„For the Time Being“ (2023)

Doreen Kaltenecker
Letzte Artikel von Doreen Kaltenecker (Alle anzeigen)

Filmkritik: Der Dokumentarfilm „For the Time Being“ von Nele Dehnenkamp, der auf dem 66. DOK Leipzig 2023 mit dem Gedanken-Aufschluss-Preis ausgezeichnet wurde, ist die Langzeitbeobachtung einer afroamerikanischen Familie, deren Vater seit vielen Jahren im Gefängnis sitzt.

1998 wurde Jermaine wegen vorsätzlicher Tötung für 22 Jahre Haft im Hochsicherheitsgefängnis Sing Sing verurteilt. Doch dieser beschwört seine Unschuld. Seine damalige Freundin und zweifache Mutter Michelle, welche er dann noch während der Gefängniszeit heiraten wird, steht fest an seiner Seite. Als neue Dokumente auftauchen, welche zeigen, dass es am Urteil berechtigte Zweifel gibt, nimmt sie den Kampf für seine Freilassung mit noch größerer Entschlossenheit auf. 

Die deutsche Regisseurin Nele Dehnenkamp, die sich mit ihrem Kurzfilm „Seepferdchen“ (2020) bereits international einen Namen gemacht hat, erzählt in ihrer Langzeitbeobachtung von dem amerikanischen Justizsystem, Diskriminierung und Rassismus. Sie konzentriert sich dabei ganz auf die Familie Bastien-Archer. Sie fängt den familiären Zusammenhalt, den Kontakt des Paares und den Kampf der Frau für seine Freilassung ein. Dabei lässt sich der Film etwas zu viel Zeit dabei, sie bei all ihren alltäglichen Aktivitäten zu begleiten. So wird den Zuschauer:innen ein Gefühl von Stillstand vermittelt. Das war womöglich beabsichtigt, aber leider verliert die Geschichte dadurch an Spannung und damit auch von Zeit zu Zeit das Interesse des Publikums, so dass man sich weniger involviert fühlt, als es der Stoff hergeben würde. Denn die Ausgangssituation und der langjährige Kampf offenbaren vieles, was im amerikanischen Rechtssystem nicht richtig läuft. Es wird auch deutlich gezeigt, wie man als Partner:in oder als Familie mit so einem Schicksalsschlag umgehen kann. All das fängt die Regisseurin in ungeschönten Bildern, dabei immer nah dran an Michelle, ein. So entstand eine interessante, wenn auch leider nicht mitreißende Dokumentation. 

Fazit: „For the Time Being“ ist eine Langzeitbeobachtung der Regisseurin Nele Dehnenkamp, die Michelle, Mutter und Ehefrau eines Gefängnisinsassen, bei ihrem Kampf um die Freilassung über eine Dekade lang begleitet. Dabei lässt der Film sich Zeit, fängt auch den Alltag und das Warten ein und setzt auf einen konsequente Perspektive ihrer Protagonistin.

Bewertung: 6/10

Kinostart: 18. April 2024

Trailer zum Film „For the Time Being“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

Kommentar verfassen