Acht Fragen an Sydney Simeone

Interview: Im Gespräch mit der Regisseurin und Animationskünstlerin Sydney Simeone konnten wir mehr über ihren Animationsfilm „The Adventures of Blueman and Jungle Jim“ erfahren, der auf dem 28. ITFS 2021 zu sehen war. Warum sie sich dafür entschied den Mensch zu einem Haustier zu machen, was das aussagt über unseren Umgang mit Tieren und was ihr bei der visuellen Ausgestaltung am Herzen lag. 

The original english language interview is also available.

Wie kam es zur Idee für Deinen Animationsfilm?

Die Idee für den Film entstand, weil das Konzept dafür etwas ist, worüber ich seit Jahren nachdenke und immer noch ständig nachdenke, und das ist die Vorstellung vom Menschen als Tier aus der Perspektive eines höheren, intelligenteren Wesens. Ich denke, dass sich der Mensch im Großen und Ganzen nicht von anderen Tieren unterscheidet, und es macht mir Spaß, unser Verhalten durch diese Brille zu betrachten und zu sehen, wie komisch es von außen betrachtet aussehen muss. Ich muss auch sagen, dass der Film „Fantastic Planet“ eine große Inspiration für das Konzept war, in dem riesige Außerirdische auch Menschen als Haustiere halten, aber ich wollte eine etwas freundlichere Version davon machen, die von gegenseitigem Respekt zwischen dem Außerirdischen und dem Menschen geprägt ist. 

Dein Film ist ein großer Spaß, aber wenn man mag kann auch Kritik am Umgang mit (Haus-)Tieren daraus lesen – war das von Dir beabsichtigt?

Um ehrlich zu sein, hatte ich nicht die Absicht, etwas zu kritisieren! Es ist weniger eine Kritik als vielmehr eine Erkundung. Tiere haben schon immer einen großen Teil meines Lebens ausgemacht – ich betrachte mich als von Katzen aufgezogen. In den letzten Jahren habe ich auch in der Haustierpflege mit Hunden gearbeitet, und die Art und Weise, wie Hunde miteinander umgehen, hat mir viel darüber verraten, wie sich Menschen untereinander verhalten. Wir sind eigentlich gar nicht so verschieden, und wenn ich Tiere verstehe, beeinflusst das auch meine Einstellung zu Menschen.

In welchem Rahmen ist Dein Film entstanden?

Mein Film wurde als Abschlussarbeit in meinem letzten Jahr am College gedreht und war der Höhepunkt meiner Ausbildung. Ich schloss mein Studium mit einem BFA in Animation an der School of Visual Arts ab, und so verbrachte ich mein gesamtes letztes Jahr damit. Leider begann in der letzten Hälfte meines Jahres die COVID-19-Pandemie, so dass der Film in meinem Heimatstaat Texas in Quarantäne fertiggestellt wurde. In gewisser Weise ist es passend, dass ich während der Dreharbeiten zu dem Film zu dem kleinen Menschen wurde, der in einem Tank festsitzt. Na so was!

Kannst Du mir zu der Figurenentwicklung erzählen – was war Dir bei Blueman wichtig und hat Tarzan die Menschenoptik inspiriert?

Für Bluemans Charakter wollte ich, dass er die Verkörperung einer freundlichen Seele ist, die kleine Kreaturen liebt und ihnen einfach nur helfen will. Er meint es so gut, ist aber nicht gerade der Klügste, wenn es um die Art und Weise geht, wie er es tut, und so wie ich es in meinem Leben bei der Arbeit mit Tieren und im Tierheim erlebt habe, klappt es manchmal einfach nicht so, wie man es sich erhofft. Aber er ist so voller Liebe und will sie allen Lebewesen geben, er will sie alle retten, auch wenn es nicht machbar ist. Was Jims Aussehen angeht – jetzt, wo du es erwähnst, war Tarzan definitiv in meinem Hinterkopf, als ich ihn entwarf! Ich wollte aber eher ein natürliches Aussehen für ihn – nicht gemeißelt und muskulös, sondern sehr durchschnittlich, ein wenig weich. Ein wilder Mann, aber auch ein ganz normaler kleiner Kerl.

Was lag Dir im Allgemeinen bei den Animationen am Herzen?

Die Animation für diesen Film war ehrlich gesagt ein wenig zurückhaltender als das, was ich normalerweise mache. Normalerweise ist mein Stil sehr schwungvoll, was man in bestimmten Bewegungen von Blueman deutlich sehen kann, aber für den größten Teil des Films habe ich mich für subtilere Bewegungen entschieden und mehr Sorgfalt auf die Zwischenräume verwendet. Ich wollte, dass ihre Bewegungen zärtlich sind, vor allem in den Szenen, in denen Dschungel-Jim in Bluemans Händen ist. Ich wollte, dass der Zuschauer diese Momente wirklich spüren kann.

Wie hast Du den richtigen Sprecher für den Film gefunden?

Ich wollte Bluemans Stimme in eine bestimmte Richtung lenken, die von der Serie „Adventure Time“ inspiriert war, in der sehr fantastische und albern aussehende Kreaturen sehr banale und normal klingende Stimmen haben. Der Synchronsprecher für Blueman war ein Freund, den ich in der Schule kennengelernt hatte und von dem ich einfach das Gefühl hatte, dass er gut zu ihm passen würde, und es hat geklappt! Er hat großartige Arbeit geleistet, und ich höre mir immer wieder gerne seine Stimme an, besonders in der Schlussszene.

