Sechs Fragen an Britt Raes

Interview: Im Gespräch erzählt uns Britt Raes mehr über ihren Kurzfilm „Catherine“, der u.a. die Zuschauer auf dem 19. Landshuter Kurzfilmfestival wunderbar unterhielt, ihre Liebe zu Tieren und ihre Entscheidung den Film in Englisch zu drehen.

The original english language interview is also available.

Du bist über ein Kunststudium zum Animationsfilm gekommen. Auch ist „Catherine“ laut imdb.com nicht Dein erster Kurzfilm. Kannst Du uns etwas mehr von Deinem Werdegang erzählen und wie es zur Entwicklung von „Catherine“ kam?

Ich habe 2011 mein Studium mit dem Kurzfilm „Homemade“ abgeschlossen und habe danach bei einer fünfwöchigen Residenz den Dokumentarfilm „Les Dernières Pièces [ET: „The Last Pieces“ ] erstellt.

Im Jahr 2012 suchte ich zusammen mit meinem damaligen Freund Bert ein Haus. Ich dachte viel über das Konzept von ‘Zuhause’ nach und machte Zeichnungen von Häusern auf surrealistische Weise. Und eine dieser Zeichnungen war ein Tier mit einem Haus anstelle eines Kopfes. Denn im Niederländischen ist das Wort für „Haustier“ „huisdier“, was, wenn man es übersetzt, wörtlich „Haustier“ bedeutet. Das war der Ausgangspunkt der Geschichte. Ich fing an, an einen Charakter zu denken, für den ein Haustier sehr wichtig ist, und begann mich zu fragen, warum das so sein würde und wie das sehr schief gehen könnte.

Catherine“ ist mein erster professioneller Kurzfilm. Ich erhielt Unterstützung vom VAF (Flemish Audiovisual Fund), dank dem ich Julia Pott als Mentorin bei der Entwicklung des Kurzfilms gewinnen konnte. Der VAF unterstützte auch die Produktion im Jahr 2014, und zusammen mit meinem Produzenten Creative Conspiracy haben wir den Film 2016 fertig gestellt!

Deine Geschichte ist putzig und etwas morbide zugleich. Da steckt sehr viel humoristisches Potential in Deiner Geschichte. Wie hast Du deine Art von Humor gefunden und was zeichnet ihn Deiner Meinung nach aus?

Ich liebe bittersüßen, dunklen Humor! Als Kind liebte ich es, die Geschichten von Roald Dahl zu lesen (zum Beispiel „The Witches!“), und jetzt als Erwachsener liebe ich diese Geschichten immer noch.

Ich erinnere mich, als ich die Geschichte schrieb, und ich erklärte sie Freunden, dass ich ihnen sagte: „Oh, ich schreibe diesen lustigen Kurzfilm, und das und das passiert.“ Und als ich mit dem Erzählen der Geschichte fertig war, sahen sie mich an und sagten: „Britt, das ist keine lustige Geschichte, sie ist wirklich traurig.“ Und ich erkannte, dass ich, wenn ich die traurige Geschichte behalten und sie lustig machen wollte, genug Kontrast brauchte.

So war ich mir sehr bewusst, dass ich sehr süße, leuchtende Farben, fröhliche Musik und niedliche Charaktere hatte, um es mit der traurigen Geschichte in Konflikt zu bringen!

Ich wollte auch wirklich einen lustigen Animationsfilm kreieren, der nicht nur ‚ein lustiger Film‘ war. Lustige Animationsfilme sind oft sehr visuell orientiert mit viel Slapstick oder Gags. Ich wollte, dass mein Film von der Geschichte beeinflusst wird, und benutze den Humor und die Gags auf eine fast tragische Weise.

Die visuelle Umsetzung ist fantastisch. Du spielst mit surrealen Elementen, Farben und einer schlichten Bildgestaltung. Ich würde gern mehr von Deinem visuellen Konzept hören.

Dankeschön!

Viele der visuellen Entscheidungen, wie die Farben und die Kompositionen, wurden sehr bewusst getroffen. Ich versuchte, meine Schwächen zu den Stärken des Films zu machen.

