„Spider-Man: Far from Home“ (2019)

Filmkritik: Wie soll es in dem Marvel Cinematic Universe ohne Avengers weitergehen? Das ist die Leitfrage, die den 23.-MCU- und zweiten Spider-Man-Film „Spider-Man: Far from Home“ antreibt. Die Antwort welche uns Marvel gibt, ist erfrischend einfach: So wie bisher, Action gepaart mit klassischen Story-Elementen und Humor. 

Peter Parker (Tom Holland) alias Spider-Man drückt sich davor, nach der Auflösung der Avengers, mit Nick Fury (Samuel L. Jackson) zu sprechen. Stattdessen möchte er lieber mit seinen Klassenkameraden, u.a. seinem besten Freund Ned (Jacob Batalon) und MJ (Zendaya) auf eine Schüler-Europa-Reise gehen. Dort will Peter endlich MJ sagen, was er für sie empfindet und hat sich dafür auch schon einen Plan ausgedacht. Doch Fury lässt nicht locker und so muss Spider-Man bei der Bekämpfung von Elementar-Monstern zusammen mit dem außerirdischen Mysterio (Jake Gyllenhaal) während seiner Tour durch Europa helfen. Gleichzeitig steht die Frage im Raum, wer die Nachfolge von Tony Stark antreten wird. Peter kann sich nicht vorstellen diese mächtige Position einzunehmen.

Tom Holland und Jake Gyllenhaal
© Sony Pictures

Bevor man als Kinogänger vom MCU in Beschlag genommen wurde, gehörte Spider-Man schon zum festen Kanon der Superhelden, die immer wieder zurück auf die Leinwände fanden. Am Anfang der neueren Spider-Man-Geschichte stand die Trilogie aus der Hand von Sam Raimi mit Tobey Maguire in der Hauptrolle (2002-2007). Danach gab Andrew Garfield einen anderen, verschüchterten aber smarten Spider-Man in „The Amazing Spider-Man“ (2012) und „The Amazing Spider-Man: Rise of Electro“ (2014). Den Oscar für den ‚Besten Animationsfilm‘ in diesem Jahr gewann ebenfalls eine Spider-Man-Adaption. Diese besticht durch eine komplett andere Erzählweise und Stil. Doch 2017 rebootete Marvel seinen Spidi in „Spider-Man: Homecoming“ und machte damit eine klare Ansage. Peter Parker, diesmal verkörpert von Tom Holland, gehört in unser Universum. Der erste Film war ein starkes Reboot, das der Figur die Leichtigkeit und Naivität der Jugend wiedergab und einen blutjungen, übermütigen Spider-Man schuf. Durch mehrere Einsätze in anderen Filmen der Reihe u.a. „Avengers: Infinity War“ (2018) wurde es aber schnell ernster. Doch zu der anfänglichen Leichtigkeit des ersten Films möchte auch der zweite Film „Spider-Man: Far from Home“ zurückkehren und hat in den Momenten, in denen das gelingt, seine besten Szenen. Auch wird hier wunderbar der Balanceakt zwischen den beiden Identitäten eingefangen und zeigt uns in vielen Szenen, das er halt nur ein Teenager ist. Davon möchte man gern mehr sehen. Doch leider entschieden sich der Regisseur Jon Watts (*1981) und seine Drehbuchschreiber Chris McKenna (*1977) und Erik Sommers, welche alle drei bereits beim ersten Teil mitgewirkt haben, ein zu großes Action-Spektakel zu veranstalten. Die Frage nach Tony Starks Nachfolge ist definitiv legitim, aber diese vielen Gefechte und vor allem die nicht allzu sehr überraschende große Wendung werden zu sehr ausgedehnt. Auch wenn ihre Actionszenen ansehnlich sind, langweilen sie doch mit der schieren Masse und blähen den Film mit seinen 130 Minuten Dauer unnötig auf. Lieber hätte man mehr von Peter und seinen tapsigen Versuchen MJ zu erobern gesehen.

Angourie Rice, Jacob Batalon und Zendaya
© Sony Pictures

Optisch macht natürlich auch dieser Marvel-Film etwas her und bedient alles, was man sich wünscht. Dazu gehört ein überstilisiertes Europa genauso, wie gute CGI-Technik und gut durchchoreographierte Kämpfe. Zusammen mit der klassischen Prise Marvel-Humor (wunderbar ist vor allem die Anfangssequenz) reiht sich der Film gut in die Reihe ein und bietet mit seinem hervorragenden Ensemble auch die richtigen Darsteller. Obwohl er es schwer hat als neuer Spider-Man, schlägt sich Tom Holland, den man vorher vor allem bei „The Impossible“ (2012) wahrgenommen hat, hervorragend und gibt seinem Peter eine eigene Note. Er findet die richtige Balance zwischen der Verantwortung eines Erwachsenen und seinem kindlichen Gemüt. Seine Mitschüler Ned und MJ sind wunderbare Sidekicks. Vor allem Zendaya („Greatest Showman“ (2017)) überzeugt als toughes Mädchen. Viel zum Humor tragen die Szenen mit Jon Favreau (Regisseur von u.a. „Iron Man“ (2008) und „Der König der Löwen“ (2019)) als Happy, Stammfahrer bei den Avengers und Peters attraktiver Tante Mae, gespielt von Marisa Tomei („Real Love“ (1993)) , als ungleiches Gespann bei. Im Gesamten sind es vor allem der liebgewonnene Cast, ihre Rollenauslegungen und der Humor die diesen Marvel-Film unterhaltsam machen. Doch die recht klassische Geschichte mit zu bekannten Elementen und Effektgewittern macht ihn leider doch nur zu einem typischen Superheldenfilm ohne klaren Wiedererkennungswert. 

Tom Holland
© Sony Pictures

Fazit: Der neue Marvel-Film „Spider-Man: Far from Home“, der kurz nach dem finalen Avenger-Film „Avengers: Endgame“ erschienen ist, denkt die Geschichte im MCU weiter. Geht dabei aber sehr vertraute Wege und schafft es nicht zu dem locker leichten Stil des ersten Spider-Mans zurückzukehren. Doch in seinen besten Momenten, in denen meist Peter Parker und nicht Spider-Man im Vordergrund steht, versprüht der Film eine unterhaltsame Leichtigkeit, die leider durch zu viel Effektspektakel und Kämpfe gebremst wird. Nichtsdestotrotz ist auch dieser Film ein weiterer unterhaltsamer Baustein im Marvel-Universum.    

Bewertung: 7/10

Kinostart: 4. Juli 2019 / DVD-Start: 25. November 2019

Trailer zum Film „Spider-Man: Far from Home“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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