Sechs Fragen an Florian Maubach

Interview: Im Gespräch erzählt uns der Filmemacher Florian Maubach, wie er die Geschichte für seinen Abschlussfilm „Räuber und Gendarm“ fand und was ihm alles bei der Umsetzung wichtig war.  

Dein Film wirkt wie mitten aus dem Leben gegriffen, besitzt aber eine ganz faszinierende Art. Wie hast Du dieses Projekt entwickelt?

Der Film ist mein Abschlussfilm an der Kunsthochschule Kassel. Es gibt einige Filmideen die mich über die letzten Jahre meines Studiums begleitet haben. Einige habe ich weiter verfolgt und zu einem Kurzfilm entwickelt, andere sind auf der Strecke geblieben und liegen nun auf meinem Rechner.

Die Idee für „Räuber & Gendarm“ fiel mir kurz vor meinem Abschluss wieder in die Hand. Das ursprüngliche Konzept war ein Langfilmdrehbuch, das stark auf persönlichen Erinnerungen beruhte. In mehreren Szenen spielten die Kinder aus der Geschichte das Spiel Räuber und Gendarm. Mir war schnell klar, dass einen Langfilm als Abschluss zu realisieren unrealistisch ist. Ich hab dann versucht den Inhalt des Langfilms so zu komprimieren, dass er in die Szene passte, in der die Kinder das Spiel spielen.

Hast Du selbst autobiographische Erlebnisse einfließen lassen? Ist es ein Spiel aus deiner Jugend?

Das Spiel habe ich selbst in unterschiedlichen Altersstufen und Konstellationen gespielt. Als kleines Kind auf irgendwelchen Klassenfahrten, aber auch als Jugendlicher mit meinen Freunden auf dem Spielplatz bei uns in der Nachbarschaft.

Räuber und Gendarm ist ein Versteck- und Fangspiel und meiner Erfahrung nach eigentlich ein Spiel, das man so als Jugendlicher nicht mehr spielt. Bei uns in der Gruppe hat sich das durch den Fakt ergeben, dass wir altersmäßig eine sehr durchmischte Gruppe waren. Wenn man als Kinder sehr eng aufwächst, ist der Altersunterschied am Anfang nicht wirklich relevant. Erst wenn die ersten in die Pubertät kommen und anfangen sich für andere Dinge zu interessieren, entfernt man sich immer mehr voneinander. Genau in der Phase haben wir damals noch das Spiel gespielt. Für die Jüngeren ging es einfach nur ums Spielen, für die Älteren, um vieles mehr. Das Spiel gab einem die Möglichkeit sich erstmals anzunähern.

Was dem Film das größte Gefühl von Authentizität verleiht, sind die Sprecher und die Sprache. Wie bist Du daran gegangen, als Du Drehbuch geschrieben hast? Hast Du ein Casting gestartet?

Mir war bei meinem Abschluss wichtig etwas zu tun, das ich in meinen vorherigen Filmen nicht gemacht habe. Ich wollte unbedingt Dialoge schreiben und mit SprecherInnen arbeiten.  Die Dialoge habe ich recht intuitiv heruntergeschrieben. Immer so wie sie für meinen Sprachgebrauch auch authentisch wären. Ich bin mir hundertprozentig sicher, dass die Jugendlichen heutzutage so nicht sprechen. Aber eine Jugendsprache vorzutäuschen, die sich sowieso permanent verändert, wäre nicht gut gewesen.

Mir war es wichtig SchülerInnen als SprecherInnen zu finden, die auch in dem Alter sind wie die Kinder im Film. Meine Suche in Kassel hat sich als sehr schwierig herausgestellt, da man scheinbar ohne direkten Kontakt zu Lehrenden keine Chance hat an die SchülerInnen heranzukommen. In Kassel wurde ich immer schon im Sekretariat abgewiesen. Ich habe dann ein kleines Casting an meinem alten Gymnasium in Hamburg gemacht. Da ich da noch Kontakt zu den ein oder anderen Lehrern hatte, war es mir möglich zu Ihnen in den Unterricht zu kommen, von meinem Projekt zu erzählen und mit interessierten SchülerInnen kurze Probeaufnahmen zu machen. Ich habe fünf tolle SprecherInnen gefunden, mit denen ich an einem Wochenende die Texte geprobt und aufgenommen habe.