Ich finde Farbe enorm schwierig, es war so schwer, Entscheidungen darüber zu treffen! Also beschloss ich, ein strenges Farbschema zu haben, und diese Regeln als Grundlage zu haben. Ich war angenehm überrascht, dass die Menschen so gut darauf reagieren! Die Farben waren definitiv einer der schwierigsten Aspekte des Films!

Und die einfache Bildkomposition, nun, das liegt daran, dass ich nicht sehr gut bei Hintergründen bin! Ich habe nicht immer die Geduld dazu. Also beschloss ich, jede Aufnahme auf das Wesentliche zu reduzieren und nur dann Hintergrundelemente zu zeigen, wenn sie notwendig waren. So gab es manchmal Aufnahmen ohne Hintergrund, denn die Aktion der Figur machte alles klar. Wenn die Aufnahme keinen Hintergrund brauchte und ich es nicht mochte einen zu erstellen, schien es ziemlich logisch, einfach nichts zu haben.

Natürlich, manchmal mit einem Hintergrund, und dann plötzlich ohne Hintergrund, kann sich das wie ein sehr unangenehmer Schnitt anfühlen. Also entschied ich mich, die Übergänge zu animieren. Das ließ mich das Konzept noch weiter vorantreiben und darüber nachdenken, wie diese Übergänge die Geschichte und die Emotionen der Figur unterstützen könnten.

Ich entwickle gerade einen neuen Kurzfilm, und visuell möchte ich nicht nur den Stil von „Catherine“ kopieren und einfügen. Ich möchte sehen, was für die Geschichte relevant ist, und sicherstellen, dass die Visuals mit der Geschichte verbunden sind.

Deine Muttersprache ist holländisch, aber der Film klingt sehr britisch. Kannst Du etwas zur auditiven Umsetzung und der Wahl der Sprecher erzählen?

Da Kurzfilme meist international gezeigt werden, z.B. auf Filmfestivals, war ich bestrebt, die Originalversion des Films so international wie möglich zu gestalten. Ich wollte den Dialog nicht vermeiden, also wählte ich Englisch. Englisch fühlt sich für mich als Filmsprache sehr natürlich an, nachdem ich so viele Filme und Serien und Kurzfilme auf Englisch gesehen habe! Die neuen Projekte, die ich entwickle, schreibe ich auch auf Englisch. Nicht nur den Dialog, sondern das komplette Skript.

Im Jahr 2015 war ich auf einer Roadtrip durch die USA, kurz vor Beginn der Produktion der Animation von „Catherine“. Und so kam mir die Idee, die Stimmen mit Schauspielern in den USA aufzunehmen! Die Auswahl an muttersprachlichen englischen Synchronsprechern in Belgien ist begrenzt im Vergleich zu der Anzahl der in LA verfügbaren Synchronsprecher.

Ein paar Schauspieler haben wir per E-Mail vorsprechen lassen, und am Ende meines Roadtrips haben wir alle Stimmen in einem Tonstudio in Burbank aufgenommen, und zwei Tage später bin ich mit der Aufnahme auf einer Festplatte zurück nach Belgien geflogen! Alle weiblichen Stimmen werden von einer Frau gemacht, und alle männlichen Stimmen werden von einem Mann gemacht!

Ein weiterer sehr wichtiger Synchronsprecher im Film ist Rudi Rok, ein finnischer Stand-up-Comedian, der alle Tierstimmen gemacht hat! Es ist wirklich schwer, die richtigen Tiersounds in einer Sound-Library zu finden, vor allem, wenn man Konsistenz braucht. Kitty ist während des gesamten Films eine Figur, also musste sie wie die gleiche Katze klingen. Mein Sound-Designer fand Rudi auf Youtube, wir haben uns mit ihm in Verbindung gesetzt und ihn für einen Tag nach Belgien geflogen, um alle Katzen-, Hunde- und Vogelgeräusche aufzunehmen!

Hier ist eine kleine Aufzeichnung der Stimmaufnahmen der verschiedenen Charaktere:

Hast Du selbst eine Katze? Kannst Du Dich auch für andere Tiere begeistern mit denen Du vielleicht weitere Kurzfilme umsetzen möchtest?

