„Lass uns abhauen“ (2018)

Filmkritik: In der Jugendsektion ‘U18’ auf dem 28. Filmfestival Cottbus stellte die deutsche Filmemacherin Isa Micklitza, welche bereits 15 Kurzfilme verwirklicht hatte, ihr Langfilmspieldebüt „Lass uns abhauen“ (Deutschland, Dänemark, Norwegen, 2018) vor. Sie schuf damit eine leichtfüßige Komödie mit ernsten Tönen und zwei wunderbar überdrehten Hauptfiguren.

Frieda (Anja Thiemann) stolpert etwas ziellos durchs Leben. Eines Tages trifft sie Oskar (Sebastian Urzendowsky), der aufgrund getätigter Berechnungen beschlossen hat, sich umzubringen. Frieda verhindert das nicht nur, sondern nimmt ihn gleich auch noch mit auf einen Roadtrip. Da Oskar schon immer mal die Polarlichter sehen wollte, begeben sie sich nun auf die Reise nach Norwegen, was das ungleiche Paar immer wieder vor neue Herausforderungen stellt.

Die Filmemacherin Isa Micklitza schrieb für ihren Debütlangfilm gleich auch das Drehbuch. Der Selbstmord eines Bekannten, dem der Film auch gewidmet ist, gab ihr den Anlass zu Nachdenken.
Diese Gedanken verarbeitet sie in ihrem Roadmovie, baut ihren toten Freund mit der Figur des Oscars selbst ein und schuf mit Frieda auch ihr Alter Ego. Von diesem traurigen Ausgangspunkt entwickelt Isa Micklitza eine Geschichte, die vor Lebensfreude und Lebensbejahung strotzt. Das Leben so nehmen, wie es ist, und das beste daraus machen, ist die angenehme Botschaft des Films. Auch wenn es das eine oder andere Mal nicht klappt oder Frieda mal zu vorlaut ist und in Fettnäpfchen tritt, zeigt der Film, dass es immer weitergeht und auch besser werden kann. Der Umgang mit anderen Menschen bereichert das Leben auf wunderbare Weise. All das stellt sie nicht aufdringlich moralisch dar, sondern fängt das wie nebenbei ein. Das Roadmovie verläuft dabei in bekannten Bahnen, überzeichnet natürlich die ein oder andere Situation und kann zudem auch überraschen. So schuf Isa Micklitza als Autorin und Regisseurin eine Geschichte voller Leben und Authentizität und kann damit den Zuschauer begeistern.

Die Inszenierung ist dabei äußerst souverän und vermittelt ein echtes Gefühl von Verreisen. Das wird wunderbar unterstützt von den Bildern der Kamerafrau Zoë Schmederer. Da sich das Team wirklich auf diesen Roadtrip begab, fühlt sich der Film so authentisch an und gibt einem das wunderbare Gefühl bei der Reise dabei zu sein. Dafür werden aber nicht typische Bilder eingefangen, welche Klischees bedienen, sondern das Wetter und die Schauplätze sind mehr als echt. Das gewählte Setting passt sich dem Realismusanspruch der Geschichte an. Dazu tragen vor allem die beiden Hauptdarsteller Anja Thiemann und Sebastian Urzendowsky bei. Friedas Figur wird mit so viel Ehrlichkeit und Offenheit von Anja Thiemann gespielt, dass man sich fragt, warum solche weiblichen Figuren mit Tiefe und Gefühl nicht häufiger in deutschen Filmen zu sehen sind. Sebastian Urzendowsky spielt den Oscar als perfekten Gegenpol und wird zu einem Abbild einer verschüchterten Generation, welche ihr Leben nicht anzupacken weiß. Diese beiden grandiosen Hauptdarsteller binden mit viel Sympathie und dem einen oder anderen amüsanten Fremdschäm-Moment die Zuschauer an die Geschichte, so dass man ihnen ein Happy End wünscht oder zumindest ein paar Polarlichter.

Fazit: Isa Micklitzas Langfilmdebüt „Lass uns abhauen“, basierend auf wahren Figuren, erzählt von einem amüsanten Roadtrip mit echten Locations, überspitzten Situationen und wahren Gefühlen. Die beiden Hauptdarsteller Anja Thiemann und Sebastian Urzendowsky geben dem Film neben der souveränen Inszenierung so viel Wärme und Authentizität, dass man sich mehr als sonst im deutschen Kino ein Happy End wünscht.

Bewertung: 8,5/10

Trailer zum Film „Lass uns abhauen“

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:


Ich wünsche allen Lesern eine frohe Weihnacht und entspannte Weihnachtstage

3 Gedanken zu “„Lass uns abhauen“ (2018)

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