“Die dunkelste Stunde” (2017)

Poster zum Film Filmkritik: Der britische Regisseur Joe Wright, der sich bereits mit seiner Romanverfilmung “Abbitte” (2007) mit dem Thema ‘Dünkirchen’ auseinandergesetzt hatte, beschäftigt sich mit dem gleichen Zeitabschnitt auch in seinem neuesten Film. “Die dunkelste Stunde” (OT: “Darkest Hour”, UK, 2017) zeigt uns die Ereignisse von Dünkirchen aus einer anderen Perspektive und handelt vorrangig von den ersten Wochen nach dem Amtsantritt des Premierministers Winston Churchill und wie er in diesen den Verlauf der Geschichte veränderte.

© Universal Pictures International France

Nachdem Richard Chamberlain (Ronald Pickup) keinen Rückhalt mehr im britischen House of Parliament hat, wird der 65-jährige Winston Churchill (Gary Oldman) zum neuen Premierminister von Großbritannien gewählt. London im Jahr 1940 steht vor einer schweren Zeit. Die heimischen Truppen sind bei Dünkirchen von deutschen Soldaten eingekesselt. Während König George VI. (Ben Mendelsohn) und Churchills schärfster Konkurrent Viscount Halifax (Stephen Dillane) dafür plädieren, mit Adolf Hitler zu verhandeln, versucht Churchill die richtige Strategie zu ersinnen. Dabei erhält er von seiner Frau Clementine (Kristen Scott Thomas) und seiner ambitionierten Sekretärin Elizabeth Layton (Lily James) Unterstützung und wendet sich zudem an das britische Volk.

Gary Oldman (links) als Winston Churchill und das Original (rechts)

Angesiedelt ist die Geschichte in der Frühphase des Zweiten Weltkriegs. Winston Churchill (1874-1965) wurde in einer sehr schwierigen Zeit zum Premierminister ernannt. In diesen ersten Wochen entschied er über eine Strategie, welche den Ausgangspunkt für den Sieg der Alliierten über Deutschland darstellt. Bei der Darstellung der historischen Ereignisse orientiert sich der Film an dem Buch “Fünf Tage in London” (1999) des Historikers John Lukacs (*1924). Doch nicht nur, dass für die gesamte Crew und Cast die Vorbereitung aus unzähligen Recherchearbeiten bestand. Um die Exaktheit der Ereignisse zu garantieren, wurden Historiker und Wissenschaftler hinzugezogen. Das Herzstück der Erzählung sind die drei Reden Churchills, welche er zwischen Mai und Juni 1940 gehalten hat. So erzählt “Die dunkelste Stunde”, der Titel leitet sich aus einer der Reden ab, eine sehr authentische Wiedergabe der damaligen Ereignisse. Der gelungene Kniff, den der Regisseur Joe Wright (*1972) und sein Drehbuchschreiber Anthony McCarten (*1961), der für sein Drehbuch zu “Die Entdeckung der Unendlichkeit” (2914) für einen Oscar nominiert war, ersannen, war Winstons Privatleben mit einzuflechten. Damit zeigen sie mit all seinen Gewohnheiten und auch Schwächen den Menschen hinter dem Mythos. Das lockert die Geschichte trotz des ernsten und bewegenden Themas ungemein auf und gibt so die Möglichkeit die Figur der Elizabeth, seiner Sekretärin einzubauen, welche wunderbar den Blickpunkt der Zuschauer einnimmt. Die starke Fokussierung auf einen so kurzen Zeitraum birgt auch ihre Tücken. Gerade für unbewanderte Zuschauer ist es anfänglich schwer, in die Geschehnisse einzutauchen und die Mechanismen zu verstehen. Doch für Briten und alle, die sich etwas auskennen ist “Die dunkelste Stunde” ein wunderbar intimer und vor allem starker Einblick in eine bedeutende Phase von Winston Churchills Schaffen.

© Universal Pictures International France

Wunderbar unterstützt wurde die Geschichte von ihrem zeithistorischen, authentischen Aussehen. Dabei wurden Schauplätze der Geschichte nicht nur akkurat nachgebaut, sondern es wurde auch an Originalschauplätzen gedreht. So ist “Die dunkelste Stunde” der zweite Film, dem erlaubt wurde im House of Parliament zu drehen. Das Team hätte zwar auch im House of Common drehen dürfen, doch die 450 Statisten hätten sich nicht setzen dürfen und so wurde es stattdessen in einer beeindruckenden Kopie nachgebaut. Auch die Schauspieler füllen ihre historischen Figuren mit Leben. Dabei überzeugt Ben Mendelsohn (kürzlich auch gesehen in “Ready Player One” (2018)) als King George VI. und Ronald Pickup als Neville Chamberlain, der für den verstorbenen John Hurt (1940-2017) eingesprungen ist. Doch die grandioseste Leistung stammt von Gary Oldman (*1958, bekannt durch “Leon, der Profi” (1994) und “Dame, König, As, Spion” (2011)), der sich Churchills Art und vor allem seine Sprache zu eigen gemacht hat. Dabei überzeugt er mit der Mischung aus Stärke und der nötigen Beigabe von Privaten und Persönlichen. In diesem Bereich spielt auch die wunderbare Lily James (“Baby Driver” (2017)) als Churchills Sekretärin eine große Rolle, da sie die Zuschauer an den Mensch Churchill heranführt. Auch Kristen Scott Thomas als Churchills Ehefrau ist die perfekte zweite Hälfte und verleiht dem Film Humor und Leichtigkeit. Oldmans Performance, für die er einen Oscar erhielt, wird auch bedingt durch die überzeugende Maske, welche auch mit dem zweiten Goldjungen ausgezeichnet wurde. Die Maskenbildner Kazuhiro Tsuji (*1969), David Malinowski und Lucy Sibbick schufen eine Kostümierung, welche mit einem Fatsuit, einer Perücke und einer authentischen Maske aus Gary Oldman Winston Churchill machten, dem Schauspieler jedoch trotzdem genug Platz zur Selbstentfaltung gab. So runden die Ausstattung, die Kostüme und die grandiosen Schauspieler den Film ab und machen “Die dunkelste Stunde” zu einem spannenden und lehrreichen Geschichtsstück und Biopic.

© Universal Pictures International France

Fazit: Der Spielfilm “Die dunkelste Stunde”, der mit zwei Oscars 2018 ausgezeichnet wurde, überzeugt mit seinem auf einem engen Zeitraum begrenzten Fokus. Dabei vergisst er trotz seines höchsten Maßes an Authentizität nicht, für gute Unterhaltung zu sorgen. Dies schafft er vor allem durch sein wunderbares Ensemble, das mit viel Spielfreude, feinem Humor und dem Gefühl für die historischen Personen diesen Wendepunkt der britischen Geschichte wiedergibt.

Bewertung: 7,5/10

Kinostart: 18. Januar 2018, DVD-Start: 24. Mai 2018

Der Trailer zum Film “Die dunkelste Stunde”:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

Ein Gedanke zu ““Die dunkelste Stunde” (2017)

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