Sechs Fragen an Bianca Scali

Interview: Im Gespräch mit der in Frankreich geborenen Filmemacherin Bianca Scali, die an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg studiert, erfuhren wir mehr über ihren Animations-Kurzfilm „Ma Geôle“, gesehen auf den 30. Bamberger Kurzfilmtagen, was ihr bei der Umsetzung am Herzen lag und was analoge Fotografie damit zu tun hat.

Wie ist Dein Kurzfilm „Ma Geôle“ entstanden. Ist er ein Uni-Projekt? Wie kam Dir die Idee dazu?

Ma Geôle“ habe ich in meinem zweiten Studienjahr gemacht. Ich zeichne jeden Tag und hatte bemerkt, dass mich das Thema Körper seit Monaten beschäftigt hat. Ich hatte viele Gedanken, über meinen eigenen Körper, da es mir nicht so gut ging, und wollte mich durch den Film damit beschäftigen und besser verstehen, was ich in der Zeit gefühlt habe. 

Zur visuellen Umsetzung – erzähl mir mehr zu Deinem Animationsstil. Und warum Du Dich für Schwarz-Weiß entschieden hast.

Ich wollte durch das Projekt den ganzen Prozess der Analog-Fotografie lernen. Fotografie ist eigentlich ein Hobby, aber auch ein Weg für mich Recherche zu betreiben. Ich hatte schon immer analog fotografiert, aber noch nie selbst entwickelt und selbst ausbelichtet. Und das Projekt hat perfekt gepasst. Ich liebe schwarz-weiß und die Entwicklung und der Ausbelichtungs-Prozess ist viel einfacher mit schwarz-weiß-Film als mit Farbe. Ich glaube auch, dass es ganz anders wirken würde, wenn der Film in Farbe wäre. Jetzt ist die Welt eine Mischung zwischen Steinen und Körpern, und die Hautfarbe würde zu viel erzählen. 

Zum Animationsstil: ich fand, dass eine simple Linie zu der Welt am besten gepasst hat. Das Kind ist durchsichtig und Teil der Welt. Es sieht süß aus, aber nicht cartoony oder zu realistisch.

Du fängst das Wesen des Kindes mit seiner Freude und Ängsten wunderbar ein – stand das für Dich im Zentrum der Geschichte?

Vielen Dank! Es freut mich das es gut rüberkommt. Ich wollte unbedingt, dass der Hauptcharakter ein Kind ist. Wenn es eine Frau oder ein Mann wäre, würde man ganze andere Sachen darein interpretieren. Aber wir waren alle Kinder, und können dadurch vielleicht uns mehr darin sehen. Die Emotionen stehen im Zentrum der Geschichte. Mir geht es um die Beziehung zwischen jemanden und dem eigenen Körper und alles was man da spürt. 

Kannst Du mir mehr zur Vertonung erzählen?

Jonathan Linnenberg hat alle Foleys, das Sound Design und auch die Mischung gemacht. Ich fand die Arbeit mit ihm super, und es ist Wahnsinn, wie er genau die passende Töne finden konnte. Was ich am meistens liebe sind die Schritte von dem Kind. 

Die Stimme ist die meiner Schwester! Ich bin für die Ferien zu meinem Vater gefahren und hatte ein Funkmikrofon dabei. Ich habe sie zwei/drei Stunden lang aufgenommen, während wir gespielt haben und spazieren gegangen sind. Sie hat sehr schnell das Mikrofon vergessen und hat wie alle sechs Jahre alten Kinder, alle Emotionen in einer Stunde erlebt. 

Danach habe ich die passende Töne selektiert und an Jonathan weitergegeben. 

Zum Schluss noch ein bisschen zu Dir. Wie hast Du die Liebe zum Film entdeckt?

Meine Liebe für Film kommt aus der Kunstecke. Ich habe immer gezeichnet und wusste sehr früh, dass ich was mit Zeichnung machen will. Ich bin auch mit allen Tex Averys [Anm. d. Red.: „Schweinchen Dick“, „Bugs Bunny“] und Ghibli Filmen [Anm. d. Red.: „Mein Nachbar Totoro“ (1988), „Chihiros Reise ins Zauberland“ (2001)] aufgewachsen. Irgendwann habe ich die Punkte verknüpft: Zeichnung, Geschichte, Bewegung.

Stehen neue Projekte in den Startlöchern?

Gerade arbeite ich an einem Zwei-Minuten-Kurzfilm, sollte Ende nächstes Jahr fertig sein! 

Die Fragen stellte Doreen Matthei

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Ma Geôle

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.