„Mars Express“ (2023)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Der französische Animationsfilm „Mars Express“ (OT: „Mars Express“, Frankreich, 2023) von Jérémie Périn, der im Programm des 30. Internationalen Filmfests Oldenburg 2023 lief und jetzt in die Kinos kommt, vereint mit viel Lust am Sci-Fi-Genre eine Geschichte – angesiedelt zwischen „Blade Runner“ und „Ghost in the Shell“ – in einem visuellen Retro-Gewand. 

Irgendwann in der Zukunft in der Kolonie Noctis auf dem Planeten Mars arbeiten die Privatdetektivin Aline Ruby und ihr Partner, dessen Geist seit seinem Tod vor fünf Jahren in einem Androiden steckt, an ihrem neuesten Fall. Es geht um das Verschwinden einer Hackerin, die daran gearbeitet hat, die Künstliche Intelligenz von der menschlichen Dominanz zu lösen. Bei ihrer Suche stoßen die beiden immer tiefer vor und während sie immer mehr in Gefahr geraten, keimt die Frage auf, welche Rechte all die Androiden und Maschinen haben.

Der französische Regisseur Jérémie Périn, der gemeinsam mit Laurent Sarfati auch das Drehbuch geschrieben hat, schuf einen Animationsfilm, der sich vor den Vorbildern verbeugt, zugleich aber auch seine eigene Geschichte erzählt. Natürlich fühlt man sich an die großen Klassiker wie „Blade Runner“ (1982) und „Ghost in the Shell“ (2017) erinnert, aber gleichzeitig werden alle bekannten Science-Fiction-Elemente neu verbunden. Die Geschichte ist dabei stets überraschend, konsequent und spannend bis zur letzten Minute. Der Einstieg in den Film ist etwas schwer, da man sofort ins Geschehen geworfen wird, aber danach wird man, auch wenn man keine filmische Sci-Fi-Vorkenntnisse besitzt, an die Themen herangeführt wird, so dass sich der Film für Newbies und alte Hasen gleichermaßen eignet. 

Die computergenerierten 2D-Animationen sind wie die Geschichte ein gelungener Hybrid aus bekannten Elementen und eigenen Ideen. Der verwendete Stil erinnert an alte Filme und Serien, zeigt eine technologisierte Welt und das noch auf einem anderen Planeten. Dabei ist der Look angesiedelt zwischen klassischem Future-Look und Film Noir. Mit vielen innovativen Ideen entführt uns Périn in diese von KI geprägte Umgebung, stellt philosophische Fragen und schafft es auch, mit vielen Actionszenen, die aber nie ohne Grund stattfinden, zu überzeugen. Alles schmiegt sich hier zusammen, auch die guten Sprecher:innen (im Original) tragen viel zur Wirkung des Films bei. Durch und durch ist dem Filmemacher ein Sci-Fi-Animationsfilm gelungen, der sich einen festen Platz in dem Genre verdient hat und sich sogar zu einem Geheimtipp oder Klassiker mausern könnte.

Fazit: „Mars Express“ ist ein Science-Fiction-Animationsfilm von Jérémie Périn, der klassische Genre-Elemente mit neuen Ideen kombiniert. Dabei entstand ein spannender, bemerkenswerter Film, der mit seiner Geschichte genauso begeistert wie mit seinen detaillierten und an große Vorbilder angelehnten Bildern.

Bewertung: 9/10

Kinostart war am 25. April 2024

Trailer zum Film „Mars Express“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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