„Silence“ (2016)

© Concorde Filmverleih GmbH

Filmkritik: Der amerikanische Regisseur Martin Scorsese (*1942) gehört zu den Bekanntesten und Beliebtesten seines Fachs in unserer Zeit. Seit Jahren realisiert er erfolgreich Filme wie “Taxi Driver” (1973), “Departed – Unter Feinden” (2006) und “The Wolf of Wall Street” (2013), die immer ein großes Publikum erreichen und begeistern können. Mit seinem neuesten Film “Silence” (OT: “Silence”, USA/Taiwan/Mexiko, 2016), der 2017 auch für den Oscar für die Beste Kamera nominiert wurde, verwirklichte er ein Herzensprojekt mit einer klaren religiösen Botschaft.

Die beiden Jesuitenpater Sebastião Rodriques (Andrew Garfield) und Francisco Garupe (Adam Driver) brechen von Portugal nach Japan auf, nachdem sie die Kunde erhalten haben, dass ihr geschätztes Vorbild Cristóvão Ferreira (Liam Nesson) dem Glauben abgeschworen hat. In diesem fremden Land versuchen sie ihren ehemaligen Lehrer ausfindig zu machen und herauszufinden, was ihn dazu bewogen hat. Doch statt diesen zu finden, entdecken sie zerschlagene und unterdrückte christliche Gemeinden, die von den Obrigkeiten zur Abkehr vom Glauben gezwungen werden und sie rücken immer weiter vor in ein Land, das durch Religionen, Folter und Verfolgung gespalten ist.

© Kerry Brown

Der Film entstand nach dem Buch “Schweigen” (OT: “Chinmoku”, 196) des Japaners Endō Shūsaku (*1923). Er schildert in seinem historischen Roman die wahren Ereignisse im Japan des 17. Jahrhunderts. Der Japaner Endō schrieb viele Romane aus einem christlichen Standpunkt heraus, aber “Schweigen” gilt als sein Meisterwerk, das auch in der westlichen Welt viele Debatten auslöste. Das Buch bekam Martin Scorsese 1988 nach der Premiere von “Die letzte Versuchung Christi” (1988) von dem Erzbischof Paul Moore geschenkt. Es übte auf den Regisseur einen tiefen Eindruck aus und er fühlte sich persönlich von der Botschaft und dem Werk angesprochen. Der in einem strengen katholischen Umfeld aufgewachsene Scorsese beschäftigt sich oft mit den Themen Glauben und Zweifeln. Zudem verkörpert die Hauptfigur für den Regisseur das klügste und beste der katholischen Kirche. Umso mehr wollte er diesen Roman in einen Film umsetzen. Dafür begann er bereits 80er Jahren mit seinem Drehbuchautor Jay Cocks an einer Adaption des Werks zu arbeiten. Für das Herzensprojekt Scorseses brauchten die beiden Autoren zusammen über 15 Jahre, um eine zufriedenstellende Fassung auszuarbeiten. Danach ging es an langwierige Finanzierungverhandlungen, so dass das Projekt insgesamt erst nach fast 30 Jahren fertiggestellt werden konnte. Das entstandene Drehbuch ist gekennzeichnet von starker Religiosität und einem überrealistischen Look. Der Bühnenarchitekt Dante Feretti, der mehrere Recherchereisen nach Japan unternahm, lieferte, nachdem er viele verschiedene Sets ausprobiert hatte, ein überzeugendes Bild des vergangenen Japans. Der Film wurde in Taiwan gedreht, wo das Klima und die Landschaft sehr ähnlich sind. Die Filmbilder, die vom Kameramann Rodrigo Prieto wunderschön eingefangen wurden, tragen viel zur Stimmung und Wirkung des Films bei. Die große Diskrepanz zwischen Folter, Gewalt und landschaftlicher Schönheit macht den größeren Reiz des Films aus und bindet die Zuschauer an die Geschichte. Doch die Story selbst ist nur für ein bestimmtes Publikum geeignet. Ist man sich anfänglich noch unsicher über die Intention des Regisseurs, ergibt sich im Laufe des Films ein immer stärkeres Bild der religiösen Einstellung der Filmemacher. So wird ein klares Schwarz-Weiß-Bild geliefert, dessen Trennlinie zwischen Christen und Nicht-Christen verläuft. Auch wenn die Ereignisse auf wahre Tatsachen beruhen, ist hier eine klare Einfärbung vorgenommen, die keinen Zweifel lassen soll. Martin Scorseses neuester Film ist wahrlich ein Herzensprojekt, was viel über den Regisseur und seine religiösen Ansichten offenbart und ohne Differenzierung sein Weltbild vermittelt.

© Kerry Brown

Fazit: Martin Scorseses neuestes Werk “Silence” ist eine Romanverfilmung, die für ein bestimmtes Publikum mit starken religiösen Wurzeln konzipiert wurde. Der Film, hervorragend besetzt und mit wunderschönen Bildern ausgestattet, bietet eine Geschichte, die bei vielen Zuschauern vermutlich auf Gegenwehr stoßen wird, da er ein klares Bild von Scorsese tiefen Glauben vermittelt. Diese recht einseitige Polemisierung macht im Gesamten den Film schwer zu ertragen.  

Bewertung: 5/10

Kinostart: 2. März 2017, DVD-Start: 7. September 2017

Der Trailer:

geschrieben von Doreen Matthei

Quelle:

  • Pressematerial von Concorde Filmverleih GmbH

2 Gedanken zu “„Silence“ (2016)

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