„Zwingli – Der Reformator“ (2019)

Filmkritik: Der schweizer Film „Zwingli – Der Reformator“ (OT: „Zwingli“, Schweiz, 2019) beschäftigt sich passend zum Jubiläum der Reformation mit dem Thema, denn vor über 500 Jahren schlug Martin Luther am 31. Oktober 1517 die 95 Thesen an die Wittenberger Kirchentür und löste eine Umwälzung unerwarteten Ausmaße aus. In der Schweiz hat vor allem Huldrych Zwingli diese vorangetrieben. Wie genau, das umreißt nun der Film „Zwingli – Der Reformator“ aus der Hand von Stefan Haupt und spannt dabei einen Bogen über 12 Jahre. 

Im Jahr 1519 kommt der gerade von frisch von der Universität entlassene Huldrych Zwingli nach Zürich, um sein Amt am Großmünster anzutreten. Gleich bei seiner Ankunft wird klar, dass er jemand ist, der neue Idee einbringen will und damit das Gegebene in seinen Grundfesten erschüttern wird. Doch bevor er richtig beginnen kann, sucht die Pest die Stadt heim und auch er selbst erkrankt daran. Er überlebt es und setzt danach unbeirrt die Reformations-Bewegung, die mit Martin Luther in Deutschland begonnen hat, fort. Dafür findet er viele Mitstreiter vor allem sein ehemaliger Studienkollege Leo Jud (Anatole Taubman) und der Zürcher Bürgermeister Röist (Stefan Kurt) stehen hinter him. Natürlich bleibt dies nicht ohne Widerstand der katholischen Kirche, so dass es 1531 in einer blutigen Auseinandersetzung mündet.

Maximilian Simonischek

Überall in Deutschland regte es sich zu diesem Jubiläum in den verschiedenen Kulturszenen. Es gab viele Veranstaltungen, Ausstellungen o.ä. die sich mit Martin Luther und der mit ihm einhergehenden Reformation beschäftigen. Aus der Schweiz kommt nun ein Beitrag zu einem anderen großen Mann der Reformation: Huldrych Zwingli, geboren 1484 in Wildhaus, Schweiz, war der Luther der Schweiz und brachte, beginnend mit Zürich, die Vormachtstellung der katholischen Kirche in dem Land zum Schwanken. Dadurch ist er ein wichtiger Teil der schweizerischen Geschichte, während man in Deutschland möglicherweise wenig mit seiner Person, aber vor allem mit seinen Taten anfangen kann. Gut, dass nun der Regisseur Stefan Haupt (*1961) und die Drehbuchschreiberin Simone Schmid in der sechs Millionen Franken teuren schweizer Großproduktion des Leben des bedeutenden Reformators zum Besten geben. Sie beginnen direkt nach seinem Studium und erzählen seine Geschichte mit einigen Sprüngen bis zu seinem Tod. Dabei geben sie in den 128 Filmminuten die wichtigsten Stationen und Ereignisse aus seinem Leben wieder. Es wird munter das wiedergegeben, was von ihm überliefert wurde und das teils wortwörtlich. Auch das Private wird thematisiert – denn er setzte sich gegen das Zölibat ein und war mit Anna Reinhart, hier gespielt von Sarah Sophia Meyer, verheiratet. All das wird chronologisch abgearbeitet und ist mit Sicherheit für jeden Nicht-Schweizer eine lehrreiche Geschichtsstunde. Trotzdem fehlt es dem Film an Kraft. Zu zähflüssig und träge kommt er öfters daher. Zudem stört die Vielzahl der Protagonisten, die teilweise schwer zuzuordnen sind, und damit den Betrachter überfordern. Dadurch kommt kein richtiger Erzählfluss auf. Auch die Zeitsprünge sind schwer greifbar und so entsteht ein Gefühl von Länge und es bleibt daher leider nur ein standardisiertes Historiendrama, das sich ganz nah an der Quellenlage befindet und so dem Publikum einen Geschichtsunterricht verpasst.

Sarah Sophia Meyer

Der Umsetzung des Films sieht man, vor allem wenn man anderes gewohnt ist, auch die bescheidenen finanziellen Mittel an. Gefühlt spielt die Geschichte an wenigen verschiedenen Orten vor allem die Außenaufnahmen scheinen sich beinahe nur auf eine Gasse zu beschränken, die einen in die Vergangenheit geleiten soll. Doch es wirkt alles, auch bei der Kostümierung und Ausstattung, etwas zu theaterhaft und künstlich. So kommt beim besten Willen kein wirkliches Gefühl für die vergangene Zeit auf und der Film erinnert an historisierende Fernsehspiele. Doch glücklicherweise trifft das nicht auf die Riege der Schauspieler zu. Auch wenn nicht jede Rolle glücklich besetzt ist – hier und da ist das Spiel zu träge oder hölzern, sind vor allem die Hauptrollen mit Max Simonischek (Sohn des „Toni Erdmann“-Darsteller Peter Simonischek) als Zwingli und sein Gefährte Leo Jud, gespielt von Anatole Taubman (gesehen in vielen Produktionen u.a. auch in „Lost Place“ (2013)) gut ausgewählt. Sie geben ihren Figuren so viel Authentizität wie möglich und schaffen ein Gefühl für diesen scheinbar unmöglichen Kampf. Sie machen Theologie menschlich und spürbar. Im Gesamten ist der schweizer Spielfilm „Zwingli – Der Reformator“ eine informative Geschichtsstunde, der es aber etwas an inhaltlicher Spannung mangelt. Durch ein schmales Budget kann er auch nicht optisch überzeugen, macht es aber durch das souveräne Spiel der Darsteller wieder wett.

Maximilian Simonischek

Fazit: „Zwingli – Der Reformator“ erscheint passend zum 500-jährigen Jubiläum der Reformation. Als kleine Geschichtsstunde umreißt der Film in 128 Minuten die wichtigsten Lebensabschnitte des schweizer Theologen Huldrych Zwingli und macht durch sein gutes Ensemble die Mühen seines Kampfes spürbar. Leider überzeugt er in der Umsetzung nicht besonders und besitzt inhaltlich zu wenig Sogpotential, so dass ein starkes Gefühl von Länge entsteht und der Zuschauer nicht vollends gefesselt wird, auch wenn die Geschichte hier in Deutschland wenig bekannt sein sollte.

Bewertung: 6/10

Kinostart: 30. Oktober 2019 / DVD-Start: unbekannt

Trailer zum Film „Zwingli – Der Reformator“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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