„Frühes Versprechen“ (2018)

 Filmkritik: Kein französischer Schriftsteller außer Romain Gary hat es geschafft gleich mit zwei Werken den Literaturpreis ‚Prix Goncourt‘ zu erhalten. Die außergewöhnliche Leistung hat den Autor in den Schriftstellerhimmel gehoben. Der Film „Frühes Versprechen“ (OT: „La promesse de l’aube“, Frankreich, 2018) von Eric Barbier erzählt nun die Anfangsjahre des Autors, bevor er zu seinem Ruhm gelangt ist.

Romain (gespielt von den drei Darstellern Pawel Puchalski, Nemo Schiffman und Pierre Niney) wächst bei seiner Mutter im damaligen Wilna auf. Die ehemalige Schauspielerin Nina (Charlotte Gainsbourg) bestärkt ihren Sohn schon früh darin, dass aus ihm mal ein großer, berühmter Mann werden wird. Dabei träumen die beiden davon in Frankreich zu leben. Als die Lage für die beiden wegen ihrer jüdischen Abstammung immer schwieriger wird, ziehen sie nach Nizza um, wo er bereits als junger Mann (Nemo Schiffman) seine Karriere als Schriftsteller anstreben soll. Doch zuerst ruft die militärische Pflicht und während er (als Erwachsener gespielt von Pierre Niney) in Afrika weilt, sind es die Briefe seiner Mutter, die ihm Kraft geben.

Der französische Autor Romain Gary wurde 1914 unter dem Namen Kacew im damals russischen Wilna (heute Vilnius, Litauen) geboren. Sein Karriere als Schriftsteller begann nach seinem Militärdienst. 1956 brachte er „Die Wurzeln des Himmels“ (OT: „Les racines du ciel“) heraus, welches ihm das erste Mal den berühmten Literaturpreis ‚Prix Goncourt‘ einbrachte. Es entstanden noch viele weitere Werke, die seinen Ruhm vermehrten, genauso wie die Ehe mit der berühmten Schauspielerin Jean Seberg (bekannt durch den Nouvelle Vague-Film „Außer Atem“ („À bout de souffle“, 1959)). 1972 erschien unter dem Pseudonym Émile Ajar der Roman „Du hast das Leben noch vor Dir“ (OT: „La Vie devant soi“) und brachte ihm, da das Pseudonym längere Zeit unerkannt blieb, den zweiten ‚Prix Goncourt‘ ein. 1960 erschien sein autobiographischer Roman „Frühes Versprechen“ (OT: „La promesse de l’aube“), welcher dem Leser ohne Scheu von einem besonderen Mutter-Sohn-Verhältnis erzählt und sie als die treibende Kraft auszeichnet, der er all den späteren Ruhm zu verdanken hat.

Auf Grundlage dieses Romans schuf der noch recht unbekannte Regisseur Eric Barbier (*1960) die filmische Adaption. Dabei wählt er eine chronologische Erzählung eingebettet in einem Rahmengeschehen. Im Gegensatz zu Gary selbst, der oft zwischen Zeiten und Orten in seinem Roman hin- und herspringt, kann er so die Entwicklung des kleinen Romains wunderbar aufzeigen. Es zeigt die Stationen seines Lebens bis zum Ende seines Militärdienstes auf. So umspannt der Film nicht nur viele Jahre, sondern auch die Städte Wilna, Nizza, und Paris. Am Ende verschlägt es den Soldaten nach Afrika.

Der Film schafft es über die Zeiten und Orte hinweg ein schönes Zeitkolorit aufzubauen und ein Gefühl für Zeit und ihre Veränderungen spürbar zu machen. Dazu trägt auch die Wahl der Darsteller Romains viel bei. Alle drei Darsteller von dem kleinen Pawel Puchalski  bis hin zum Jugendlichen, dargestellt von Nemo Schiffman, und dem bekannten Pierre Niney, der sich durch den Film „Yves Laurent“ einen Namen gemacht hat, überzeugen mit ihrer Darstellung. Passend dazu spielt Charlotte Gainsbourg (unterstützt von guten Maskenbildnern) über die Zeit die Mutterrolle und fängt alle Facetten dieser despotischen, aber anscheinend liebenden Mutter ein. Dieses überzeugende Zeitkolorit und der Wandel durch vergangenen Zeiten auf den Spuren eines eher unbekannten Künstlers (zumindest in Deutschland) trägt viel zum Gelingen des Films bei. Was dagegen die Zuschauer eher zermürbt, ist das nicht nachvollziehbare Verhältnis zwischen Sohn und Mutter. Auch nach 131 Minuten Spieldauer kann man die starke Bindung der beiden nicht verstehen. Zuweilen wirkt sie nicht nur wie eine Rabenmutter oder eine, die ihren Sohn auf falsche Art und Weise erzieht, sondern beinahe verrückt. Spätestens als sie verlangt, dass er Hitler töten soll, hört das Verständnis auf. Wie kann ein erwachsener Mann sich nicht loslösen von dieser falsch verstandenen Liebe? Aber da der Film den liebenden Blickwinkel Romain Garys einnimmt, wird es auf diese Fragen leider keine befriedigende Antwort geben und so bleibt ein schales Gefühl zurück, dass man hier vielleicht doch leider nur eine leere Hülle zu sehen bekommt.

Fazit: Der französische Film „Frühes Versprechen“ erzählt die Geschichte nach dem gleichnamigen autobiographischen Roman, wie Romain Gary zu dem Schriftsteller wurde, wie man ihn heute (vor allem in Frankreich) kennt. Dabei umspannt er viele Jahre und schafft es, die unterschiedlichen Zeiten souverän einzufangen. Auch wenn das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn unverständlich bleibt, ist der Film ein gelungener Zeitabriss. Trotzdem wird der Spielfilm seine größten Erfolge in Frankreich haben, wo wohl die besten Gary-Fans beheimatet sind.

Bewertung: 6/10

Kinostart: 7. Februar 2019

Trailer zum Film „Frühes Versprechen“

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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