Was die Authentizität der Aufnahmen auf jeden Fall noch unterstützt hat, ist die Art wie wir die Sprachaufnahmen gemacht haben. In der Regel nimmt man die Sprache sauber im Tonstudio auf und verleiht ihr hinterher den nötigen Raum. Wir haben die Sprachaufnahmen draußen im Park aufgenommen, was natürlich am Ende bedeutet, dass man nicht so flexibel mit den Aufnahmen umgehen kann und man viele Atmosphärengeräusche schon auf den Aufnahmen hat. Was aber das schöne ist, dass die Stimmen auf natürliche Weise nach draußen klingen. Das ganze verleiht dem Ton etwas „Dokumentarisches“.

Erzähl mir mehr, wie Du Deinen Stil für die Animationen gefunden hast und warum Du Dich für Ego-Perspektive entschieden hast?

Der Stil hat sich wahrscheinlich über die letzten Jahre durchs viele Zeichnen entwickelt. Ich habe jetzt keine direkten Vorbilder.

Die Egoperspektive ist ein Resultat von Überlegungen, die ich ganz am Anfang des Projekt gemacht hatte. Im Gespräch mit meinen KommilitonInnen und Freunden über die Geschichte hat sich herausgestellt, dass viele sich mit den Situationen identifizieren können. Ich glaube die Ego-Perspektive ermöglicht es dem Zuschauer, sich selbst an die Stelle der Hauptfigur Daniel zu stellen und so in die Geschichte einzutauchen, so wie es auch in vielen klassischen Computerspielen und natürlich jetzt vor allem sehr effektvoll bei VR-Spielen der Fall ist.

Kannst Du mir bisschen mehr von Dir erzählen. Welche Vorbilder hast Du? Welche bisherige Projekte konntest Du realisieren und verfolgst Du immer einen ähnlichen Stil?

Ich habe mein Studium 2009 an der Kunsthochschule Kassel begonnen. Die Trickfilmklasse und die Filme die dort entstanden sind, haben mich auch schon vorher begeistert und ich wollte unbedingt dort studieren. Im Laufe meines Studiums habe ich dann viele kleinere Kurzfilme realisiert. Meistens alleine, aber auch in Zusammenarbeit, zum Beispiel mit Theresa Grysczok, mit der ich den Puppentrickfilm „Trapped“ produziert habe.

Ich finde es schwierig, Vorbilder in der Animation zu benennen. Es gibt ein paar Filme die sehr wichtig für mich sind, wobei ich aber auch nicht sagen kann, inwiefern sie dann in die Produktion meiner Filme einfließen. „Dead Man“ von Jim Jarmusch zum Beispiel. Oder „Eternal Sunshine of a Spotless Mind“ von Charlie Kaufman und Michel Gondry. Was mich auf jeden Fall stark beeinflusst, sind die Romane von John Irving. Er schafft es immer wieder auf eine wunderbare Weise den Leser am Leben seiner Charakter teilhaben zu lassen, das auf der einen Seite so verrückt und ereignisreich ist, und auf der anderen Seite von einer Natürlichkeit und Alltäglichkeit geprägt ist.  

Räuber und Gendarm“ ist ja Dein Abschlussfilm an der Kunsthochschule Kassel gewesen. Wie geht es jetzt bei Dir weiter?

Im Sommer 2017 habe ich mit „Räuber & Gendarm“ meine Studium an der Kunsthochschule Kassel beendet. Danach war ich für ein Jahr Meisterschüler bei meiner Professorin Martina Bramkamp. Das Meisterschülerjahr ermöglicht es einem, weiterhin an der Uni zu studieren, die Technik, Räumlichkeiten aber vor allem auch den Austausch mit den ProfessorInnen und den KommilitonInnen zu nutzen.

In der Zeit habe ich angefangen an einem neuen Drehbuch zu schreiben. Im Endeffekt komme ich jetzt wieder zurück zum Ausgangspunkt meines Abschlussprojekts. Auf Basis meines Kurzfilms habe ich eine Geschichte für einen Langfilm entwickelt und befinde mich gerade dabei, eine erste Fassung des Drehbuchs zu schreiben.

2015 habe ich zusammen mit sechs anderen Animationsfilmmacherinnen das Kollektiv „Sticky Frames“ gegründet, mit dem wir Filmscreenings veranstalten. Wir zeigen sowohl unserer eigenen Produktionen, als auch die Animationsfilme von befreundeten FilmemacherInnen. Aktuell sind wir dabei neue Kooperationen zu finden und unser Konzept so zu entwickeln, dass es sich in absehbarer Zeit finanziell trägt.

Die Fragen stellte Doreen Matthei

Lies auch die Rezension zu dem Kurzfilm „Räuber und Gendarm

2 Gedanken zu “Sechs Fragen an Florian Maubach

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