„Keeping and Saving – Or How to live“ (2018)

Filmkritik: Von einem persönlichen Standpunkt heraus nähert sich die niederländische Filmemacherin mit ihrem Dokumentarfilm „Keeping and Saving – Or How to Live“ (OT: „Bewaren – of Hoe te Leven“, Niederlande, 2018) dem Thema des Sammelns an und erforscht, was dahinter steckt oder ob man ohne Dinge vielleicht besser leben kann.

Zusammen mit ihrer 92 Jahre alten Mutter entdeckt die Regisseurin Digna Sinke Gegenstände aus der Kindheit und der eigenen Vergangenheit wieder. Dabei überrascht sie die Mutter mit Fundstücken und man beschäftigt sich mit der Kraft der Erinnerung. Aus diesem expliziten Beispiel heraus startet sie in einen Diskurs übers Sammeln und wie unsere Erinnerungen damit verbunden sind. Dafür sucht sie andere Menschen mit einer Sammelleidenschaft auf. Um einen anderen Lebensweg kennenzulernen, trifft sie sich auch mit digitalen Nomaden, welche außer einer handvoll Gegenstände, vor allem Smartphone und Laptop, nicht viel mehr brauchen. Sie sind dabei ohne Ballast auf der ganzen Welt zu Hause. Welche Art zu leben die Richtige ist, damit konfrontiert sich die 69-jährige Filmemacherin, welche selbst all die Jahre gerne gesammelt hat, nicht nur sich selbst, sondern auch die Zuschauer.

Truida Sinke mit Abakus
© Digna Sinke

Die erfahrene Dokumentarfilmerin Dgna Sinke (*1949) startet ganz persönlich und offenbart der Kamera Gegenstände, die für den objektiven Betrachter antiquiert und ohne Wert sind. Doch indem sie ihre Mutter dabei beobachtet, wie diese auf die Gegenstände reagiert, erkennt man, dass Erinnern selten ohne etwas Greifbares funktioniert. Erinnerungen und Sammeln gehen Hand in Hand, beispielsweise in der einfachsten Form von Bildern. Das Gedächtnis wird durch das Haptische angeregt. Doch gibt es ein Zuviel? Wann schlägt eine Sammelleidenschaft ins Messi-Dasein um? Ist es notwendig, sich an alles zu erinnern? Diese Fragen stellt die Filmemacherin wie nebenbei, während sie die Menschen mit derselben Leidenschaft interviewt. Die größte Stärke des Films ist der Perspektivenwechsel in der zweiten Hälfte. Die Interviews mit einigen digitalen Nomaden offenbaren eine andere Welt, die weit entfernt ist von vielen Lebensstilen, vor allem der älteren Generation. Trotzdem und natürlicherweise findet Digna Sinke keine Antwort auf die Frage, was das bessere Leben ist. Aber das will sie auch gar nicht. Neben der Beschäftigung mit der eigenen Vergangenheit geht es ihr darum, die Zuschauer anzuregen, über das Thema nachzudenken. Denn es spielt auch viel mit anderen Themen zusammen, wie Umweltbelastung und Generationsbewusstsein, indem wir bestimmen, was wir weitergeben an Erinnerungen. Nach diesem Film wird sich bestimmt jeder Zuschauer die Frage stellen, ob er das richtige Maß an Dingen besitzt oder auf wie vieles er verzichten könnte. Das ist die große Leistung des Films und dieser erreicht damit sein Zielpublikum. Er zeigt einen ernsthaften, sehr persönlichen Zugang zu dem Thema, ganz anders als der Mainstream-Film „100 Dinge“ von Florian David Fitz, der sich mit einem ähnlichen Thema beschäftigt, aber die Menschen vor allem als unterhaltsamer Spielfilm erreicht.  

Tomas Lau
© Digna Sinke

Fazit: Der niederländische Dokumentarfilm „Keeping and Saving – Or How to Live“ erzählt auf leichtfüßige Art und Weise und aus einem sehr persönlichen Standpunkt heraus vom Wert des Sammelns. Dafür trifft sich die Regisseurin Digna Sinke nicht nur mit ihrer eigenen Mutter und anderen Sammlern, sondern auch mit digitalen Nomaden, welche auf diesen Ballast verzichten. So geht sie der Frage des Erinnerns, des richtigen Lebens und inwiefern Dinge dafür notwendig sind auf ganz charmante Weise nach.  

Bewertung: 8/10

DVD-Start: schon erschienen

Trailer zum Film „Keeping & Saving – Or How to Live“

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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