„Ederlezi Rising“ (2018)


Filmkritik:
Auf dem 28. Filmfestival Cottbus lief mit dem Film „Ederlezi Rising“ (AT: „A.I. Rising“, Serbien & USA, 2018) der erste serbische Science-Fiction-Film. Dabei ist der mit seiner Wahl der Hauptdarstellerin und viel nackter Haut nicht nur provokant, sondern besticht auch mit seinem dreckigen Zukunft-Look und erzählt eine klassische Geschichte des Genres.

Im Jahr 2148 begibt sich der Astronaut Milutin (Sebastian Cavazza) im Auftrag der Ederlezi Corporation zum Sternbild Alpha Centauri. Der Weg dahin ist lang und damit er nicht vereinsamt wird ihm ein weiblicher Cyborg namens Nimani 1345 (Jessica Stoya Stoyadinovich) an die Seite gestellt. Über die Zeit verschiebt sich das Verhältnis der beiden und er will Nimani aus ihrer Programmierung befreien, doch das könnte die ganze Mission zum Scheitern bringen.

Sebastian Cavazza und Stoya

Der 1983 in Belgrad (damals noch Jugoslawien) geborene Lazar Bodroža (*1983), der an der Universität der Künste in Belgrad graduierte, schenkt dem jungen Land Serbien mit „Ederlezi Rising“ seinen ersten Science-Fiction-Film. Es ist auch das Spielfilmdebüt des noch jungen Regisseurs, der gleichzeitig auch Künstler, Mitbegründer und Direktor des Design-Studios „Metaklinika ist. Basierend auf einer in den 80er Jahren erschienenen Kurzgeschichte von Zoran Nešković hat der in Serbien etablierte Drehbuchschreiber Dimitrije Vojnov die Umsetzung für den 85-minütigen Film geschrieben. Dabei beschäftigt sich der Film auf der einen Seite mit einer klassischen Erzählung aus der Science-Fiction-Welt: Die Eigenständigkeit und Entwicklung von künstlicher Intelligenz. Auf der anderen Seite geht es hier auch um Geschlechterbilder und den Zweifel an der uneingeschränkten Dominanz der Männer. Auf den ersten Blick wird das durch den Film unterstützt, welcher seinen weiblichen Androiden sehr oft nackt und damit scheinbar schutzlos zeigt, doch mit der Zeit erkennt der Zuschauer, dass die Schwäche bei dem Mann liegt und seinem Glauben alles bestimmen zu können. So vermischt Bodroža hier wunderbar gesellschaftskritische Ansätze mit klassischer Science-Fiction-Kultur und erzählt einen Film ohne geraden Verlauf, der das Ende der Geschichte lange Zeit im Unklaren lässt.

Stoya

Trotz eines vermutlich geringen Budgets hat es „Ederlezi Rising“ geschafft, einen stimmigen, überzeugenden Look für seine Geschichte zu kreieren. Die Liebe zum dreckigen Science-Fiction-Filmen ist klar erkennbar. Das Raumschiff ist kein weißes, hell leuchtendes Hightech-Schiff, sondern es scheint aus massivem Beton, mit wenig Licht und nur der nötigsten Ausstattung zu bestehen. Hinzu kommen ein paar Spezialeffekte, welche aber gar nicht unbedingt notwendig sind, um eine dichte Atmosphäre zu schaffen. Das schafft das Setting mit ausgefallenen Beleuchtungsideen schon von ganz allein. Neben der gelungenen Ausstattung passt sich auch der Score von Nemanja Mosurović klassischen Vorbildern an. Doch vor allem überzeugen die beiden Hauptdarsteller in ihren Rollen. Der populäre serbische Schauspieler Cavazza und die serbisch-amerikanische Pornodarstellerin Stoya geben zusammen ein stimmiges Gespann ab, welche ihre Rollencharakterisierungen zwischen Stereotypen und Individualität finden. Zusammen ergeben Story und Look einen rundum stimmigen Science-Fiction-Film und macht nicht den Eindruck, als ob es wirklich der erste seine Art in Serbien ist.

Stoya und Sebastian Cavazza

Fazit: Lazar Bodrožas Science-Fiction-Film „Ederlezi Rising“ erzählt eine klassische Geschichte mit der richtigen Mischung aus Zukunftsmusik und menschlicher Botschaft. Verpackt ist der Film in einen dreckigen Used-Look, dessen Vorbilder gut erkennbar sind, aber hier gut übernommen sind. So ist der Film nicht nur der erste seiner Art in Serbien, sondern handwerklich überzeugend umgesetztes, spannendes Science-Fiction-Kino, was das Rad nicht neu erfindet, aber stimmig klassische Elemente kombiniert.

Bewertung: 7,5/10

Kinostart: 25. Februar 2019 / DVD-Start: unbekannt

Trailer zum Film „Ederlezi Rising“

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geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

 

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