Sieben Fragen an Florian Forsch

Regisseur Florian Forsch

Interview: Im Gespräch mit dem Filmemacher Florian Forsch über die Hintergründe für seiner Geschichte zu seinem 44-minütigen Kurzfilm „Bester Mann“, wie er seine Schauspieler fand und warum für ihn Auslassungen im Kino so wichtig sind.  

Dein mittellanger Film „Bester Mann“ erzählt realistisch eine packende Geschichte. Wie kamst Du zu dem Stoff? Und wie weit spielt die Realität da mit rein?  

Ich wollte ursprünglich einen Film darüber machen, wie Jugendliche für die rechtextreme Szene geködert werden. Bei der Recherche bin ich über einen Fall gestolpert, bei dem ein Anführer der Szene noch wesentlich weiter gegangen ist. Er hat seinen Einfluss auf Minderjährige in mindestens 60 Fällen missbraucht, um sie an Freier zu verkaufen und damit die Szene finanziell zu unterstützen. Ich fand das so erschreckend, dass es mich nicht mehr losgelassen hat. Daraufhin habe ich mich lange eine Weile mit den Strategien beschäftigt, die diese Tätern anwenden und kam so schließlich zu dem fiktiven Fall, den der Film erzählt.

Hast Du das Fotografie-Element wegen Deiner Vergangenheit mit eingebaut?

Poster des Kurzfilms „Bester Mann“

Es kann sich ja jeder Fotograf nennen. Die perfekte Tarnung für freiberufliche Ganoven. Als ich darüber nachgedacht habe, welchen offiziellen Beruf die Figur aus dem Film haben könnte, ist mir aufgefallen dass es kaum etwas gibt, dass sich nicht irgendwie durch ein Fotoshooting erklären lässt. Benny ist ja ein Allround-Krimineller und nutzt die Fotografie mitunter als Alibi.

Wie kam es zur Kooperation mit Funfairfilms? Wie verliefen die Dreharbeiten?

Ich war schon bei Funfairfilms-Produktionen dabei, als es noch ein Kollektiv war. Den Stoff zu „Bester Mann“ hatten wir schon im gemeinsamen Writersroom besprochen. Daher kannten alle die Geschichte, als es irgendwann um die Produktion ging.

Wir haben in einem kleinem Team am Ende der Welt gedreht – ohne Handyempfang und fließendes Wasser. Da kam schnell Ferienlager-Stimmung auf. Was leider so gar nicht mitgespielt hat, war das Wetter. Ich hatte aber riesiges Glück mit der Crew, die es immer irgendwie geschafft hat, Sommertage zu erzählen, egal wie die Welt, um uns herum, in Wirklichkeit aussah.

Dein visuelles Konzept gefällt mir sehr gut. Vor allem mit der nahen Kameraarbeit und dem gerade Nicht-Alles-Zeigen. Erzähl mir etwas mehr dazu.

Standbild aus dem Kurzfilm „Bester Mann“

Ich finde Auslassungen als Stilmittel unglaublich interessant. Als Zuschauer genieße ich die Momente in Filmen am meisten, wo ich selbst gefordert bin. Das macht es irgendwie interaktiv. Darum, und weil ich nicht die Straftat selbst, sondern die Manipulation in den Fokus rücken wollte, habe ich schon im Drehbuch mit Auslassungen gearbeitet. Die wurden dann auch zum Konzept für den Look.

Die beiden Hauptdarsteller sind großartig. Wie hast Du die Schauspieler für Deine Geschichte gefunden?

Frederik Schmid und Adrian Grünewald

Ganz konventionell durch Castings. Wir haben relativ lange gecastet. Für mich ist die Besetzung eine intuitive Sache. Du siehst eine Person in der Rolle und kannst dir plötzlich keine andere mehr vorstellen. Bei dieser Besetzung war es besonders wichtig, ein Ensemble zu finden, dass auch untereinander die richtige Dynamik hat. Frederik Schmid hat mich zu den letzten Castings für die andere Rolle begleitet. Als er dann mit Adrian Grünewald gespielt hat, war der Fall dann sehr schnell klar. Wie sich die beiden sich aufeinander eingelassen haben, hat mich sofort gefesselt.

Erzähl mir mehr von Dir. Vom Fotografen zum Regie-Studenten – wie kam es dazu?

Frederik Schmid und Adrian Grünewald

Ich habe schon als Teenager ständig an Filmsets rumgehangen. Als Runner oder Statist. Neben meiner Fotografen-Lehre habe ich dann viel Theater gespielt und auf der Kunstakademie in Maastricht auch angefangen, selber Kurzfilme zu schreiben und zu inszenieren. Es hat mich so fasziniert, die vielen verschiedenen Kunstformen zusammen zu führen, dass ich mich irgendwann komplett auf szenischen Film fokussiert habe. Die Filmhochschule in Köln war dann perfekt, um damit weiter zu machen.

Wie wird es jetzt weitergehen? Wirst Du weiterhin mit Funfairfilms zusammenarbeiten?

Florian Forsch mit den Hauptdarstellern Frederik Schmid und Adrian Grünewald beim 28. FilmFestival Cottbus

Ich arbeite an einem neuen Spielfilm. Es geht wieder um Manipulation. Diesmal in Form von Verschwörungstheorien und medialen Einfluss. Da bin ich gerade in der Drehbucharbeit. Neue Projekte mit Funfairfilms sind auch schon in Planung.

Die Fragen stellte Doreen Matthei

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Bester Mann

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