„Ein Gauner und Gentleman“ (2018)

Filmkritik: Der 1936 geborene Schauspieler und Regisseur Robert Redford, der seine Schauspieler-Karriere 1962 mit dem Film „Hinter feindlichen Linien“ startete, gab bekannt, im Alter von nun bereits 83 Jahren seine letzte Rolle in „Ein Gauner & Gentleman“ (OT: „The Old Man & the Gun“, USA, 2018) zu spielen. Der Regisseur David Lowery schuf den perfekten Film, um diesen Schauspieler nochmal in den Mittelpunkt zu setzen und gleichzeitig mit einer großen Hommage zu verabschieden.

Forrest Tucker (Robert Redford) kann es, obwohl er schon viele Male im Gefängnis war, einfach nicht lassen mit den Banküberfällen. Auch als er die wunderbare Jewel (Sissi Spacek) kennenlernt, wird er seinem Gauner-Leben nicht abtrünnig und überfällt ohne Waffen oder anderen Schnickschnack aber mit viel Höflichkeit und seinen zwei Kompagnons Teddy (Danny Glover) und Waller (Tom Waits) weiter Banken. Doch Detective John Hunt (Casey Affleck) kommt ihnen immer mehr auf die Fersen.

Sissy Spacek und Robert Redford
© Eric Zachanowich DCM

Die Geschichte ist wie für Robert Redford gemacht. Sie wirkt wie eine stimmige Quintessenz seiner Filme, in denen er mal ein vollendeter Gentleman war oder doch eben ein Schurke, aber stets mit dem gewissen Etwas. Filme wie „Barfuss im Park“ (1967), „Zwei Banditen“ (1969), „Die Unbestechlichen“ (1976), „Jenseits von Afrika“ (1985) und „Havanna“ (1990) trugen zu seinem Image bei und machten aus Robert Redford den Schauspieler, der er heute ist, der auch nicht davor zurückschreckte sich immer wieder neu zu erfinden mit Filmen wie „All is lost“ (2013) oder seinem Auftritt im Marvel-Film „Captain America: The Winter Soldier“ (2014). Doch der Stoff wurde nicht vom Regisseur und Drehbuchschreiber David Lowery (*1980, bekannt für „A Ghost Story“ (2017) und „Elliot, der Drache“ (2016)) extra für ihn geschrieben, sondern einer wahren Begebenheit nachempfunden. 2003 erschien im ‚New Yorker‘ ein Zeitungsartikel („The Old Man & the Gun“ von David Grann), der von dem Kriminellen und als Fluchtkünstler bezeichneten Amerikaner Forrest Tucker (1920-2004) handelt. Dieser verbrachte die meiste Zeit seines Lebens hinter Gittern: zum ersten Mal mit 15 und verstarb mit 83 Jahren ebenfalls im Gefängnis. Dazwischen ist er erstaunliche 18 Mal geflohen, u..a sogar von Alcatraz. Diese abenteuerliche Lebensgeschichte verwandelte Lowery in ein stimmiges Drehbuch. Mit viel Gelassenheit und Charme fängt er Forrest im Alter ein und reflektiert wie nebenbei sein Leben und das Leben an sich.

Casey Affleck
© Eric Zachanowich DCM

David Lowery, der sich mühelos in verschiedenen Genre bewegt, was der etwas störrische „A Ghost Story“ gerade im Vergleich mit dem anderen Filmen gut beweist, hat dabei die richtige Art der Inszenierung für diese Geschichte gefunden. Diese ist beschwingt, sonnig und unterscheidet sich so ganz von dem düsteren Vorgängerfilm. Doch gemeinsam haben die beiden nicht nur den Darsteller Casey Affleck (bekannt durch Filme wie „Gone Baby Gone“ (2007), „Interstellar“ (2014) oder „Triple 9“ (2015)), sondern auch ein entspanntes Erzähltempo, was aber für beide Filme angemessen ist. Lowerys Inszenierung und die stimmige Musikauswahl geben den Darstellern den richtigen Rahmen, um sich hier auszutoben. Auch wenn stellenweise nicht viel passiert, so sieht man den Protagonisten, u.a. den Musiker Tom Waits und Sissy Spacek („Carrie: Des Satans jüngste Tochter“ (1976)) in ihrer sympathischsten Rolle, einfach gerne zu und schließt sie ins Herz. Ein Rentnerfilm, der ganz unangestrengt vom Altern erzählt und zeigt, dass sich dabei gar nicht so viel sich ändern muss. So reiht sich der Film wunderbar in die Reihe von Filmen wie „Lucky“ (2017), der Harry Dean Stanton ein Denkmal setzt, und „The Mule“ (2019), der überraschend viel Altersmilde für einen Clint Eastwood-Film enthält, ein. Wenn Robert Redford seiner Aussage treu bleibt, ist das ein wunderbarer Abschluss seiner Schauspielkarriere. Dabei geht er nicht mit einem Effektgewitter, sondern mit Eleganz und einem charmanten Lächeln.

Sissy Spacek und Robert Redford
© Eric Zachanowich DCM

Fazit: David Lowery erzählt in „Ein Gauner & Gentleman“ die wahre Geschichte eines liebenswürdigen Kriminellen und schuf für den Darsteller Robert Redford den passendsten Film zum Ende seiner Schauspieler-Karriere, da man hier viel von seinen alten Rollen wiedererkennt. So ist der Film nicht nur eine beschwingte, leichtfüßige Alterskomödie, sondern auch eine zarte Hommage an das Werk Robert Redfords.

Bewertung: 7/10

Kinostart: 28. März 2019 / DVD-Start: 13. September 2019

Trailer zum Kurzfilm „Ein Gauner & Gentleman“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

Doreen Matthei

Doreen Matthei (*1984)

Studium der Kunstgeschichte - Schwerpunkt: Filmgeschichte
(Abschluss 2010 mit der Arbeit "Rembrandt im Spielfilm")
Nebenfächer: Philosophie und Alte Geschichte


- seit 2012: Filmkritikerin bei movieworlds (Kino, DVD, BD, Festivalberichte)

- seit 2015: Blog 'Testkammer' online

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.