„Die Goldfische“ (2019)

Filmkritik: Das Genre der deutschen Komödie eignet sich immer wieder gut dafür, schwierige Themen auch mit Humor anzugehen. Das Thema der Behinderung wurde hierzulande bisher vor allem in Dramen angepackt, aber das ändert sich nun mit der Komödie „Die Goldfische“ (Deutschland, 2019) von Alireza Golafshan.

Der Portfolio-Manager Oliver (Tom Schilling) hat es mal wieder ziemlich eilig, dabei baut er einen Unfall, durch dessen Folge er an den Rollstuhl gefesselt wird. Während des mehrmonatigen Reha-Aufenthalts sollte er eigentlich wieder zu Kräften kommen, denkt aber nur daran endlich weiterarbeiten zu können. Auf der Suche nach der besten WLAN-Verbindung landet er in der Behinderten-WG ‚Die Goldfische‘, welche von Laura (Jella Haase) und Eddy (Kida Khodr Ramadan) betreut wird. Als er erfährt, dass das Finanzamt gegenüber Steuerbetrügern gerade in seiner Firma ermittelt, braucht er einen Plan, um sein Schwarzgeld über die Grenze zu schmuggeln. So ersinnt er sich einen Plan: Eine Kamel-Therapie in der Schweiz mit der gesamten Behinderten-WG und ihren beiden Betreuern. Natürlich klappt nicht alles reibungslos, denn bald wollen Franziska (Louise Wöllisch), Rainman (Axel Stein), Michi (Jan Henrik Stahlberg) und die zynische Blinde Magda (Birgit Minichmayr) auch ein Stück vom Kuchen abhaben.

Der fast zweistündige Spielfilm „Die Goldfische“ ist das Langfilmdebüt des deutschen Regisseurs Alireza Golafshan (*1986). Er schrieb auch das Drehbuch zu dieser humorvollen Geschichte und füllt sie mit viel Kino-Charme, aber auch echten Charakteren. Dabei schafft er es nicht nur die verschiedenen Behinderungen und Krankheiten gut einzufangen sondern besetzt mit Louise Wöllisch auch eine Schauspielerin mit Down-Syndrom. Trotz aller Ernsthaftigkeit stigmatisiert oder problematisiert der Film hier nicht. Wie Oliver stoßen die Zuschauer als Außenstehender dazu. Doch dadurch, dass er anfänglich nur das WLAN braucht, geht er fast unverfangen auf die bunte Truppe zu und möchte auch später erstmal nur seinen Nutzen daraus ziehen. Doch mit Olivers unvermeidlicher Läuterung lernen wir die Charaktere kennen und lieben. So schafft es Golafshan Menschen mit und ohne Behinderung mühelos zusammenzuführen und mit viel Humor und Dialogwitz durch die bunte Roadmovie-Geschichte zu leiten.

Für sein Debüt konnte der Regisseur ein wunderbares Ensemble gewinnen. Allen voran Tom Schilling, der es in diesem Jahr auch bis zu den Oscars mit Florian Henckel Donnersmarcks Film „Werk ohne Autor“ geschafft hat. Schilling gibt seiner Figur die richtige Mischung aus Arroganz und Verletzlichkeit, sodass eine Wandlung dieser Art nicht ausgeschlossen scheint. An seiner Seite spielt die entzückende Jella Haase („Fack ju Göhte“-Reihe (2013-2017), „25 km/h“ (2018)) und Kida Khodr Ramadan mal nicht als Gangster, wie in „Nur Gott kann mich richten“ (2018), sondern als übergewichtiger Trottel-Pfleger. Die Bewohner der WG werden hervorragend von Birgit Minichmeyer („Das weiße Band“ (2009), „Gnade“ (2012)) , Axel Stein („Harte Jungs“ (2000)) , Louise Wöllisch und Henrik Stahlberg („Fikkefuchs“ (2017)) verkörpert. Mit Freude am Spiel und auch der ein oder anderen Übertreibung, verzichten die Darsteller trotzdem auf eine klischeehafte, zu weit entfernte Darstellung und lassen sich nicht so einfach in Stereotypen pressen. Auch in den weiteren Nebenrollen ist der Film gut besetzt und ergibt einen wunderbaren Cast, der Spielfreude und Sympathien offenbart. Hinzu kommen die souveräne Umsetzung mit klassischen (und auch sehr schönen) Bildern und seichter Musikuntermalung, welche den perfekten Rahmen für die Geschichte bilden. So ist der Film im Gesamten gelungene Unterhaltung mit viel Humor und einer ebenso herzlichen Botschaft. Das ist Gute-Laune-Kino mit der richtigen Portion Moral und einem gesellschaftskritischen Unterton.

Fazit: Der Spielfilm „Die Goldfische“ besitzt alle Elemente einer liebenswerten Komödie. In sonniger Umgebung tummelt sich eine sympathische Truppe voller Charakterköpfe, verkörpert von vielen bekannten Schauspielern. So verpackt der Film, der über die meiste Zeit vor allem ein amüsantes Roadmovie ist, seine Botschaft für mehr Offenheit ganz mühelos und verspielt. Alireza Golafshans Filmdebüt hat keine Kontaktängste und das gibt er seinen Zuschauer mühelos mit.

Bewertung: 7/10

Kinostart: 21. März 2019 / DVD-Start: unbekannt

Trailer zum Film „Die Goldfische“

Geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

 

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