Fünf Fragen an Simon Schneider

Interview: Im Gespräch mit Simon Schneider, dem Regisseur von „True“, erzählt uns mehr über seinen neuesten Kurzfilm „Wenn wir schon mal hier sind“, der u.a. das Landshuter Kurzfilmfestival mit eröffnet hat, wie sie ihre Idee für die Geschichte fanden und was ihnen bei der Umsetzung am Herzen lag. 

Wie kamst Du auf die Idee für den Hochschul-Kurzfilm „Wenn wir schon mal hier sind“?

Eugen Pirvu und Julia Beerhold

Ich wusste im vorhinein von der Hochschule, dass wir zwei Schauspieler haben und dieses Kapellen-Set und deswegen habe ich mich ein paar Tage mit meinem Autor Henry Streberg eingeschlossen und überlegt, was können wir auf diese Vorgaben maßschneidern. Ich glaube die Idee ist entstanden, weil ich ein paar Tage vorher von Kubrick „Eyes Wide Shut“ gesehen hatte und es dort diese okkulte Sexorgie gibt, die mich an unser Kapellensetting erinnerte. Und weil wir nicht wie Kubrick hunderte Statisten und Darsteller hatten, sondern nur diese zwei Schauspieler kam dann die Idee, was ist eigentlich, wenn nur diese zwei Leute dahin gehen und alle anderen wären nicht da. Das fanden wir irgendwie sehr sehr lustig. Und weil ich immer das Komödiengenre ausprobieren wollte, kamen da diese beiden Sachen zusammen und so ist diese Idee entstanden.

Gab es Recherchen in der BDSM-Szene vor der Entstehung des Films?

Eugen Pirvu und Julia Beerhold

Ja, wir haben recherchiert und auch jeder aus unserem Team hatte ganz unterschiedliche Erfahrungen mit BDSM und gleichzeitig habe ich sehr schnell gemerkt, dass es gar nicht so sehr um die wirkliche Abbildung der tatsächlichen BDSM-Szene geht, sondern vielmehr um das Bild von BDSM, was wir alle im Kopf haben und das wir alle haben, was wir glauben zu denken, was BDSM sei. Weil wir genau dieses Bild, was wir haben, benutzen wollten, um es zu brechen. Und deswegen haben wir uns ganz viel damit beschäftigt, was wir glauben, was BDSM ist und wie das auch immer dargestellt wird – also, was für eine Ästhetik man im Kopf hat. Das wollten wir versuchen zu übertragen.

Faszinierend finde ich das Setting – sehr liebevoll gestaltet – und dass, wie ich das verstanden habe, mehrere Filmemacher an einem Set mit den gleichen zwei Darstellern gearbeitet haben. Kannst Du mir mehr zum dahinterstehenden Hochschulprojekt erzählen? 

Julia Beerhold, Eugen Pirvu
Photo by Tim Egner – © Tim Egner

Dieser Film ist im Rahmen des zweiten Semesters an der Internationalen Filmschule Köln entstanden. Da gibt es eine große Studio-Übung wo man unter Studiobedingungen lernt im Team einen Film herzustellen. Da wird man zusammengewürfelt zwischen den Departments, das heißt, jeder Regisseur wird mit einem Autoren, einem Kameramann, einer Kamerafrau, einem Produzenten, einer Produzentin zusammengemischt und dann wird überlegt, was man an den beiden Drehtagen in diesem Studio, was unsere Szenenbildner gebaut haben, das Kapellen-Set, damit machen kann. 

Wie lange hattet ihr Zeit für die Realisation des Projekts?

Für die Vorbereitung hatten wir zwei Wochen Zeit. Wie gesagt, wir hatten zwei Drehtage pro Team. In diesem Rahmen sind zehn Filme entstanden und wir haben uns alle gegenseitig ausgeholfen. 

Die Dialoge wirken sehr lebensnah und tragen viel zum Humor des Films bei. Gab es die Möglichkeit zur Improvisation oder stammen alle Sätze von Dir und Henry Streberg?

Fabian Herzig
Photo by Tim Egner – © Tim Egner

Alles was man erstmal im Film hört ist erstmal so geschrieben und auch so gedreht, da war ich glaube ich auch sehr penibel. Bis auf eine Stelle, und zwar die Endszene, dieses Gespräch im Auto, was über dem Abspann liegt. Da wussten wir schon im Vorhinein, dass wir das improvisieren lassen wollen. Da haben wir nur die ersten zwei, drei Dialogzeilen geschrieben, um dann die Schauspieler loszuschicken und haben am Ende des zweiten Drehtages eine vielleicht zehnminütige Improvisation mit Julia und Eugen gemacht. Und die Gags die dort entstehen, z.B. das mit der Volleyballgruppe, das sind alles Sachen, die aus der Feder der Schauspieler stammen. Das war im Nachhinein auch sehr sehr gut. Sie hatten ja den Film gedreht und am Ende konnten sie diese Grundspannung, die im Setting ihrer Figuren liegt, einfach abfeuern. Das hat sehr viel Spaß gemacht und das haben wir im Schnitt dann auf die 1:30 runtergedampft. Im Nachhinein hatte ich auch so ein bißchen das Gefühl, das ist so ein Film, der für seinen Abspann gemacht ist, denn dort löst er diese Dynamik ein, die wir vorher so lang aufgebaut haben.

Kannst Du mir noch ein bisschen mehr zu Dir erzählen? Du studierst Regie an der Internationalen Filmschule Köln. Hast Du schon ein Genre gefunden, was Dich am meisten begeistert? Dein erster Kurzfilm „True“ ging ja in eine ganz andere Richtung.

Simon Schneider beim Landshuter Kurzfilmfestival 2019

Ja mein erster Kurzfilm war eher ein Versuch am Thriller-Genre, am Hacker-Film. Dieser Film war jetzt mehr ein Versuch an der Komödie. Grundsätzlich habe ich aber noch kein Genre gefunden. Ich mag die Komödie sehr, ich mag aber auch die anderen Genre sehr gerne und ich kann da garnicht sagen, was ich jetzt mein Leben lang machen möchte. Ich bin gerade grundsätzlich, und das ist ja das Tolle an einer Filmschule, dabei auszuprobieren und zu suchen, was ich machen möchte. Meistens arbeite ich daran, was mich thematisch gerade am meisten interessiert. Beispielsweise habe ich vor kurzen meinen 5.-Semesterfilm abgedreht mit Odine Johne. Da ging es um eine Astronautin, die nach dem Besuch auf dem Mond wieder auf der Erde landet. Es geht um ihre Erfahrungen und wie sie die Welt plötzlich neu sieht. Also ein ganz ruhiger Film, sehr atmosphärisch. Ich könnte da zum Beispiel gar keinen Genrebegriff zuordnen.

Grundsätzlich, ich bin 23 Jahre alt und noch sehr am Herumprobieren und Suchen und das mache ich auch nicht nur im Film. Drei Sachen versuche ich parallel zu machen: Das eine ist mein Filmstudium. Da probiere ich mich im Film aus. Das andere ist im Fernsehen. Ich arbeite zum Beispiel im Kinderkanal, wo ich moderiere und auch Autor bin. Da probiere ich mich sozusagen im Fernsehen aus. Und in Köln spiele ich noch sehr viel Improvisationstheater. Dort probiere ich mich sozusagen im Theater aus. All diese drei Sachen versuche ich parallel zu machen und wo mich das hinführt, das kann ich überhaupt nicht abschätzen und bin da selber noch sehr gespannt.

Die Fragen stellte Doreen Matthei

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Wenn wir schon mal hier sind“ 

 

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