„Bleistiftstriche“ (2026)

Doreen Kaltenecker

Filmkritik: Der 36-minütige „Bleistiftstriche“, der seine Weltpremiere auf dem 47. Filmfestival Max Ophüls Preis 2026 feierte und den Preis für den besten Schauspielnachwuchs für Emilia Warenski erhielt, ist die Geschichte einer ersten Liebe und wie Sprache manchmal keine Rolle spielt.

Im Sommer ist Cora (Emilia Warenski) bei ihrem Großvater (Rainer Wöss) in der Urlaubspension und hilft dort aus. Sie hat die meiste Zeit wenig zu tun und hängt am Pool ab. Eines Tages checkt die Französin Emma (Esther Gaspart Michels) ein und Cora ist sofort hin und weg, nur mit der Verständigung ist es noch etwas schwierig.

Emilia Warenski und Esther Gaspart Michel

Nach einem eigenen Drehbuch erzählt die Regisseurin Alice Prosser in ihrem ersten Film von einer intensiven, vermutlich ersten Liebe und auch davon, dass solche Beziehungen manchmal nicht die Zeit überdauern. Im Zentrum dieser Coming-of-Age-Geschichte steht Cora, die etwas ziel- und orientierungslos scheint. Doch das gehört zu einem entspannten Jugend-Sommer auch dazu. Als sie Emma begegnet, richtet sich ihr ganzer Fokus auf sie. Wie geht sie selbst mit diesen neuen Gefühlen um, welche sie jetzt empfindet? Wie kann man sich annähern und auch über eine Sprachbarriere hinweg miteinander verständigen? Wunderbar inszeniert Prosser die Schwere eines heißen Sommers und die Leichtigkeit einer frischen Liebe. Das Spiel der beiden Hauptdarstellerinnen Emilia Warenski und Esther Gaspart Michels transportiert so viel mit ihren Blicken und ihren zaghaften Gesten. Sofort kann man sich in die eigene Jugend zurückversetzen, spürt das Kribbeln auf der Haut und die Unsicherheiten solcher Begegnungen. Auch ist es schön, dass hier eine queere Liebe im Zentrum steht, die aber auf erzählerischer Ebene keine Rolle spielt und es einfach ebenso normal ist, wie es sein sollte. Das junge Kino braucht genau solche Stoffe, um romantische Komödien abseits der heteronormativen Sehgewohnheiten zu erzählen.

Fazit: „Bleistiftstriche“ ist ein 36-minütiger Kurzfilm von Alice Prosser, welcher mit einem schönen Sommergefühl eine queere Liebes- und Coming-of-Age-Geschichte erzählt. Großartig besetzt und einfühlsam inszeniert, zieht der Film in seinen Bann und versetzt bestimmt viele in die eigene Jugend zurück. 

Bewertung: 3,5/5

geschrieben von Doreen Kaltenecker

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