„Jane the Virgin“ (Staffel 2, 2016)

Photo: Nino Munoz/The CW
© 2015 The CW Network, LLC

Serienkritik: Nachdem die erste Staffel der amerikanischen Serie „Jane the Virgin“ mit der Geburt des jungfräulichen Kindes und einem großen Cliffhanger endete, geht es in den 22 Folgen der zweiten Staffel nicht nur um die Wahl zwischen zwei Männer, sondern auch darum, wie man Muttersein mit den vielen weiteren Herausforderungen des Lebens unter einen Hut bekommen kann.

Jane Villanueva (Gina Rodriguez) bekommt, nachdem ihr Sohn Mateo endlich zu Hause ist, nicht nur die volle Unterstützung von ihrer Abuela (Ivonne Coll) und Mutter Xiomara (Andrea Navedo), sondern auch vom leiblichen Vater Raffael (Justin Baldoni) sowie ihrem Ex-Verlobten Michael (Brett Dier), der viel dazu beigetragen hat, dass Mateo jetzt bei ihr sein kann. Hin- und hergerissen zwischen ihren Liebesgefühlen für beide muss sich Jane fragen, welcher der richtige Mann für sie ist. Hinzu kommt der Druck von außen, nicht nur von ihrem Vater Rogelio (Jaime Camil), der selbst auch immer mehr die Sehnsucht nach einem eigenen Kind verspürt, sich zu entscheiden. Petra (Yael Grobglas) dagegen würde immer Raffael wählen und befruchtet sich deshalb selbst mit seinem Sperma. Während dieser Zeit gehen die Ermittlungen gegen Sin Rostro alias Rose (Bridget Regan) weiter und eine heiße Spur zu Verbrecherboss Mutter (Elena Di Nola) taucht auf. Michael kniet sich dafür ganz in den Fall rein. Auch Jane geht ihrer Karriere weiter nach, nachdem sie sich anfänglich dem Muttersein vollends gewidmet hat, und findet an der Universität und in einem Lesezirkel Unterstützung und Motivation.

Andrea Navedo, Gina Rodriguez und Jaime Camil
© Michael Desmond/The CW

In den 22 Folgen, erschienen im Jahr 2016, machte die Serienmacherin Jennie Snyder Urman da weiter, wo sie nach der ersten Staffel aufgehört hat. Sie adaptierte mit einem Augenzwinkern und einem oft darauf Bezug nehmenden Off-Kommentar, gesprochen von Anthony Mendez (im Deutschen von Thomas Wenke), die Erzählweise spanischer Telenovelas. Angesiedelt ist die Geschichte in Florida und erzählt von spanischen-stämmigen Menschen und ihren Leidenschaften. Dabei setzt die Serie immer noch eins drauf. So gibt es nicht nur mehrere düstere, geheimnisvolle Verbrecherbosse, eine Vielzahl von Krimi-Elementen, sondern auch viele Liebeswirrungen und Alltagsgeschichten. Dabei wird die Haupthandlung mehr und mehr um Nebenstränge anderer Charaktere erweitert. In dieser Staffel finden Rogelio und Xiomara wieder zusammen, Petra kämpft mit ihrer verlorenen Liebe, Nebencharaktere haben finstere Pläne und die Sin-Rostro-Geschichte nimmt weiter ihren Lauf. In diesem Sinne erfüllt die Serie alles, was man sich von einer Telenovela, in Deutschland vergleichbar mit Seifenopern, wünschen kann. Die Staffel endet mit einem emotionalen Höhepunkt und zeigt damit, dass sie nicht vor radikalen Veränderungen zurückschreckt. Das alles funktioniert für den Zuschauer aber nur, wenn er sich darauf einlassen kann, ein Faible für Übertreibungen hat oder ganz einfach die Charaktere bereits durch die erste Staffel lieb gewonnen hat.

Yael Grobglas
© Robert Voets/The CW

Die Charaktere tragen viel zum Gelingen der Serie bei. Trotz ihres doch recht stereotypen Korsetts werden sie im Verlauf der Staffeln immer menschlicher und zeigen Wandlungen, welche man in solch einem Format nicht unbedingt erwarten würde. Das verdankt die Serie auch ihrem großartigen Cast. Neben der mittlerweile recht bekannten Darstellerin Gina Rodriquez („Deepwater Horizon“ (2016) und „Auslöschung“ (2018)) überzeugen vor allem Brett Dier als Michael und Justin Baldoni als Raffael, so dass man sich als Zuschauer (zumindest als weiblicher) automatisch auf eine Seite schlägt. Besonders hervorzuheben sind aber die beiden Darsteller Jaime Camil und Yael Grobglas. Beide schaffen es, ihren eigentlich eher unsympathischen Rollen sehr viel Liebenswürdigkeit zu geben. Darin weichen sie von den Stereotypen ab: Die kalte Geschäftsfrau hat viel Herz und der arrogante Telenovela-Star schafft es, sich auch um andere Sorgen zu machen. Vom Drehbuch her funktionieren solche Charaktere schon sehr gut, aber durch das Spiel der beiden Darsteller umso besser. Hinzu kommt, dass die ganze Serie stets was Sommerliches besitzt. Sonne, blauer Himmel, Wind im Haar und schöne Kleidung tragen viel zum leichtfüßigen Charme der Serie bei. So verwundert es nicht, dass es kaum hässliche Menschen in der Serie gibt. Rundherum wird sie auch von formaler Seite allen Ansprüchen einer Telenovela gerecht. Auch wenn sie durch Aussagen aus dem Off öfters mal als eine solche entlarvt und damit gespielt wird, bleibt sie eine klassische Serie dieser Art. Sie ist allein schon deshalb einzigartig, weil es diese bisher auf dem amerikanischen Markt selten gab und sie lateinamerikanischen Darstellern mehr Screentime schenkt.

Judy Reyes und Jaime Camil
© CW

Fazit: Die amerikanische Serie „Jane the Virgin“ adaptiert gelungen spanische Telenovelas und unterhält die Zuschauer mit einer wilden Mischung aus klischeehaften und stereotypen Elementen aus den Bereichen Krimi, Drama, Komödie und Liebesfilm. Durch ihre sympathischen Charakterisierungen und amüsanten Off-Kommentare, sowie weiteren kreativen Einfälle schafft es die Serie sogar, nicht nur Freunde dieser Art Unterhaltung anzusprechen, sondern eine breitere Masse zu erreichen. Die Serie ist wunderbare leichte Kost für zwischendurch, die einfach nicht zu ernst genommen werden sollte.

Bewertung: 4/5

Trailer zur Staffel 2 der Serie „Jane the Virgin“:

Geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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