Sechs Fragen an Laurel Vail

Interview: Im Interview erzählt uns die Filmemacherin und Schauspielerin Laurel Vail, wie sie ihr erstes Projekt – “What Metal Girls Are Into” auf die Beine gestellt hat, von Frauen in der Filmbranche und wie Robert Rodriguez ihr Werk beeinflusst hat.

The original english language interview is also available.

Du hast vor Jahren schon als Schauspielerin in der Filmbranche begonnen und hast jetzt mit “What Metal Girls Are Into” Deinen ersten unter Eigenregie entstandenen Film gedreht. Erzähl mir mehr, wie es dazu kam und wie es war, das Projekt auf die Beine zu stellen.

Die Schauspielerei, insbesondere in Los Angeles, ist äußerst wettbewerbsintensiv, da es nur sehr wenige Jobs gibt und Hunderttausende von Schauspielern um sie wetteifern. So werden die meisten Leute einem sagen, dass die Entwicklung eigener Inhalte der Weg ist, um sowohl in etwas zu schauspielern, als auch potenziell bei mehr Jobs Beachtung zuerhalten. Außerdem wollte ich schon immer so etwas machen, aber ich habe es nie wirklich versucht. Der Film entstand zum Teil, weil ich mit einigen anderen Schauspielern in einer ‘Accountability Class’ war. Sie wurde von meinem Schauspieltrainer Craig Archibald initiiert, um uns gegenseitig zu motivieren, Ziele zu erreichen. Das war also ein Teil davon. Der andere Teil davon war, ein wirksames Mittel gegen Depressionen zu finden. Obwohl ich um der Klasse willen an Dingen gearbeitet hatte, bekam ich erst, nachdem ich aus meiner Depression herausgekommen war, etwas in Schwung. Dies war im Jahr 2016. (Es heißt Transkranielle Magnetstimulation falls jemand fragt.) Ich hatte endlich das Selbstvertrauen, um es anzugehen, also entschied ich mich, den Film bis Ende des Jahres zu drehen. Ich habe im Juli mit der Vorproduktion begonnen. Im August habe ich die Location gebucht. Im Oktober habe ich das Crowdfunding gestartet. Dann habe ich im Dezember gedreht. Es war ein schwieriger Prozess, das Geld zu sammeln, aber ich wollte sicherstellen, dass ich so viele Leute wie möglich bezahle. Ich hatte noch nie selbst einen Film gedreht, also wollte ich ein erfahrenes Team. Es war wie eine Crash-Kurs-Filmschule. Ich habe viel gelernt.

Wenn man den Film gesehen hat, geht man davon aus, dass ein Metal Girl das geschrieben hat, doch im Abspann findet sich ein Metal Consultant. Wie bist Du an das Thema rangegangen, welche Recherche hast Du betrieben und wie haben Metaler selbst auf deinen Film reagiert?

Ich brauchte einen Grund, warum die Frauen bleiben sollten. Also dachte ich, es könnten hartnäckige Musikfans sein, die zu einer bestimmten Veranstaltung kommen. Ich hatte auch Fury Road vor kurzem gesehen (der erste Entwurf war 2015) und liebte die Art und Weise, wie Metal in den Action-Sequenzen verwendet wird. Mir gefiel die Idee, einen Action-Höhepunkt zu einem kraftvollen Metal-Song zu setzen. So wurden sie zu Metal-Fans. Es war perfekt. Da ich fast nichts über die Metal Community wusste, wandte ich mich an meinen Freund Emory. Er ist ein Metal-Experte und als ich ihn um Hilfe bat, war es, als hätte ich ihm ein Geschenk gemacht. Die meisten seiner Freunde mögen keinen Metal, also war es ein wirklich lustiges Projekt, mir und meinen Schauspielern alles über die Kultur und Musik beizubringen. Er erstellte Playlisten für jeden Charakter, basierend auf ihren Persönlichkeiten. Er half mir, die Songs auszuwählen, die ich im Film verwendet habe. Er half mir, die T-Shirts auszuwählen, die wir im Film tragen. Er brachte mich und meine Schauspielerinnen zu einer Metal-Show, damit wir die Energie der Show wirklich spüren konnten. Ich hätte dieses Projekt wirklich nicht ohne seine Hilfe durchführen können. Ich denke, die ganze Forschung hat sich ausgezahlt, weil mehrere Leute mir sagten, wie sehr sich die Charaktere wie echte Metalheads anfühlen. Sie schätzen die Witze über bestimmte Bands. Ich wollte wirklich, dass sie sich repräsentiert fühlen und nicht wie eine Pointe. Metalheads können im Film oft stereotypisiert werden, aber in Wirklichkeit sind sie sehr vielfältig, genau wie die Musik selbst.

