„The Dead Don’t Die“ (2019)

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Filmkritik: Jim Jarmusch, Regisseur von Filmen wie „Coffee and Cigarettes“ (2003) und „The Limits of Control“ (2009) macht mit  „The Dead Don’t Die“ eine Zombiekomödie und eröffnet damit die Filmfestspiele in Cannes 2019. Schon das allein klingt nach einer Sensation, ist doch der Regisseur dafür bekannt, dass er nicht besonders viel mit Action, Splatter und Blut anfangen kann. Aber andererseits hat er mit „Only Lovers left alive“ (2013) auch einen überzeugenden Genrefilm abgeliefert, so dass man gespannt sein kann, ob er auch dem Zombie-Genre etwas Neues hinzufügen kann. 

Im beschaulichen Centerville kennt jeder jeden und jeder, auch die seltsame Leichenbestatterin Zelda Winston (Tilda Swinton) sowie der White-People-Typ (Steve Buscemi), sind hier willkommen. Unter der Obacht der Cops Cliff Robertson (Bill Murray) und Ronnie Peterson (Adam Driver), geht ihr alles seinen Gang, bis zu dem Tag, als die Toten aufgrund des fatalen Polar-Frackings wieder auferstehen. Dabei haben sie nicht nur noch ein Hauch von sich selbst intus, sondern vor allem Lust auf Fleisch. Wie aber soll man diesen Massen von Untoten Herr werden. Vielleicht kann der Einsiedler Bob (Tom Waits) helfen, aber vermutlich wird es einfach kein gutes Ende nehmen. 

Danny Glover, Bill Murray und Adam Driver

Der amerikanische Filmregisseur und Drehbuchschreiber Jim Jarmusch (*1953) hat sich mit seinen Filmen schon oft in verschiedene Genres vorgewagt. „The Limits of Control“ handelte im Kern von einem Auftragskiller und „Only Lovers left alive“ von Vampiren. Jetzt also noch Zombies, die er selbst als wenig interessant erachtet. Doch in seinem neuesten Film, mittlerweile sein 16. Langfilm, benutzt er diese um auf die Verfehlungen der Menschen aufmerksam zu machen. Nicht nur auf das falsche Umweltbewusstsein, sondern auch die Süchte, welche die Menschen antreiben. So gehen seine Zombies ihren Lieblingstätigkeiten von damals nach und verlangen nach Wein oder dem Smartphone. Ganz in diesem Sinne, ist der Erzähler auch der Eremit, gespielt von Tom Waits, der die Ereignisse beäugt und vielleicht als einziger überleben kann. Denn schnell wird klar, richtig Interesse an seiner Zombie-Geschichte hat Jarmusch nicht. Eine Zeitlang führt er viele schrägen Figuren ein, die alle einem Stereotyp entsprechen und lässt sie dann sang- und klanglos und vor allem unmotiviert hops gehen. So geht der Zombiestreifen mit dem einen oder anderen witzigen Dialog (vor allem die Film-Referenzen von Adams Drivers Figur erheitern) ohne Spannung voran und nähert sich seinem unausweichlichen Ende, denn sofort wird klar, Centerville will und kann sich nicht verteidigen. Genre-Freunde werden hier nicht glücklich, aber auch Jim-Jarmusch-Fans könnte der Film zu platt geraten sein. So kann man ihn zwar als den lässigsten Zombiefilm der Filmgeschichte ansehen, aber eigentlich ist er vor allem eins: substanzlos.

Tilda Swinton

Dass er trotzdem unterhalten kann, liegt nicht nur an seiner hervorragenden, stereotypen Umsetzung samt Kleinstadtidyllen-Flair plus dem einen oder anderen amüsanten Einfall, sondern vor allem an der herausragenden Riege der Darsteller. Mit von der Partie sind Bill Murray, Tilda Swinton, Adam Driver („Gefühlt Mitte Zwanzig“ (2014), „Silence“ (2016), „Logan Lucky“ (2017)), Selena Gomez und ständige Wegbegleiter von Jarmusch wie Iggy Pop und Tom Waits („Ein Gauner und Gentleman“ (2018)). Diese Riege von Darstellern und wie sie ihren Figuren, die oft nah am Klischee sind, zum Leben erwecken, bereitet Freude. Im Gesamten zeigt Jarmusch vom Handwerklichen her, dass er auch eine Zombie-Komödie machen könnte, aber leider hat er zu wenig Interesse am Schicksal seiner Figuren und an Centerville, so dass man Spannung genauso wenig erwarten kann wie Tiefgang. Aber was war dann seine Absicht?

Steve Buscemi

Fazit: Wenn Jim Jarmusch einen Zombiefilm macht, musste er auf jeden Fall anders werden. Ein ernster Hintergrund, seine Stammriege an Darstellern und lakonischer Humor machen den Film zu einem typischen Jarmusch-Streifen und zu einem der unaufgeregtesten Zombiefilme der Geschichte. Aber leider merkt man dem Regisseur auch das Desinteresse an dem Genre an und so verläuft sich die Story, baut keine Spannung auf und es fehlt ihr allgemein etwas an Biss.

Bewertung: 5,5/10

DVD-Start: 24. Oktober 2019

Trailer zum Film „The Dead don’t die“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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