Fünf Fragen an Tsai Tsung-Han

Interview: Der außergewöhnliche Kurzfilm „Love after Time“, gesehen auf dem 19. Landshuter Kurzfilmfestival, stammt aus der Hand des taiwanesischen Filmemacher Tsai Tsung-Han. Im Gespräch erzählt er uns wie es dazu kam, ob er Found-Footage verwendet und wie es bei ihm weitergehen wird.

The original english language interview is also available.

Dein Kurzfilm „Love after Time“ gehört zu den außergewöhnlichsten Dystopien, die ich in den letzten Jahre gesehen habe. Wie kam es zur Idee des Films?

Zunächst war ich schon immer an ‘verbotener Liebe’ interessiert und wollte das zum Kern des Films machen.

Ich habe die Idee drei Jahre lang entwickelt, als es nach der Atomkatastrophe von Fukushima in Taiwan einen großen Protest gegen das Kernkraftwerk gab. Das gab mir die Inspiration, die Geschichte zu abzuschließen.

Kannst Du mir zur Umsetzung des Films erzählen. Hast Du auch Found-Footage-Material verwendet?

Zwei Schnitte sind Found-Footage und ich habe dafür bezahlt: Die Explosion und die Szene der verfallenen Häuserlandschaft. Das war unmöglich für mich zu drehen. Ein Schnitt ist SFX – der Penis an der Hand des Babys. Alles andere sind echte Kameraaufnahmen.

Ich finde, in der Geschichte steckt sehr viel drin. Ich könnte mir das auch wunderbar als Langfilm vorstellen. Schon mal dran gedacht?

Ja, ich denke darüber nach, daraus ein Feature zu machen. Ich bin ein angehender Regisseur, aber es ist schwer, einen Film mit viel Geld zu machen. Es wird Zeit kosten, es umzusetzen und ich werde zuerst einen weiteren Kurzfilm machen.

Deine Darsteller sind sehr gut gewählt. Wie lief der Casting-Prozess ab? Und wie sind die beiden mit der recht außergewöhnlichen Sex-Szene umgegangen?

Sie alle sind ausgezeichnete Schauspieler in Taiwan. Ich bin ein preisgekrönter Autor, deshalb stimmten sie wohl zu, bei einem so seltsamen Film mitzumachen, denke ich. Ich entschied mich für sie, weil ich sie mag und sie vertrauen mir auch.

Ich habe mein Bestes getan, damit sie sich sicher fühlen und spielen können, und das ist alles, was ich tun kann. Sie sind alle professionelle Schauspieler.

Wie wird es bei Dir weitergehen? Wirst Du weitere Kurzfilme realisieren?

Ich habe einen VR-Kurzfilm [„Live Stream from YUKI <3“] fertiggestellt und werde damit bald beim ‘Kaohsiung Film Festival’ Premiere haben. Ich werde mich außerdem darauf konzentrieren, meinen ersten Feature zu machen. Ich bin ja nicht mehr jung.

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzungen Michael Kaltenecker.

Ebenfalls auf der Testkammer: Der Kurzfilm  „Love after Time


Interview: The extraordinary short film Love after Time, seen at the 19th Landshut Short Film Festival, was made by the Taiwanese filmmaker Tsai Tsung-han. In a conversation, he tells us how it came to this, whether he uses found footage and what he will do next.

Your short film „Love after Time“ is one of the most unusual dystopias I have seen in recent years. How did the idea of the film come about?

First of all, I am always interested in „forbidden love and wanted to make a film from this core.

I developed it over three years and when there was a big protest against a nuclear power plant in Taiwan after the Fukushima nuclear disaster that gave me inspiration to finish the story.

Can you tell me about the realization of the film? Did you also use found footage material?

Two cuts are found footage. (I paid for that) The explosion and the lanscape scene of ruined houses. It’s impossible for me to shoot it.

One cut is SFX, which is the penis on the baby’s hand. All the others are real camera shooting.

I think there’s a lot in the story. I could also imagine it as a wonderful feature-length film. Have you ever thought about it?

Yes, I am thinking about making it a feature. I am a new director it’s hard to make a feature due to costs. It will cost time to make it. I will make another smaller film first.

Your actors are very well chosen. What was the casting process like? And how did they deal with the quite extraordinary sex scene?

They are all awarded actors in Taiwan. I am an awarded writer. That’s why they agreed to play in such a strange film I guess. I choose them because I like them. They trust me also.

How will it continue with you? Will you be making more short films?

I finished a VR short [„Live Stream from YUKI <3“] and will be premiered in Kaohsiung Film Festival soon. I will focus on making my first feature. I am not young.

Questions asked by Doreen Matthei.

Read on our german review of his shortfilm „Love after Time

2 Gedanken zu “Fünf Fragen an Tsai Tsung-Han

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