„Robot Dreams“ (2023)

Doreen Kaltenecker
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Filmkritik: Der spanische Animationsfilm „Robot Dreams“ (OT: „Robot Dreams“, Spanien, 2023) von Pablo Berger, der seine Deutschlandpremiere auf dem 30. Internationales Filmfest Oldenburg 2023 feierte, für einen Oscar nominiert war und jetzt in die Kinos kommt, erzählt eine Geschichte von Freundschaft und dem Gefühl der Einsamkeit und findet dafür die perfekten und warmherzigen Bilder, so dass es keiner Worte bedarf.

In den Häuserschluchten von New York sehnt sich ein Hund nach Gesellschaft. Als er im Fernsehen Werbung für einen Roboter-Freund sieht, beschließt er kurzerhand diesen zu bestellen. Nachdem der Roboter geliefert wurde, verändert sich sein Leben und die beiden lernen die schönen Seiten der Freundschaft kennen. Bei einem Strandausflug kommt es aber zu einem technischen Defekt, so dass die beiden erst einmal getrennte Wege gehen müssen.

Der spanische Regisseur Pablo Berger, der bisher Spielfilme wie „Blancanieves – Ein Märchen von Schwarz und Weiss“ (2012) realisiert hat, entführt uns ins New York der 80er Jahre. Basierend auf der gleichnamigen Graphic Novel (2016) von Sara Varon erzählt der 102-minütige Film, für den Berger auch das Drehbuch geschrieben hat, eine Geschichte über Einsamkeit und die Kraft und Wichtigkeit von Freundschaft. In einer Abfolge von Szenen wird mit viel guter Laune die Freundschaft der beiden eingefangen. Hinzu kommen Momente, bei denen der Roboter die Welt und das Leben erstmals kennenlernt. Solche Szenen sind per se witzig und so auch hier. Sehr schnell wächst einem die Freundschaft ans Herz und umso mehr schmerzt es, als die beiden sich trennen müssen. Der Film nimmt einen danach auf eine emotionale, warmherzige Achterbahnfahrt mit, in der man nicht nur ein Tränchen verdrückt. Lange nicht mehr hat man so einen gefühlvollen und wunderschönen Film in den Kinos gesehen. Hinzu kommt mal eine wohltuend positive Auseinandersetzung mit KI, wie man sie bereits bei „Robot & Frank“ (2012) von Peter Vogel gesehen hat. Gerade in Zeiten von vielen KI-Horrorfilmen a la „M3GAN“ (2022) und der realen Bedrohung des Arbeitsmarkts für Schauspieler:innen und Drehbuchautor:innen, ist es trotzdem mal schön die Technik nicht verteufelt, sondern wirklich als Hilfe zu sehen. 

Natürlich geht das Hand in Hand mit den gelungenen Animationen. Diese orientieren sich dabei an der Graphic-Novel-Vorlage, finden aber trotzdem einen eigenen Stil, der an frühere Comicserien erinnert. Dabei ist diese tierische Welt – Menschen gibt es hier nicht – bereichert mit vielen skurrilen oder auch einfach entzückenden Charakteren (man denke an die Bade-Schweine) und wird mit vielen Details zum Leben erweckt. Das damalige New York mit all seinem Charme fängt der Film in seinen 2D-Animationen sehr lebendig ein. Zudem schaffen es Berger und sein Animationsteam, die Bandbreite aller Gefühle auf den Gesichtern der Figuren wunderbar zu transportieren. Hinzu kommt ein gelungener musikalischer Einsatz. Dadurch, dass die Figuren nie sprechen, kommt den Songs eine wichtige Rolle zu. Der Earth, Wind and Fire Song „September“ ist der Herzschlag der Freundschaft der beiden Protagonisten und der Roboter summt ihn in seinen Träumen, wenn er sich nach dem Hund sehnt. So fügt sich bei diesem Animationsfilm einfach alles zusammen und man kann sich als Zuschauer:in der herzergreifenden Geschichte nicht erwehren und will das auch gar nicht. Der Film hatte seine Weltpremiere auf den 76. Cannes Filmfestspielen und kommt nun, nach einer Oscarnominierung als ‚Bester Animationsfilm‘, endlich in die deutschen Kinos.

Fazit: „Robot Dreams“ ist ein Animationsfilm von Pablo Berger. Er erzählt in 102 Spielminuten vom Wert der Freundschaft, den 80er-Jahren in New York und macht das Gefühl von Verlust und Einsamkeit deutlich. All das ist mit viel Liebe und Details in die wunderschöne Animationen verpackt und nimmt auch ohne Worte, dafür mit großartiger Musik, das Publikum mit. Eine absolute Empfehlung!

Bewertung: 9,5/10

Kinostart: 9. Mai 2024

Trailer zum Film „Robot Dreams“:

geschrieben von Doreen Kaltenecker

Quellen:

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