„Dune“ (2021)

Filmkritik: Noch heute gilt Frank Herberts Roman-Hexalogie, deren erstes Buch „Dune“ 1966 erschienen ist, als eine der großen Science-Fiction-Klassiker. Nachdem eine Verfilmung durch Alejandro Jodorowsky gescheitert ist, entstand neben anderen popkulturellen Ausprägungen der Film von David Lynch aus dem Jahr 1984. Jetzt adaptiert der kanadische Filmemacher Denis Villeneuve den Roman neu, wird dabei der Vorlage mit seinem Stil mehr als gerecht und nimmt sich die Zeit die Geschichte über mehrere Teile zu erzählen, deren erster nun in den Kinos angelaufen ist: „Dune“ (OT: „Dune“, USA, 2021).

Rebecca Ferguson und Oscar Isaac

Der Wüstenplanet Arrakis, der von den UreinwohnerInnen, den Fremen, bewohnt, aber seit Jahren fremdregiert wird, ist ein strategischer Standort. Denn nur dort gibt es das Spice, was u.a. wichtig für das interplanetare Reisen ist. Jahrelang haben die Harkonnen unter dem Baron Wladimir Harkonnen (Stellan Skarsgård) dort gewaltet und das Land und die BewohnerInnen ausgebeutet. Der Herzog von Caladan, Leto Atreides (Oscar Isaac), wird nun dorthin beordert und will eine Veränderung für diesen Planeten und das Zusammenleben aller. Doch bevor er zusammen mit seinem Sohn Paul (Timothée Chalamet) und seiner Konkubine Lady Jessica (Rebecca Ferguson) sowie seinen engsten Vertrauten Duncan Idaho (Jason Momoa) und Gurney Halleck (Josh Brolin) die Zügel richtig in die Hand nehmen kann, wird ein Anschlag verübt.

Während sich der amerikanische Regisseur David Lynch, der einen Hang für das Surreale und Mysteriöse hat, in seiner Dune-Adaption zwar auch eng an die Vorlage des amerikanischen Schriftstellers Frank Herbert (1920-1986) hält, pickte er sich die Elemente heraus, welche die Geschichte so bizarr machen. Vor allem die Gedanken der ProtagonistInnen, welche im Buch niedergeschrieben sind, werden hier eingebaut. So steigerte Lynch seinen Film ins Surreale und findet so auch Humor, wo eigentlich keiner ist. Da er aber versuchte die gesamte Handlung des ersten Buches in einen Film zu pressen, kommt man als ZuschauerIn kaum hinterher, was die Ereignisse in der zweiten Hälfte des Films betrifft, und damit die Qualität dieser Adaption schmälert. 

Zendaya und Timothée Chalamet

Denis Villeneuve (*1967), der sein Händchen für Science-Fiction-Stoffe bereits mit „Arrival“ (2016) unter Beweis stellte, nimmt sich dagegen mehr Zeit. Er sagte bereits im Vorfeld, dass es mindestens zwei Teile geben wird. Zusammen mit seinem Drehbuchschreibern Eric Roth und Jon Spaihts schuf er eine romannahe Verfilmung. Sie konzentrieren sich dafür auf die realitätsnahen Aspekte, denn obwohl es sich um einen futuristischen Roman handelt, steckt hier viel Weltgeschichte drin. Es geht um Macht, Kolonialisierung, Politik und den Umgang mit Naturvölkern und Ressourcen. Seine Adaption wird bestimmt von großen, alles veränderten Handlungen, sodass Humor hier keinen Platz hat, aber den innewohnenden Fragen des Romans mit großer Ernsthaftigkeit nachgegangen werden kann. Damit trifft er genau den Ton des Buches und liefert so die für Fans vermutlich beste Adaption.

All das verpackt er in ein atemberaubendes Gewand. Alles in diesem Film ist riesig. Die Welten, die Innenräume, die Frachter und natürlich auch der Sandwurm. Die Menschen wirken neben all der Größe, sowohl der Natur als auch der Architektur, klein und damit unbedeutend. So zeigen sich aber auch durch die Gebäude der Darstellungs- und Behauptungswille seiner Bewohner. Das Streben nach Über-den-Dingen-Stehen verkörpert auch der Anzug des Barons der Harkonnen, der ihn schweben lässt. Die Kostüme sind perfekt an die Welten angepasst und repräsentieren hervorragend ihre TrägerInnen. Das Ensemble ist ebenfalls großartig zusammengestellt. Timothée Chalamet („Call me by your Name“ (2018), „Little Women“ (2019)) ist ein viel zerbrechlicher Paul als es damals Kyle MacLachlan („Twin Peaks“ (1990-1991), „Desperate Housewives“ (2006-2012)) war. Dafür ist Rebecca Ferguson („Girl on the Train“ (2016), „Greatest Showman“ (2017)) eine stärker ausgebaute Mutter-Figur. Oscar Isaac („Ex Machina“ (2015), „Star Wars“ (2015-2019), „Auslöschung“ (2018)) schafft es, dem Herzog die richtige Würde und auch Menschlichkeit zu verleihen. Bis in die Nebenrollen hinein ist der Film hervorragend besetzt. So haben u.a. Josh Brolin („No Way Out – Gegen die Flammen“ (2017), „Dead Pool 2“ (2018), „Avengers: Endgame“ (2019)), Jason Momoa („Aquaman“ (2018)), Zendaya („Greatest Showman“ (2017), „Spider-Man: Far from Home“ (2019)), Dave Bautista („Guardians of the Galaxy Vol. 2“ (2017)), Charlotte Rampling („Broadchurch“ (2013), „Vom Ende einer Geschichte“ (2017), “Red Sparrow” (2018)), Javier Bardem („Mother!“ (2017)) und Stellan Skarsgård („Mamma Mia!“ (2008), „Verblendung“ (2011), „Chernobyl“ (2019)) als widerlicher Baron Rollen übernommen. Der Regisseur bewies bereits in seinen anderen Filmen wie „Prisoners“ (2013), „Sicario“ (2015) und „Blade Runner 2049“ (2017), dass sich alles ineinander fügen muss, so sind auch die eingesetzte Musik, der Ton und die Spezialeffekte, welche natürlich sehr gut aussehen, kein reiner Selbstzweck. Hier entstand eine durch und durch düstere Science-Fiction-Fabel, welche sich von Filmen wie die doch immer noch sehr bunte Welt der „Star Wars“-Reihe absetzt. 

Timothée Chalamet

Fazit: Der Science-Fiction-Film „Dune“ ist der erste Teil der Verfilmung des Romans von Frank Herbert. Mit großer Ernsthaftigkeit adaptiert der Regisseur Denis Villeneuve, der bereits mit seinem Stil und Erzählweise eine große Fangemeinschaft hinter sich hat, den Stoff. Dabei schafft er es der Vorlage treu zu bleiben, die Fragen in die Gegenwart zu holen und ein bombastisches Gewand zu geben. So ist „Dune“ erzählerisch eine dunkle Mär, aber visuell ein Feuerwerk, welches noch durch einen großartigen Cast unterstützt wird. So dass man davon ausgehen kann, dass der Film bestimmt den ein oder anderen Oscar gewinnen wird.

Bewertung: 7,5/10

Kinostart: 16. September 2021 / DVD-Start: –

Trailer zum Film „Dune“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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