Dein Humor ist stark splatterlastig. Ist die Dark Comedy die Komödienart, für welche Du Dich am meisten begeistern kannst?

Ich bin ein großer Fan der Dark Comedy. Ich habe nie wirklich darüber nachgedacht, ob es mein Favorit ist oder nicht. Es könnte sein? Ich denke, ich mag die Gegenüberstellung von dunklen Themen mit der Leichtigkeit des Lachens. Ich liebe Dinge, die absurd sind, aber straight gespielt werden. Das war der Ton, den ich anstrebte. Die Charaktere sind völlig ernst, aber das Publikum darf lachen, weil es irgendwie lächerlich ist.

Hast Du große cineastische Vorbilder vor allem aus dem Horrorgenre?

Ich wurde von Robert Rodriguez Humor beeinflusst. Seine Filme (die ich gesehen habe) sind dunkel und spannend, können aber auch übertrieben und sehr lustig sein. Es funktioniert, weil sich die Charaktere alle in ihrer Realität verankert fühlen, während die Situationen und Entscheidungen absurd sind. Ich habe auch einige visuelle Anregungen aus Jeremy Saulniers Filmen [Anmerk. der Red.: Regisseur von Filmen wie “Blue Ruin” (2013), “Green Room” (2015) und “Wolfsnächte” (2018)] übernommen. Ich habe einige seiner Arbeiten als Beispiele für meine DP in Vorproduktionssitzungen verwendet. Ich habe viele andere Regisseure, die ich liebe, aber das sind die beiden, die diesen Film am meisten beeinflusst haben.

Dein Film ist auch ein starkes Plädoyer für den Feminismus. Du hast nicht nur die starken Frauenfiguren auf der Leinwand, sondern hast auch die ganze Crew fast vollständig mit Frauen besetzt. In Zeiten der #MeToo-Bewegung ist das ein starkes Statement. War das genau Deine Absicht?

Ja, eines meiner Ziele war es von Anfang an, so viele Positionen wie möglich mit weiblicher Crew zu besetzen. Die Statistiken für Frauen (in jedem Beruf) in der Unterhaltungsindustrie sind sehr enttäuschend. Ich hatte gehofft, dass durch die Einstellung von mehr Frauen in meiner Crew sie einen weiteren Credit bekommen und für den nächsten Job, für den sie sich bewerben, viel ernster genommen werden. Wir sagen oft: „Arbeit schafft Arbeit.“ Und ich denke, es ist wahr. Wenn ich also die Fähigkeit habe, dazu beizutragen, diese Statistiken auch nur ein wenig zu verbessern, dann werde ich es tun. Am Ende hatte ich 85% Frauen in der Crew. Es wäre höher gewesen, aber ein Crewmitglied sprang zwei Tage vor dem Dreh ab und wir mussten sie sehr schnell ersetzen, kurz vor der Ferienpause. Also haben wir am Ende einen Mann eingestellt. Wir hatten auch einige männliche Freiwillige, weil ich niemanden ablehnen werde, der sich freiwillig meldet! Aber es waren hauptsächlich Frauen, also denke ich, dass es ein Erfolg war.

Ich denke, Du hast bestimmt die Lust am Filmemachen entdeckt. Wie wird es bei Dir weitergehen?

Als ich den Film drehte, um darin selbst zu spielen wurde mir klar, dass ich gerne Regie führe. Ich wünschte mir irgendwie, ich müsste nicht spielen, damit ich mich mehr darauf konzentrieren kann, die Regisseurin zu sein! Ich glaube nicht, dass der Film dadurch viel gelitten hat, aber ich freue mich auf ein weiteres Projekt, bei dem ich nur die Regisseurin bin. Ich habe die Schauspielerei noch nicht ganz aufgegeben, aber ich verfolge sie nicht aktiv. Mein Fokus liegt ganz auf der Regie.

Ich würde gerne noch mindestens einen weiteren Kurzfilm drehen, bevor ich überlege, einen Spielfilm zu machen. Ich muss noch viel lernen. Ich habe auch kein Geld, also würde ich Zeit brauchen, um das herauszufinden. Im Moment befinde ich mich in einer Schreibphase, die ich ganz umsonst durchziehen kann!

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch unsere Rezension des Kurzfilms “What Metal Girls Are Into


Interview: In the interview the filmmaker and actress Laurel Vail tells us how she got her first project – „What Metal Girls Are Into“ off the ground, about women in the film industry and how Robert Rodriguez influenced her work.

You started years ago as an actress in the film industry and have now shot your first self-directed film with „What Metal Girls Are Into„. Tell me more about how that came about and what it was like to get the project off the ground.