Der Name meiner Katze ist Kato, aber sie lebt im Moment nicht bei mir. Mein Bruder, meine Schwägerin und ihre Kinder haben Kato adoptiert, weil ich mein Haus verkauft habe (und in eine kleine Wohnung ziehe). Aber Kato könnte nicht glücklicher sein, sie bekommt so viel Aufmerksamkeit von meiner kleinen Nichte und meinem Neffen! Ich bin sicher, dass sie dort glücklicher ist, so viele Hände mehr, um sie zu streicheln!

Ich bin immer noch sehr fasziniert von Haustieren und wie die Tierhalter mit ihren Haustieren umgehen. Ich entwickle gerade eine neue Idee über Haustiere und werde diese Ende November bei Interfilm in Berlin und Anfang Dezember bei Cartoon Springboard vorstellen!

Wie wird es bei Dir weitergehen? Ich hab gelesen, Du planst sogar die Umsetzung eines Kinderbuches, was ich mir wirklich wunderbar vorstellen könnte.

Also, wie gesagt, ich entwickle eine neue Idee über Haustierhalter. Ich hoffe, dass es eines Tages zu einer Serie werden könnte! Die Welt besteht aus riesigen Katzen und Hunden, und sie haben winzige Menschen als ihre Haustiere. Ich arbeite allein an diesem Projekt und werde es in den nächsten Monaten umsetzen. Ich bin gespannt, wie die Leute darauf reagieren werden!

Aber ich arbeite auch an einigen Kindergeschichten. Es wäre schön, eines Tages ein Buch mit diesen Geschichten zu machen, aber im Moment sind die konkreten Pläne dafür ein Kurzfilm und ein mittellanger Film. Für den Kurzfilm habe ich Entwicklungsförderung erhalten, und zusammen mit meinem Produzenten Thuristar sind wir derzeit im Bereich Storyboarding und Design tätig. Der Mittellangfilm befindet sich noch in der Schreibphase, und ich arbeite mit Lunanime für dieses Projekt zusammen. Also, viele aufregende Dinge kommen auf uns zu, hoffentlich!

Und außerdem mache ich ab und zu auch einige Auftragsarbeiten, wenn sich eine interessante Gelegenheit ergibt, bin ich immer offen dafür! Letzten Sommer habe ich den Kindertrailer für das Anibar-Festival gemacht:

Und vorher habe ich einen Werbespot für das nationale Fernsehen entworfen, um die Leute zum Lesen anzuregen! 

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Catherine


Interview: Britt Raes tells us more about her short film „Catherine which entertained the audience at the 19th Landshut Short Film Festival, her love for animals and her decision to shoot the film in English.

You came to animation film by studying art. According to IMDB „Catherine“ is also not your first short film. Can you tell us a little bit more about your career and how „Catherine“ came to be?

I graduated in 2011 with the short film Homemade, and after that I did a residency of 5 weeks creating the documentary “Les Dernières Pieces”.

Back in 2012, I was looking for a house together with my then-boyfriend Bert. I was thinking a lot about the concept of ‚home‘, and making drawings of houses in surrealistic ways.

And one of those drawings was an animal with a house instead of a head. Because in Dutch the word for ‚pet‘ is ‚huisdier‘, which if you translate it literally means ‚houseanimal‘. This was the starting point of the story. I started thinking of a character for whom a pet is very important, and started wondering why that would be, and how that could go very wrong.

Catherine is my first professional short film. I received support from the VAF (Flemish Audiovisual Fund), thanks to whom I got Julia Pott to be my mentor during the development of the short. The VAF also supported the production in 2014, and together with my producer Creative Conspiracy, we finished the film in 2016!

Your story is cute and a bit morbid at the same time. There is a lot of humorous potential in it! How did you find your kind of humor and what do you think characterizes it?

I love bittersweet, dark humor! As a child I loved reading the stories of Roald Dahl (for example The Witches!), and now as an adult I still love those stories.

I remember when I was writing the story, and I was explaining it to friends I told them “oh I’m writing this funny short film, and this and this happens.” And when I finished telling the story, they looked at me, and they said “Britt…that’s not a funny story, it’s really sad.” And I realised that, if I wanted to keep the sad story and have it be funny, I needed enough contrast.

So I was very aware of having very sweet bright colours, and happy music, and cute characters. To make it clash with the sad story!

I also really wanted to create a funny animation film, that was not just ‚a funny film‘. Animation films that are funny are often very visually driven, with lots of slapstick or gags. I wanted my film to be story driven, and use the humor and the gags in an almost tragic way.

