, extrem komisch und gefühlvoll. Wie kam es zu der Idee von Matthew Harris und wie hast Du die Geschichte noch mitentwickelt?

Danke, ich dachte genau dasselbe, als Matt mir das Drehbuch geschickt hat. Es war schon sehr fein geschliffen, als ich es erhielt. Die einzigen Dinge, die wir etwas gestrafft haben, waren die Dialoge, nachdem wir es uns ein paar Mal durchgelesen hatten. Wir haben ein paar Ideen zur Montage hinzugefügt und die letzte Einstellung, die gefilmt wurde, lange nachdem die Dreharbeiten eigentlich schon abgeschlossen waren. Wir haben uns beide etwas mit dem Ende abgemüht, da es sich ein bisschen zu abrupt anfühlte. So kamen wir an einen Punkt an dem wir uns eine Lösung überlegen mussten, und zwar die Aufnahme der Postkarten und des Albums. Zu der Zeit war Pearl Everard [Darstellerin der kleinen Tilly] schon älter und so mussten wir die Aufnahme über ihre Schulter drehen, um Anschlussfehler zu vermeiden.

Die Idee zur Geschichte verdankt Matt zwei Quellen: Er trat unabsichtlich auf dem neuen Kätzchen der Familie als er sich eines Nachts, um sein Baby kümmert. Und einer Geschichte darüber, wie Franz Kafka ein Kind in einem Park traf, das ihre Puppe verloren hatte. Er erzählte ihr, dass die Puppe auf Reisen war und er jeden Tag mit Briefen zurückkehren werde.

Großartig ist der sehr künstliche Stil. Wieso habt ihr dafür entschieden die Katzenleiche so unecht aussehen zu lassen?

Ha … das war tatsächlich eine Sorge von mir als ich die Kiste vom Tierpräparator öffnete. Ich dachte nicht, dass sie so schlimm aussehen würde. Wir hatten wirklich große Probleme damit eine Katze zu finden. Es waren nur noch wenige Wochen bis zum Drehbeginn als wir eine auftreiben konnten. Letztendlich war das aber in Ordnung: Man sieht nie das Gesicht von Madam Black wenn sie das erste Mal auftaucht und Ich dachte mir, dass wenn man es dann das erste Mal sieht, die Leichenstarre schon eingesetzt hat.

Wie wurde das ganze Setting für den Film ausgewählt?

Drehorte sind mir sehr wichtig. Sie helfen die Stimmung des Films zu bestimmen und sind eine Bühne für den Auftritt der Schauspieler und Schauspielerinnen. Also verbrachte ich viel Zeit damit Orte auszukundschaften. Außerdem habe ich mir lange überlegt, wie die Kulissen aussehen sollten – was auch wieder das Aussehen der Postkarten beeinflusste – und stellte mir vor, dass sie der Fotograf gebraucht gekauft hatte. Marcus Wohnung und Studio war ein Fotoatelier zu dem wir einen Zaun und Rasen hinzugefügt hatten. Tillys Zuhause musste wie das Haus einer Familie mit mittleren Einkommen aussehen, durfte aber keinen Zaun haben – das war schwer zu finden. Das Haus der Kundin war ziemlich leicht zu finden: Eine typische Neuseeland-Villa und den Laden hatten wir selbst hinzugefügt.

Der rege Festivalbetrieb beweist, dass euer Humor funktioniert. Hattet ihr trotzdem jemals Angst mit eurem Humor zu weit zu gehen?

Nicht wirklich, da die Geschichte im Kern gute Absichten hat und wir mit Jethro einen Schauspieler hatten, dem das Publikum fast alles vergeben konnte. Er spielt seine Rolle sehr empathisch, wenn das notwendig ist. Ich denke der einzige potenziell kritische Punkt ist die Rolle der Katze im Film, aber sogar Katzenbesitzer scheinen den Film zu mögen, vor allem, wenn ich ihnen erzähle, dass wir keinen Preis auf Madame Blacks Kopf ausgesetzt hatten, sondern sie schon tot war, als wir sie erhielten.

Neben der toten Katze sind die Schauspieler ungemein wichtig. Vor allem die kleine Pearl Everard ist wunderbar. Wie wurdet ihr auf sich aufmerksam?

Ich denke, wenn man anfängt Filme zu machen ist es sehr schwierig Erfahrung mit Schauspielern zu machen und deshalb muss man sich wirklich auf das Casting verlassen und immer dazulernen, wenn man Filme dreht. Das ist ein Gebiet, auf dem ich mich verbessern will und deshalb ist Miranda Harcourt, eine Schauspiellehrerin, gerade meine Mentorin als Teil des Script To Screen FilmUp-Programms.

Die Leute von ‘Catch Casting’ in Auckland waren großartig. Sie haben viele Kinder für das Vorsprechen gefunden und Pearl stach wirklich aus der Menge hervor. Hier war wieder Empathie ein wichtiger Faktor in der Entscheidung für sie. Sie hat beim Vorsprechen emotional gut reagiert und sich auch bei Stimmungsveränderungen gut verhalten.

