„Book – Paper- Scissors“ (2019)

Filmkritik: Der Dokumentarfilm „Book – Paper – Scissors“ (OT: „つつんで、ひらいて“, Japan, 2019) der Regisseurin Hirose Nanako, der auf dem 62. DOK Leipzig seine Europapremiere feierte, erzählt von der Arbeit des Buchdesigners Nobuyoshi Kikuchi, die eine eigene künstlerische Qualität besitzt, und gleichzeitig zeigt es die Liebe zum Buchhandwerk.

Der 75-jährige Nobuyoshi Kikuchi ist eine der führenden Größen des japanischen Buchdesigns. Für über 15.000 Bücher hat er das Umschlaglayout entworfen. Mit Millimeterpapier, Lineal und ausgedruckten Kanji, den japanischen Schriftzeichen, sowie Klebeband fertigte er alle per Hand an und gab damit jedem Buch sein individuelles Design. Viele große Namen vertrauten ihm die Gestaltung an. Bekannt für seine minimalistische Ästhetik stimmt bei seinen Büchern vom Buchrücken bis zum Leseband alles.

Die Regisseurin Hirose Nanako (*1987) kam über den Beruf ihres verstorbenen Vaters, der ebenfalls Buchdesigner war, auf den Künstler Nobuyoshi Kikuchi, der mittlerweile seit mehreren Jahrzehnten Büchern ihr Aussehen verleiht. Drei Jahre verbrachte die junge Regisseurin, die sich auch selbst nicht vor der Kamera scheut, Zeit mit ihm und lernte nicht nur seine Arbeit kennen, sondern auch den Menschen dahinter, der selbst bekundet, dass er sich mit der Zeit immer leerer fühlt. Ihren Film strukturiert sie wie seine Arbeit selbst in sieben Kapiteln u.a. „Text“, „Beschränkung“ und „Aufträge“. Dabei beobachtet sie ihn bei seiner akkuraten Handarbeit, interviewt ihn und unterhält sich auch mit anderen Verlegern, Wegbegleitern und Bewundern von Kikuchi. Das alles fängt sie in einem klassischen Dokumentarstil ein, dem man es ansieht, dass beim Drehen eine intime Atmosphäre herrschte. Der Film ist dabei wunderbar durch die Kapiteln gegliedert, welche immer damit beginnen, von ihm designte Bücher zu zeigen, und die mit einer lockeren Jazz-Musik unterlegt sind. Der Einsatz der Musik betont die Schönheit der Kunst und dass es hier wahrlich nicht um ein angestaubtes, langweiliges Thema geht. Die Liebe zum Objekt wird deutlich und weckt das Interesse beim Zuschauer für ein Kunsthandwerk, das eher unentdeckt bleibt und vermutlich nur in Japan, dank der Kanji, zu solch einer Blüte gelangen konnte. So kann man sich freuen, dass Nobuyoshi Kikuchi nach anfänglichem Zögern in dieses Projekt eingewilligt hat, denn es offenbart im Gesamten die Schönheit von Büchern, deren Design und die Handwerkskunst selbst und ist so ein wunderbares Statement in einem digitalen Zeitalter. 

Fazit: Dank des japanischen Dokumentarfilms „Book – Paper – Scissors“ lernt der Zuschauer den japanischen Buchdesigner Nobuyoshi Kikuchi kennen. Der nunmehr 75-jährige hat vielen Büchern ihr Aussehen gegeben. Die Regisseurin Nanako Hirose fängt seine Leben, sein Arbeit und deren Auswirkungen ein, lässt dabei den Zuschauer ein Handwerk neu entdecken und berührt mit einem fast intimen Portrait.

Bewertung: 7/10

Trailer zum Kurzfilm „Book – Paper- Scissors“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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