The visual implementation is fantastic. You play with surreal elements, colours and a simple image composition. I would love to learn more about your visual concept!

Thank you!

A lot of the visual decisions, such as the colours and the compositions, were very consciously made. I tried to make my weaknesses the strengths of the film. I find colour enormously difficult, it was so hard to make choices about it! So I decided to have a strict color scheme, and have those rules as a mainstay. I was pleasantly surprised that people react so well to it! The colours were definitely one of the hardest aspects of the film!

And the simple image composition, well, that’s because I’m not very good at backgrounds! I don’t always have the patience for it. So, I decided to strip each shot down to the essentials, and only show background elements if they were necessary. So sometimes there were shots without backgrounds, because the action of the character made everything clear. If the shot didn’t need a background, and I didn’t enjoy designing it, well, it seemed pretty logic to just have nothing.

Of course, sometimes having a background, and then all of a sudden not having a background anymore, this can feel like a very uncomfortable cut. So I decided to animate the transitions. This made me push the concept even more, and think of how these transitions could support the story and the emotions of the character.

I am currently developing a new short film, and visually I don’t just want to copy-paste the style of „Catherine“. I want to see what is relevant for the story, and make sure the visuals are connected to the story.

Your mother tongue is Dutch, but the film sounds very British. Can you tell something about the sound design and the choice of voice actors?

Because short films are mostly shown internationally, for example at film festivals, I was set on having the original version of the film as international as possible. I didn’t want to avoid dialogue, so I choose English.

English feels very natural as a ‚film language‘ for me, having watched so many films and series and shorts in english growing up! The new projects I’m developing, I’m writing in English as well. Not only the dialogue, but the complete script.

In 2015 I was on a road trip through the USA, just before the start of the production of the animation of „Catherine“. And so I had the idea to record the voices with actors in the USA! The choice of native speaking english voice actors in Belgium is limited compared to the amount of voice actors available in LA ;)

So a few actors auditioned by sending me a try-out by e-mail, and at the end of my road trip we recorded all the voices in a sound studio in Burbank, and two days later I flew back to Belgium with the recording on a hard disk! All the female voices are done by 1 woman, and all the male voices are done by 1 man!

Another very important voice actor in the film is Rudi Rok, a Finnish stand-up comedian who did all the animal voices! It’s really hard to find the right animal sounds in a sound library, especially because if you need consistency. Kitty is a character throughout the whole film, so she had to sound like the same cat. My sound designer found Rudi on youtube, we got in touch with him and flew him over to Belgium for a day to record all the cat, dog and bird sounds!

Here is a little recording of the voice sessions of the different characters:

Do you have a cat? Can you also get excited about other animals with which you might want to make more short films?

My cat’s name is Kato, but she isn’t living with me at the moment. My brother, sister in law and their kids adopted Kato because I sold my house (and am moving to a small apartment). But Kato couldn’t be happier, she gets so much attention from my little niece and nephew! I’m sure she’s happier there, so many more hands to pet her!

I am still very fascinated by pets, and how petowners relate to their pets. I’m actually developing a new idea about pets, and will pitch this at Interfilm in Berlin at the end of November, and at Cartoon Springboard in the beginning of December!

What will happen next with you? I read that you are even planning to produce a children’s book, which I could really imagine to be wonderful.

So, as I said, I am developing a new idea about petowners :) I hope one day it could turn into a series! The world consists of giant cats and dogs, and they have tiny humans as their pets. I am working on that project just myself, and pitching it the next months. I’m curious to see how people will react to it! But I am also working on some children’s stories. It would be lovely to create a book with them one day, but for now the concrete plans for it are a short film and a middle length film. For the short film I’ve received development funding, and together with my producer Thuristar we are currently storyboarding and designing. The middle length film is still in writing phase, and I am working together with Lunanime for this project.

So, lots of exciting things coming up, hopefully!

And besides that, I also do some commissioned work every now and then, if an interesting opportunity pases by I am always open for it!

Last summer I made the children’s trailer for the Anibar festival: 

And before that I designed a commercial for the national television to stimulate people to read! 

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm „Catherine

Ein Gedanke zu “Sechs Fragen an Britt Raes

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