Das Casting von Jethro, der Markus spielt, war seltsam. Ich habe ihn auf Facebook cybergestalkt und ihm eine beiläufige Nachricht geschickt, ob er nicht von Großbritannien nach Neuseeland kommen wolle, um bei einem Kurzfilm über eine tote Katze mitzuspielen. Ich hatte ihn in einem anderen Kurzfilm gesehen – “Sign Language” von Oscar Sharpe – und wusste, dass er perfekt für die Rolle wäre.

Wie geht es weiter? Werden Du und Matthew Harris weiterhin zusammenarbeiten? Ist ein Langfilmprojekt angedacht?

Ich würde es lieben, einen Langfilm zu machen, aber man weiß nie wirklich, was klappen wird und deshalb habe ich einige Projekt am laufen. Eines ist eine Adaption des Romans “Edwin & Matilda” von Laurence Fearnley, die ich mit der ‘New Zealand Film Commission’ entwickle. Außerdem arbeite ich noch an einigen Ideen für Fernsehsendungen, bei denen ich mit verschiedenen Autoren zusammenarbeite.

Als nächstes werde ich wahrscheinlich den Kurzfilm “Blue Smoke” umsetzen, dessen Drehbuch ebenfalls Matt geschrieben hat. Das ist wirklich großartig! Er arbeitet auch an ein paar Ideen für einen Langfilm und es wäre großartig diese Zusammenarbeit fortzusetzen.

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung von Michael Kaltenecker

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Interview: After we were quite taken with the short film “Madam Black” at the 19th Landshut Short Film Festival in the ‘Shock Block’ program, we had the chance to ask director Ivan Barge from New Zealand a couple of questions about the production of the film, dead cats and coming projects.“Madam Black” is everything at once: wicked, extremely funny and sentimental. Do you know how writer Matthew Harris got the idea? Did you develop it with him?

Thank you, I felt the same way when Matt sent me the script. It was very polished by the time I got it. The only things that were tidied up were the dialogue after some read throughs, we added some ideas to the montage and the last shot which was done well after the film was wrapped. We both struggled with the ending a little as it felt abrupt, and so we came up a full stop, which is the shot of the postcards and the album. By that time Pearl Everard was older and so we shot it over her shoulder for continuity.

Matt’s idea for the story came from two places, he accidentally stood on the families new kitten in the middle of the night while he was nursing his baby and a story about how Franz Kafka met a child in the park who had lost her doll. He told her the doll was travelling and that he would return everyday with correspondence.

The artistic style of the film is great. How did you decide on making the dead cat look so fake? How did you pick the whole setting for the film?

Ha…That actually was a concern when I opened the box from the taxidermist, I wasn’t expecting it to be so bad. We really struggled to find a cat, it was only a few weeks before the shoot that we sourced one. But in the end it worked out OK, you never see the face when we first meet Madam Black and I figured by the time you do rigor mortis would have set in.

Locations are really important to me, they help to set the tone and provide a stage for the actors to perform, and so I spent a long time scouting. As well as thinking long and hard about what the backdrops should look like, which in turn dictated the look of the postcards, I imagined the photographer had bought them as a set second hand. Marcus’s home/studio was a photography studio, which we augmented with fencing and a lawn, Tilly’s house needed to fit a middle income single parent family and have no fence, which was tricky. The clients house was fairly easy, a typical New Zealand villa, and the shop front we made.

Your film is shown at a lot of festivals all over the world, showing that you humor really works. Did you ever worry about going too far?

Not really, as I think the story ultimately has good intentions and with the casting of Jethro we had an actor an audience could forgive almost anything. His performance is very empathetic when it needs to be. I guess the only thing would be how people felt about the use of cat, but even cat owners seem to like the film. Especially when I tell them that we didn’t put a hit out on Madam Black, when we got her she was deceased.

Next to the cat the actors are also extremely important in making the film work. Pearl Everard in particular is wonderful. How did you find her?

I think when you are starting out making films getting experience with actors is hard and so you really have to rely on casting and learn as you go. It’s an area I want to be better at, with that in mind I’m currently being mentored by Miranda Harcourt an acting coach as part of Script To Screen’s FilmUp program.

Catch Casting in Auckland were amazing, they got a lot of kids in for auditions and Pearl really stood out. Again empathy was a really important factor in making that choice, she responded well emotionally in the casting session and reacted well to changes in tone.

Jethro who plays Marcus was a strange casting in that I cyberstalked him on Facebook and sent him a random message asking him to come down to New Zealand, from the UK, and star in a short film about a dead cat. I’d seen him in another short, Oscar Sharpe’s ‘Sign Language’  and knew he’d be perfect.

What are your future plans? Will you try to build on “Madam Black” or do you have completely different projects in mind? Will you continue working with Matthew Harris?

I’d love to make a feature, but you don’t really know what’s going to stick so I have to have a few projects on the go. One is a an adaptation of Laurence Fearnley’s novel ‘Edwin & Matilda’ which is in development with the New Zealand film Commission and some TV show ideas which I’m working on with a couple of different writers.

Next up probably is another short ‘Blue Smoke’, which Matt has written, it’s a cracker of a script. He’s also working on some feature ideas and it would be great to continue that collaboration into a long form project.

The questions were asked by Doreen Matthei

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