Sieben Fragen an Reggie Pak

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Interview: Im Gespräch mit den beiden Filmemachern Benjamin Kempf-Siemens und Rainer Binz, welche zusammen als Reggie Pak den Kurzfilm „Early Birds“ realisiert haben, erzählten sie mehr über die Hintergründe ihres Films, die Wahl der Schauspieler und wie sie zusammen die Arbeit anpacken.

Euer Kurzfilm „Early Birds“ erzählt eine Geschichte über das Altern. Aber gleichzeitig baut es viel Humor und Genreelemente mit ein. Wie ist eure Geschichte entstanden? Gab es Anregungen aus dem realen Leben?

Altersarmut generell hat uns schon immer interessiert. Besonders auch Alterskriminalität die aus der Armut in unserer Gesellschaft immer mehr entsteht. Die Idee einen Kurzfilm zu machen, hatte mehr einen professionellen Hintergrund. Reggie Pak kommt aus der Werbung und wir wollten zeigen, dass wir auch länger als 60 Sekunden können.

Immer wieder gibt es Filme über außergewöhnliche Rentner – der letzte Robert Redford-Film „Ein Gauner und Gentleman“ und der bald in den Kinos startende „Abgang mit Stil“. Welche Vorbilder hattet ihr persönliche bei eurem Film im Sinn?

Hmmmm, schwierige Frage, wir hatten keinen expliziten Film im Kopf, natürlich wird man immer von verschiedenen Filmen inspiriert, aber uns war es einfach wichtig, dass ein schwieriges und witziges Thema nicht einfach nur schwer und traurig sein soll. Man muss auch lachen dürfen. Uns war es außerdem wichtig, dass wir den Film als Tragikomödie inszenieren. Wir haben den Film beim deutschen Seniorentag gezeigt und da war unser Film derjenige, der den meisten gefallen hat, mit einer Ausnahme. Der Tenor war ganz klar, dass es ein wichtiges Thema sei, aber man froh ist, dass es auch Stellen gibt, wo man Schmunzeln und Lachen darf. Das lockert auf und regt dann an.   

Wunderbar sind auch die treffsicheren Dialoge – haben die Darsteller dabei improvisieren dürfen?

Ehrlich gesagt hätten wir liebend gerne ein bisschen improvisiert, aber dafür reichte die Zeit einfach nicht. Wir hatten einen ziemlich engen und durchgetakteten Zeitplan von zwei Drehtagen. Die vier Herren sind immer noch super textsicher und liefern einfach auch ein grandioses Spiel, aber die Müdigkeit muss man doch mit einberechnen. Die kommt halt ein bisschen früher, als bei einem Zwanzigjährigen. Kurzum, wir mussten schnell und konzentriert arbeiten. Da war einfach kein Platz für Improvisation. Toll wäre es sicher gewesen.

Apropos Darsteller – Euer Ensemble ist großartig. Wie habt ihr eure Herren-WG gefunden?   

Über einen befreundeten Kameramann hatten wir Zugang zu Hark Bohm [Anm. d. Red.: Darsteller von Jossi]. Wir haben ihn angerufen und ihm das Buch geschickt. Er fand es gut und hat uns direkt eine Zusage gegeben. Dann haben wir uns an Horst Westphal [Anm. d. Red.: Darsteller von Hans] herangepirscht und Kaffee und Kuchen gegessen und viele Stunden über das Leben geredet, über Armut im Alter, da war auch Horst dabei, der allerdings lieber den Ede spielen wollte. Wir fanden aber immer dass Ede von Herman Beyer gespielt werden soll, also haben wir die Agentin von Herman Beyer angerufen und durch sie sind wir dann zum vierten im Bunde, Axel Werner, rangekommen. Das Witzige und vielleicht auch das Ausschlaggebende, warum sie alle dann mitgemacht haben, war die Tatsache, dass sich alle vier natürlich gekannt haben und zum Teil vor 30/40 Jahren zusammen schon auf der Bühne standen. Sie sind Freunde und respektieren sich als Schauspieler und als Mensch.

Euer Kurzfilm wirkt wie die perfekte Vorbereitung auf eine Langfilm. Habt ihr vor ihn in Spielfilmlänge umzusetzen oder wird es einen weiteren Kurzfilm-Nachfolger geben?

An dieser Stelle möchten wir unbedingt auch nochmal einen ganz großen Dank an unser gesamtes Team aussprechen, denn nur mit ihrer Hilfe haben wir es überhaupt geschafft, den Film so zu schaffen, wie er jetzt ist.

Alle Beteiligten haben einen grossartigen Einsatz geleistet und wir sind ihnen sehr dankbar dafür. Jetzt aber zur Frage: Wir wollten einen Kurzfilm machen, der für sich selber steht, eine eigene Kraft hat und aufFestivals gezeigt wird. Aber diese Frage bekommen wir erfreulicherweise immer wieder gestellt. Unbedingt, wir wollen was Längeres machen, keine Fortsetzung aber mit den Männern und zum Thema Altersarmut. Es ist ein aktuelles und grosses Thema, das unbedingt filmisch bearbeitet werden muss.

Könnt ihr mir noch mehr zu Eurer Arbeit als Regie-Duo Reggie Pak erzählen und wie ihr damals 2012 zusammen gefunden habt?

Wir kennen uns schon seit 30 Jahren, wir waren zusammen auf dem gleichen Gymnasium. Nach der Schule sind wir beide beim Film gelandet und haben immer wieder zusammengearbeitet. Rainer ist Autodidakt und Beni hat Film studiert. In der Zusammenarbeit gibt jeder von seinem Standpunkt, seinem Wissen und seiner Kreativität alles ins Projekt hinein und gemeinsam entscheiden wir, sodass nur das Beste am Schluss im Film ist.

Am Set ist es Beni der mit den Schauspielern agiert und spricht und Rainer ist beim Kameramann. Rainer ist das Auge und Beni ist der Kopf und das Herz sind beide, eigentlich ein Doppelherz.

Wie wird es bei euch weitergehen – stehen noch andere Projekte an?

Wir arbeiten zurzeit am Drehbuch für den Spielfilm und sind auf der Suche nach dem perfekten Produzenten, das hat für Reggie Pak absolute Priorität.

Die Fragen stellte Doreen Matthei

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Early Birds

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