Kannst Du mir am Schluss noch ein bisschen mehr von Dir erzählen?

Ich bin mir nicht sicher, was ich sonst über mich sagen soll, haha. Ich lebe mit meinem Partner, mit dem ich seit vier Jahren zusammen bin, unserer Katze und unseren drei Ratten in Ohio und arbeite tagsüber in einer Hundebetreuungsstätte – ich bin genauso ein Tierfreund wie eine Künstlerin!

Sind bereits neue Projekte geplant? 

Was neue Projekte angeht, so ist es schwer zu planen, jetzt, wo ich aus der Schule raus bin und einen Vollzeitjob habe, der nichts mit der Kunst zu tun hat, um über die Runden zu kommen, aber ich habe einen freiberuflichen Animationsauftrag, bei dem ich einen Kurzfilm für eine Bekleidungsmarke mache, der bald erscheinen sollte. Was persönliche Projekte angeht, würde ich gerne versuchen, einen weiteren Film zu machen, sobald ich die Zeit dazu habe, oder ein paar Animatics zum Spaß machen, wer weiß. Eines Tages würde ich gerne eine Reihe von Kurzfilmen über Blueman und Jungle Jim machen und die ganze Geschichte weiterführen, aber wer weiß, wann das passieren wird. Ich muss eins nach dem anderen machen!

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „The Adventures of Blueman and Jungle Jim


Interview: In a conversation with director and animator Sydney Simeone, we were able to learn more about her animated film “The Adventures of Blueman and Jungle Jim“, which was featured at the 28th ITFS 2021. Why she chose to turn humans into pets, what it says about our treatment of animals, and what she had at heart in the visual design. 

How did the idea for your animated film come about?

The idea for the film came about because the concept for it is something that I have been thinking about for years and still constantly think about, and that’s the idea of human beings as animals from the perspective of some higher, more intelligent being. I think of humans as being no different from any other animal in the grand scheme of things, and I enjoy thinking of our behaviors through that lense and how funny they must look from the outside. I do also have to say that the film “Fantastic Planet” was a big inspiration for the concept, in which giant aliens also keep humans as pets, but I wanted to do a take on it that was a little more kind from a place of mutual respect between the alien and human. 

Your film is a lot of fun, but if you like you can also understand it as a criticism of the treatment of (domestic) animals – was that intended by you?

To be honest I didn’t really intend for it to be a criticism of anything! Less a criticism and more of an exploration. Animals have always been a big part of my life– I consider myself to have been raised by cats. I’ve also been working in petcare with dogs for the last several years and seeing the way dogs behave with each other has actually given me a lot of insight on how people behave towards one another. We’re really not all that different, and understanding animals really influences the way I think of people too.

Under what circumstances was your film made?

My film was made as a thesis project my senior year of college as a culmination of my schooling. I graduated with a BFA in Animation from the School of Visual Arts, so that’s what I spent my entire final year on. Unfortunately the final half of my year was when the COVID-19 pandemic began, so the film was actually completed in quarantine in my home state of Texas. In a way it’s kind of appropriate that during the making of the film I became the little human stuck in a tank. Go figure!

Can you tell me about the character development – what was important to you with Blueman and did Tarzan inspire the human look?

For Blueman’s character, I wanted him to be the embodiment of a kind soul who loves little creatures and just wants to help them. He means so well but is just not the smartest about the way he does it, and much like I’ve found working with animals and rescue in my life, sometimes it just doesn’t work out like you hope. But he’s so full of love and wants to give it to all living things, he wants to save them all even if it’s not practical. As for Jim’s look, now that you mention it, Tarzan was definitely in the back of my head when designing him! I wanted to go for more of a natural look for him though– not chiseled and muscular, but very average, a little soft. A wildman but also a very normal little guy.

What was important to you in the animation in general?

The animation for this film was honestly a little more subdued than what I typically do. Normally my style is very bouncy, which you can definitely see in certain movements Blueman has, but for most of the film I went with more subtle movements and took more care with the in-betweening. I wanted there to be a tenderness in their movements, particularly in scenes where Jungle Jim is in Blueman’s hands. I wanted the viewer to be able to really feel those moments.

How did you find the right voice actor for the film?

 I had a specific direction I wanted to take with Blueman’s voice that was inspired by the show “Adventure Time,” where very fantastical and silly-looking creatures would have very mundane and normal-sounding voices. The voice actor for Blueman was a friend I had met through school who I just had a feeling would be a good fit for him, and it worked out! He did a great job, I always love going back and hearing his delivery in the final scene especially.

Can you tell me a little bit more about yourself at the end?

I’m not really sure what else to say about myself, haha. I currently live in Ohio with my partner of 4 years, our cat, and our three rats, and I work a dayjob at a doggy daycare– I’m just as much an animal person as I am an artist!

Are there already new projects planned? 

As for new projects, it’s been hard to plan out now that I’m out of school and working a full-time non-art job to get by, but I do have a freelance animation gig going making a short film for a clothing brand that should be coming soon. As far as personal projects go though, I’d like to try and start another film eventually once I have the time, do some animatics for fun, who knows. One day I’d love to do a series of shorts about Blueman and Jungle Jim and continue their whole thing, but who knows when that’ll happen. Gotta take it one thing at a time!

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm “The Adventures of Blueman and Jungle Jim

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