„Twin Peaks“ (Staffel 1, 1990)

Serienkritik: Die amerikanische Serie „Twin Peaks“ ist schon lange zum Kulturgut geworden. Die beiden Serienschöpfer Mark Frost und David Lynch haben mit ihren beiden ersten Staffeln Anfang der 90er Jahre für Furore gesorgt und sie erst nach 16 Jahren mit einer dritten Staffel fortgesetzt. Die Serie war und ist außergewöhnlich, indem sie viele verschiedene Genre verbindet und scheinbar mühelos einen ganz eigenständigen Kosmos schuf. Den Auftakt machte 1990 die erste Staffel mit acht Folgen.

Eines Morgen wird die Leiche von Laura Palmer (Sheryl Lee) aufgefunden. Während alle Bewohner der Stadt Twin Peaks u.a. ihre beste Freundin Donna (Lara Flynn Doyle) und ihr heimlicher Geliebter James (James Marshall) noch trauern, macht sich Agent Dale Cooper (Kyle MacLachlan) auf in die Kleinstadt im Norden der USA und versucht ihren Mörder zu stellen. Schnell stellt sich heraus, dass viele Schicksale in Twin Peaks miteinander verflochten sind. So könnte jeder dahinter stecken, wie die Sägewerksinhaberin Josie Packard (Joan Chen), der Hotelbesitzer Ben Horne (Richard Beymer) oder Bobby (Dana Ashbrook), Lauras Freund. Je länger Agent Cooper vor Ort bleibt, umso mehr findet er heraus und erlebt auch manch Eigenartiges.

David Lynch am Set von „Twin Peaks“

Der Regisseur David Lynch (*1946) hat sich mit Filmen wie „Blue Velvet“ (1986), „Lost Highway“ (1997) und „Mulholland Drive“ (2001) in die Filmgeschichte eingeschrieben. Er konnte dabei mit ruhigeren Film wie „A Straight Story“ (1999) Freunde des narrativen Kinos ansprechen, aber gleichzeitig auch Liebhaber des Experimentalfilms u.a. mit seinem Debüt-Langfilm „Eraserhead“. Seine Filme besitzen oft einen mystischen Unterton und sind mit Details mit viel metaphorischer Kraft aufgeladen. Auch schleichen sich immer Grundthemen wie Liebe, Tod, Verlust und Betrug ein. David Lynch hat sich damit einen Namen unter den großen Regisseuren gemacht und wird stets im Gedächtnis der Filmgeschichte bleiben, auch wenn er mittlerweile keine Filme mehr fürs Kino produziert und in den letzten Jahren auch etwas negativ aufgefallen ist, durch seinen Verbindung mit der Sekte „Transzendentale Meditation“. Der Regisseur hat den Zuschauern Filme geschenkt, die voller Metaphern, Zitaten und Spielfreude sind. Damit zeigt er, wie man sich auch wunderbar zwischen den Genren und auch Welten bewegen kann.

Viel zu David Lynchs Ruhm hat auch die Serie „Twin Peaks“, welche zwischen 1990 und 1991 entstanden ist, und der darauf folgende Film „Twin Peaks – Fire walk with me“ (199?)  beigetragen. Zusammen mit Mark Frost (*1953), der später noch einmal als Drehbuchschreiber der beiden Comic-Adaptionen der Fantastic Four auffiel (2005, 2007), schuf Lynch eine Serie, welche sich wunderbar in seinen filmischen Kosmos einschmiegt. Die Serie beginnt ganz klassisch mit dem Fund einer Leiche. So bildet die Aufklärung der Frage „Wer hat Laura Palmer ermordet“ den Motor der Geschichte und bringt dadurch einen Außenstehenden nach Twin Peaks. Zusammen mit FBI-Agent Dale Cooper lernen die Zuschauer Twin Peaks mit all seinen Bewohnern kennen. Damit ergeben sich viele einzelne Handlungsstränge, die teilweise mit der Zeit immer mehr zusammen fließen. Nicht nur der Mord wühlt die Kleinstadt auf, sondern auch diverse Geld- und Beziehungssorgen beschäftigen die Einwohner. Twin Peaks ist eine Stadt voller Geheimnisse, Intrigen und Betrug und so begibt sich die Serie in den Bereich der Seifenoper. Neben diesem und dem anfänglichen Krimi-Genre, wird die Serie immer wieder mit mystischen Elementen durchbrochen. Zeichen, Weissagungen und Träume führen den Agenten an sein Ziel. Diese Elemente nehmen in der zweiten Staffel dann noch einmal zu. Insgesamt vereinen die beiden Drehbuchschreiber wunderbar die verschiedenen Genre und entwickeln die Geschichte unerwartet weiter. Hinzu kommt eine große Portion Humor, welche vor allem aus der Überzeichnung der Charaktere resultiert. Besonders viel Freude bringt der FBI-Agent Dale Cooper, der mit seiner kindlichen Freude über Bäume und guten Kaffee begeistern kann. Schnell gewinnt man den außergewöhnlichen Ort, den es in Wahrheit so natürlich nicht gibt, und seine eigenwilligen und so unterschiedlichen Charaktere lieb.

