„Spanisch für Anfängerinnen“ (Comödie Dresden)

Sommertheater der Comödie Dresden im Hotel Elbflorenz / Termine: bis 31.08.2019 jeweils Mittwoch – Samstag um 20 Uhr / Eintritt: ab 17€

© Volker Beinhorn

Theaterkritik: Seit nun bereits 5 Jahren lädt die Comödie Dresden ihre Gäste zum Sommertheater in den Innenhof des benachbarten Hotel Elbflorenz ein. Zu Beginn waren 4 Herren auf dem Jacobsweg unterwegs, danach wehte eine scharfe Brise um die Rettungsschwimmer vom Tittisee, bevor 2017 dann die 90er in „Eis Eis Baby“ wiederbelebt wurden. Und nachdem im letzten Jahr nun die Alpen glühten, geht es dieses Mal nach Spanien, wo zwei Süd-Europäer nun versuchen ihren Zuschauern Spanisch beizubringen.

„Spanisch für Anfängerinnen“, heißt der neueste Streich unterm freien Himmel und wer öfters in die Comödie geht wird sich zu Beginn eventuell ein wenig wundern. Denn anders als sonst, handelt es sich bei diesem Stück nicht um ein richtiges Theaterstück, sondern eher um ein Kammerspiel, in dem es durchgehend nur zwei Darsteller gibt und auch keine bemerkenswerte Handlung. Grob umrissen geht es um den etwas eingebildeten Klischee-Spanier José und seinen etwas tumben Kompagnon Manolo. José bringt in 10 unterschiedlichen Lektionen seinem Publikum, also uns, Spanisch bei. Bzw. nicht nur die Sprache, sondern auch die Lebensart des Spaniers, wie es darum geht das andere Geschlecht zu verführen etc. Und weil es auf Dauer wohl etwas eintönig wäre, dies alles nur in Worten vorzutragen, werden auch bekannte spanische Songs wie „Vamos a la Playa“, „Bailando“ oder gar „Der Ketchup Song“ zu Hilfe genommen, die dann von Manolo eingespielt werden. Selbst ein bisschen „Felize Navidad“ darf dabei nicht fehlen.

© Tom Kohler

Wie gesagt, wer ein richtiges Theaterstück mit durchgehender Geschichte und Spannung erwartet, der dürfte eher enttäuscht sein. Hier geht es einfach um die spanische Lebensmentalität in all ihren Facetten, die durch einen abwechslungsreichen, teils äußerst schrägen und eben auch sehr musikalischen Vortrag, auf das Publikum übertragen wird. Vor einer einfachen aber stilsicheren Kulisse testet José sein Publikum zudem immer wieder, in dem er es mitsingen lässt oder ihm absurde Fragen stellt. Und gerade die Frauen haben es dabei nicht immer leicht, wenn der kurzsichtige Spanier beispielsweise an einer Stelle immer wieder der Meinung ist, seine Traumfrau entdeckt zu haben, von nahem dann aber erkennt, dass dem wohl nicht so ist. Und den Herren der Schöpfung gibt er dabei Tipps, wie man sich als Mann gegenüber einer Frau zu verhalten hat, z. B. hat man als Mann immer die Rechnung zu bezahlen, wenn man in einem Restaurant mit einer Dame gastiert.

© Tom Kohler

Und um noch einmal auf die Songs zurückzukommen. Diese wurden für das Stück nicht willkürlich ausgesucht, sondern jedes Lied passt inhaltlich an die besagte Stelle bzw. zu der besagten Lektion, ähnlich, wie es bei Juke-Box Musicals á la „Mamma Mia“ der Fall ist. Dabei geht José aber auch nicht selten auf so manche Absurdität ein. Z.B. dass der Song „Vamos a la Playa“ in Wirklichkeit einen sehr ernsten Inhalt um Umweltverschmutzung und die Folgen eines Atomkrieges inne hat, aber durch die Popmusik zum Dance-Hit wurde. Oder auch darauf, dass es die Spanier manchmal nicht so sehr mit der Grammatik haben oder dass die italienische Sprache sehr gerne mit der spanischen Sprache verwechselt wird, da die Italiener eigentlich überall nur ein „e“ hinten dran setzen. („lieben“ auf Spanisch „Amor“, auf Italienisch „Amore“)

© Tom Kohler

Gespielt werden die beiden Figuren übrigens nicht von echten Spaniern, sondern von dem deutschen Darsteller Boris Rosenberger und Apostolos Naumis, dessen Name schon verrät, dass er in Griechenland geboren ist. Das ergibt dann bei Rosenberger auch durchgehend einen etwas übertriebenen spanischen Akzent, mit dem er seine Lektionen hervorbringt. Doch da es sich ja um ein komisches Stück handelt, ist dies natürlich so gewollt und kann verziehen werden. Naumis hat dagegen kaum etwas zu sagen, er schmettert eher einen spanischen Song nach dem anderen herunter, die jedoch, zumindest für das deutsche Ohr, allesamt sehr sauber klingen.

Fazit: Insgesamt ist „Spanisch für Anfängerinnen“ somit ein durchaus lustiges, wenn auch im Endeffekt sicher nicht sonderlich lehrreiches Stück über die Mentalität und die Macken der Spanier, das sich aber zu keinem Moment boshaft lustig über die Landsmänner macht, sondern sie allenfalls liebevoll karikiert und beim Vergleich mit der deutschen Mentalität dann auch zeigt, wie vor allem der spanische Mann dem hiesigen Gegenstück überlegen ist. Launig vorgetragen und mit unterhaltsamen und pfiffigen Songs untermalt, kann man sich diesen 90-minütigen „Spanischkurs“ durchaus einmal zu Gemüte führen. Etwas spanische Lebensfreude hat man danach jedenfalls definitiv im Herzen.

Geschrieben von David Hilbert

Quelle:

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