Sieben Fragen an Benjamin Kramme

Interview: Im Gespräch mit dem deutschen Schauspieler Benjamin Kramme konnten wir mehr über seinen zweiten Kurzfilm „Alternativen“ erfahren, der u.a. auf den 30. Bamberger Kurzfilmtagen lief, wie es zu der Idee kam und was ihm bei der Umsetzung wichtig war.

Erzähl mir über die Entstehung Deines Films – ich denke die politischen Entwicklungen des Landes werden wohl ausschlaggebend gewesen sein?

Meine Frau und mich hat das plötzliche Erstarken der AfD so hilflos und wütend gemacht, dass wir uns gesagt haben: Dazu müssen wir einen Film machen. Wir wollten unbedingt zeigen, dass dieser neue Rassismus ein anderer ist, als der, den wir in den 90ern in Hoyerswerda oder Mölln erlebt haben. Damals ging es um eine klar definierte Minderheit von Neonazis, die verachtenswürdige Verbrechen begangen haben und von der sich der Rest der Gesellschaft klar distanziert hat. Heute geht es um ein ‚rechts sein‘, das wieder gesellschaftsfähig geworden ist. Deshalb haben wir bewusst einen familiären Kontext für unsere Geschichte gewählt.

Monika Lennartz, Barbara Phillipp und Jennifer Sabel

Bewusst haben wir auch versucht drei Generationen miteinander in Konflikt zu bringen. Die Großmutter, die im Nachkriegsdeutschland groß geworden ist und mit ihren Eltern aus Pommern vertrieben wurde, also erlebt hat, was es bedeutet aus der Heimat fliehen zu müssen. Die aber auch davon berichten kann, welch unsagbares Leid durch die Nazidiktatur enstanden ist. Die Mutter, die aus der DDR geflohen ist, um sich und ihrer Tochter ein freies Leben zu ermöglichen und die immer gegen Rassismus und für Toleranz gekämpft hat. Und die Tochter, bei der sich auf erschreckende Weise der Kreis schließt, indem sie wieder zu einem Weltbild zurückkehrt, das ihre Großmutter und ihre Mutter so sehr versucht haben zu überwinden.   

Es war uns aber auch wichtig zwei Wege aufzuzeigen, wie man mit diesem neuen Rassismus umgehen kann. Den Weg der Mutter, die sich klar abgrenzt und den Kontakt zur Tochter abbricht. Und den Weg der Großmutter, die, obwohl sie nicht versteht, wie ihre Enkelin so etwas tun kann, sich dafür entscheidet, mit ihr in Kontakt zu bleiben und „zu streiten bis sie nicht mehr kann“.

Warum hast Du Dich für drei Frauenfiguren entschieden und hältst absichtlich die Männer aus der Geschichte fern?

Monika Lennartz

Dazu kann ich nur sagen: Es ist an der Zeit für weibliche Heldenrollen. Da gibt es nach wie vor viel Nachholbedarf. Lange genug haben sich Schauspielerinnen mit der Rolle der Geliebten begnügen müssen, die sehnsüchtig zu Hause sitzt, während ihr Mann Abenteuer erlebt. Noch heute gibt es viel weniger tolle Rollen für Frauen, als für Männer. Deshalb haben wir uns für drei Frauen entschieden. 

Kannst Du mir mehr zur Realisierung erzählen: Wo habt ihr gedreht und wie lange hattet ihr Zeit?

Unser Motiv war ein Ferienhaus bei Ludwigslust. Gedreht haben wir zweieinhalb Tage. Wir hatten kein Budget, aber das große Glück, wunderbare Leute zu finden, die nicht nur kostenlos für uns gearbeitet, sondern uns auch noch Technik zur Verfügung gestellt haben. Anders wäre es nicht möglich gewesen, diesen Film zu machen.    

Deine drei Darstellerinnen sind hervorragend – hast Du Sie über ein Casting gefunden?

Jennifer Sabel

Jennifer Sabel, die die Johanna gespielt hat, ist meine Frau. Wir haben das Drehbuch gemeinsam geschrieben, den Dreh zusammen vorbereitet und auch den restlichen Cast zusammen ausgewählt. Barbara Phillipp, die die Mutter gespielt hat, ist eine Freundin von mir, die wir sehr passend fanden und die das Buch mochte und deshalb gerne dabei war. Die Rolle der Großmutter zu besetzen war etwas schwieriger. Wir haben viele Agenturseiten durchforstet, viele Demobänder angeschaut und dann Monika Lennartz gefunden, die wir sofort ganz toll fanden und dann, glücklicherweise, auch von unserer Geschichte überzeugen konnten.     

Du bist selber Schauspieler – wie war es ins Regiefach zu wechseln? Präferierst Du jetzt vor oder hinter der Kamera zu stehen? 

Monika Lennartz und Barbara Phillipp

Ich bin und bleibe gerne Schauspieler. Aber es macht Spaß auch mal eine andere Perspektive einzunehmen. Und damit meine ich nicht nur die des Regisseurs, sondern auch die des Drehbuchautors, des Produzenten und des Editors. Aber natürlich ist es besonders reizvoll, wenn man vom Schauspiel kommt und über die Jahre mit vielen Regisseuren gearbeitet hat, sich mal selber als Regisseur und in der Arbeit mit Schauspielern auszuprobieren. Für die Zukunft kann ich mir beides vorstellen, zu spielen, aber auch selber weiter Regie zu führen.   

Hast Du schon neue Pläne als Regisseur am Start?

Nach drei Kurzfilmen ist es jetzt das Ziel ein Drehbuch für einen Langspielfilm zu schreiben und den dann hoffentlich auch umzusetzen. Das wird wieder gemeinsam mit meiner Frau passieren. Momentan denken wir über unterschiedliche Stoffe nach. Mal sehen, was es dann wird.

Die Fragen stellte Doreen Matthei

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Alternativen

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