Neben der außergewöhnlichen Geschichte, die gekonnt mit vielen Genren spielt, ist auch die Ausgestaltung maßgeblich an dem Erfolg der Serie beteiligt. Schon im Vorspann wird die Richtung vorgegeben. Bilder einer idyllischen Stadt, unterlegt mit einem Song, der schön und traurig zugleich ist, werden hier in harmlosen, braungetränkten Aufnahmen eingefangen. Aber diese Alltagsbilder von der Stadt und vor allem der Arbeit im Sägewerk haben auch etwas Bedrohliches und Melancholisches in sich, so dass dem Zuschauer schon hier klar wird, dass Twin Peaks keine normale Stadt ist. Die Stadt hat mit ihren markanten Plätzen, wie dem Dinner, der Wache und dem einzigen Hotel der Stadt, in dem aber immer Betrieb herrscht, ein eigenes Wesen. Zusammen mit Agent Cooper lernen wir diese mit ihren außergewöhnlichen Bewohnern kennen und lieben und sind auf seiner Seite, wenn er die Stadt nach außen verteidigt. Dass solch eine schnelle Bindung möglich ist, liegt auch an den großartigen Darstellern, die ihre Figuren genau richtig zwischen Klischee und Individuum bewegen. Figuren wie Audrey, gespielt von der damals 24-jährigen Sherylin Fenn (später nochmal zu sehen in „Wish Upon“ (2017)), besitzen eine enorme Vielschichtigkeit und bieten keine platten Abziehbilder. Besonders wunderbar ist Kyle MacLachlan, welcher zu der Zeit ein beliebter Darsteller von David Lynch („Dune“ (1984), „Blue Velvet“ (1986)) war. Er gibt dem Agent Cooper so viel Herzenswärme, aber auch gleichzeitig den klaren Kopf eines FBI-Agenten. Abgerundet wird die Serie vom perfekten Setting. Hier dominieren das Ländliche mit viel Holz und einer heutzutage schönen 90er-Jahre-Optik, die der Serie beim Wiederentdecken einen charmanten Retro-Look verleiht. Hinzu kommt die perfekte Symbiose von Musik und Serie selbst. Neben den von Julee Cruise eingesungenen Liedern hat Angelo Badalamenti, mit dem David Lynch oft zusammengearbeitet hat, den Score geschrieben. Er schmiegt sich perfekt an die visuellen Geschehnisse an und fügt manchmal sogar eine weitere Deutungsebene hinzu. Zusammen ergeben die Bilder, die Musik, die Geschichte und die hervorragenden Darsteller ein stimmiges Gesamtbild, welches sich einen ganz eigenen Kosmos geschaffen hat. So verwundert es auch nicht, dass die Serie damals mit drei Golden Globes und zwei Emmys ausgezeichnet wurde, noch in heutiger Zeit begeistern kann und sogar 16 Jahre später eine Fortsetzung erhalten hat.

Fazit: Die ersten acht Folgen der amerikanischen Kultserie „Twin Peaks“ bauen den Kosmos für die nachfolgenden immer seltsameren Geschehnisse der zweiten Staffel auf. Mark Frost und David Lynch haben hier eine Kleinstadt mit all ihrem Charme und ihren verborgenen Seiten eingefangen und bewegen sich souverän durch viele Genres, wie Mystery, Horror, Kriminalfilm und Seifenoper. Dadurch schufen sie ein faszinierendes Gesamtkonzept, das die Zuschauer in die Bann zieht und in welches sie gemeinsam mit Agent Cooper immer weiter vordringen.

Bewertung: 5/5

Der Trailer:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

  • Rezension der Staffel 1 der Serie “Twin Peaks” im Portal “Filmszene”
  • Wikipedia-Artikel über den Pilotfilm der Serie “Twin Peaks
  • Wikipedia-Artikel über die Serie “Twin Peaks” 
  • Rezension der Serie “Twin Peaks” im “Musik Express” 

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