„Bumblebee“ (2018)

Filmkritik: Die Transformers-Reihe, gestartet 2007 von Michael Bay, gehört wohl zu den langweiligsten Ausgeburten des Actiongenres. Sie wurde dazu noch von einem Spielzeug inspiriert, was mittlerweile fast schon wieder antiquiert wirkt und dessen große Erfolge schon länger zurückliegen. So hat man mit wenig Interesse die Reihe weiter verfolgt, doch dem für diesen Teil neu eingesetzten Regisseur Travis Knight gelingt nun mit „Bumblebee“ (OT: „Bumblebee“, USA, 2018) eine überraschende Weiterführung der Reihe, welche man ganz unabhängig von seinen Vorgängern betrachten darf und sollte.

Brighton Falls, 1987: Die 17-jährige Charlie Watson (Hailee Steinfeld) ist seit dem Tod ihres Vaters eine Außenseiterin und verbringt die Zeit lieber mit den Herumbasteln an der alten Corvette ihres Vaters, als mit Gleichaltrigen oder mit ihrer Mutter Sally (Pamela Adlon), ihrem Bruder Otis (Jason Drucker) und vor allem nicht ihrem Stiefvater Ron (Stephen Schneider). Als sie auf dem Schrottplatz einen alten, gelben Käfer findet und auch noch dazu vom Besitzer geschenkt bekommt, ahnt sie noch nicht, dass sich darin ein Autobot versteckt. Dieser brachte sich dort vor einem intergalaktischen Kampf mit den Decepticons in Sicherheit. Doch leider weiß er, getauft von Charlie auf den Namen Bumblebee, nichts mehr von der Bedrohung, welche näher rückt, während Charlie durch ihn wieder zu neuen Leben erwacht.

Bumblebee und Hailee Steinfeld
© Paramount Pictures

Ausgehend von dem damals sehr angesagten Spielzeugrobotern ‚Transformers‘ von Hasbro schuf die Drehbuchautorin Christina Hodson eine stimmige, amüsante Coming-of-Age-Geschichte, angesiedelt in den 80er Jahren. Dabei scheint sie all die Vorgänger der Reihe gekonnt zu ignorieren. Zusammen mit dem Regisseur Travis Knight (*1973), der bereits mit seinem Debütfilm „Kubo: Der tapfere Samurai“ überraschen konnte, entwickelte sie einen Film, der wunderbar funktioniert. Auch wenn es hier und da typische Autobot-Action gibt und natürlich auch das Final nicht vor einem Spezial-Effekte-Gewitter zurückschreckt, liegt der Fokus bei „Bumblebee“ auf einer jungen, eigenständigen Frau. Hier ist der Mensch nicht nur reine Staffage, welcher die Action bestaunt, wie in den anderen Filmen, sondern die Hauptfigur. Charlie ist eine Sympathieträgerin, wie sie im Buche steht. Zudem funktioniert die Interaktion zwischen ihr und Bumblebee, sowie der Familie und ihrem Verehrer Memo (Jorge Lendeborg Jr.) wunderbar. Gespickt mit viel Humor geht die Handlung, welche in klassischen Bahnen verläuft, voran und schafft es zudem mit dem ein oder anderen Detail zu überraschen. Wenn die Filmemacher jetzt noch etwas mehr von den klassischen Gut-Böse-Zeichnungen abgewichen wäre, hätte man mit „Bumblebee“ nicht nur einen super unterhaltsamen Kinofilm kreiert, sondern einen, der sich traut das standardisierte Genre komplett umzugraben.

Bumblebee
© Paramount Pictures

Handwerklich bietet „Bumblebee“ alles was man sich von einem Hollywood-Action-Spektakel wünscht. Doch darüber hinaus kann der Film auch noch mit einem wunderbar charmanten 80er-Jahre-Zeitkolorit glänzen. Die Verehrung wird dabei nicht nur in der Wahl der Musik, welche eine große Rolle spielt, sondern auch in Details, wie den unterschiedlichen T-Shirts der Protagonistin, deutlich. Dieser liebenswerte Retrocharme gepaart mit standardisierter CGI-Actionspektakel funktioniert vor allem in der Mischung super und macht aus Charlie auch keine langweilige Abziehheldin. Die Spezialeffekte sind dabei natürlich gelungen, auch wenn es gerne noch mehr ruhigere Szenen anstatt knallender Action hätte geben können. Doch um das ursprüngliche Publikum nicht ganz zu verprellen, hat Travis Knight die richtige Mischung gefunden. Vor allem hat er beim Cast alles richtig gemacht. In den Nebenrollen überzeugen Pamela Adlon u.a. (bekannt aus „Californication“) und Jorge Lendeborg Jr. (zu sehen in „Alita: Battle Angel“ (2019) und „Spiderman: Homecoming“ (2017)), der einen perfekten Sidekick zu der toughen Protagonistin darstellt. Diese wird verkörpert von der wunderbaren Hailee Steinfeld, welche durch den Coen-Brothers Film „True Grit“ (2010) zu Bekanntheit gelangt ist. Seitdem ist sie definitiv gewachsen und hat auch die ein oder andere unangenehmere Rolle wie in „Pitch Perfect 3“ (2017) gespielt. Doch hier überzeugt die junge Schauspielerin, die auch als Sängerin tätig ist, auf ganzer Linie und bekommt alle Sympathien. Vor allem in ihrem Zusammenspiel mit dem Autobot, dessen Gedächtnisverlust dazu führte, dass man ihn mit seinem kindlichen Gemüt auch ins Herz schließt, was durch die CGI-Effekte wunderbar unterstützt wird, so dass man ihm sogar auch eine Slapstick-Szene abnimmt.

Hailee Steinfeld und Bumblebee
© Paramount Pictures

Fazit: Der Action-Film „Bumblebee“, der offiziell sechste Teil der Transformers-Reihe setzt sich wohltuend von seinen stupiden Vorgängern ab. Der Regisseur Travis Knight schuf mit seinem 80er-Jahre-Charme, einer wunderbaren Hauptdarstellerin und wohl dosierten Actionsequenzen eine funktionierende Mischung aus Coming-of-Age-Geschichte und Actionfilm, die souverän unterhalten kann.

Bewertung: 7/10

Kinostart: 20. Dezember 2018 / DVD-Start: 2. Mai 2019

Trailer zum Film „Bumblebee“

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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