Acting, especially in Los Angeles, is extremely competitive with very few jobs and hundreds of thousands of actors vying for them. So most people will tell you that making your own content is the way to both get to act in something and potentially get noticed for more jobs. Plus, I’ve always wanted to do something like this, but never really went for it. The film came about partly because I was in an „Accountability Class“ with some other actors. It was put together by my acting coach, Craig Archibald, as a way to motivate each other to achieve goals. So that was one part of it. The other part of it was finding an effective treatment for depression. Even though I’d been working on things for the sake of class, I didn’t really get anything going until after I got out of my depression. This was in 2016. (It’s called Trans-cranial Magnetic Stimulation in case anyone asks.) I finally had the confidence to go for it, so I decided to shoot it by the end of the year. I started pre-production in July. I booked the location in August. I crowdfunded in October. I shot it in December. It was a difficult process to crowd fund the money, but I wanted to make sure I paid as many people as I could. I’d never made a film myself, so I wanted an experienced team. It was like crash-course film school. I learned a lot.

After I had seen the movie I assumed that a Metal Girl wrote it, but in the credits I could find a Metal consultant. How did you approach the topic, what research did you do and how did Metal people react to your film?

I needed a reason for the women to stay. So I thought they could be stubborn music fans, visiting for a specific event. I’d also seen Fury Road recently (first draft was in 2015) and loved the way the metal is used in the action sequences. I really liked the idea of setting an action climax to a powerful metal song. So they became metal fans. It was perfect. Since I knew almost nothing about the metal community, I turned to my friend Emory. He’s a metal expert and when I asked him for help it was like I’d given him a gift. Most of his friends are not into metal, so it was a really fun project to teach me and my actors all about the culture and music. He made playlists for each character based on their personalities. He helped me pick out the songs I used in the film. He helped me pick out the t-shirts we wear in the film. He brought me and my actresses to a metal show so we could really fell the energy of it. I truly could not have done this project without his help. I think all the research paid off because I’ve had several people tell me how much the characters felt like real metalheads. They appreciate the jokes about certain bands. I really wanted them to feel represented, rather than feel like a punchline. Metalheads can often be stereotyped in film, but in reality they are extremely varied, just like the music itself.

Your humour is very splatter-heavy. Is Dark Comedy the kind of comedy you are most enthusiastic about?

I am a big fan of dark comedy. I’ve never really thought about if it’s my favorite or not. It might be? I think I like the juxtaposition of dark themes with the lightness of laughter. I love things that are absurd, but played straight. That was the tone I was going for. The characters are completely serious, but the audience gets to laugh because it’s sort of ridiculous.

Do you actually have great influences in the film landscape, especially in the horror genre?

I was influenced by Robert Rodriguez’s humor. His films (that I’ve seen) are dark and thrilling, but can also be over the top and very funny. It works because the characters all feel grounded in their reality, while the situations and decisions are absurd. I also took some visual cues from Jeremy Saulnier’s films. I used some of his work as examples for my DP in pre-production meetings. I have a lot of other directors I love, but those are the two that influenced this film the most.

Your film is also a strong plea for feminism. You don’t only have the strong women on the screen, but you also cast the whole crew mainly with women. In times of the #metoo-movement this is a strong statement. Was that exactly your intention?

Yes, one of my goals from the start was to fill as many positions as I could with female crew. The statistics for women (in any job) in the entertainment industry are very disappointing. I was hoping that by hiring more women on my crew, they will have one more credit and will be taken that much more seriously for the next job they apply for. We often say, „Work begets work.“ And I think it’s true. So if I have the ability to help improve those statistics even a little, then I am going to do it. I ended up with 85% women on the crew. It would have been higher but a crew member bailed two days before the shoot and we had to replace her very quickly, right before the holiday break. So we ended up hiring a man. We also had some male volunteers because I’m not going to turn down anyone who wants to volunteer! But it was mostly women, so I felt like it was a success.

I think you’ve discovered a passion for filmmaking. What are your plans?

In the process of making a film for me to star in, I realized I love directing. I found myself kind of wishing I wasn’t in it at times, so I could focus more on being the director! I don’t think the film suffered much because of it, but I’m looking forward to doing another project where I’m just the director. I haven’t completely given up acting, but I’m not actively pursuing it. My focus is all on directing.

I’d like to make at least one more short film before I consider doing a feature. I still have a lot to learn. I also have no money, so I would need time to figure that out anyway. For now, I’m in a writing phase, which I can do for free!

Questions asked by Doreen Matthei

Read on our german review of the shortfilm “What Metal Girls Are Into

Ein Gedanke zu “Sechs Fragen an Laurel Vail

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.