„So We Live“ (2020)

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Kurzfilm / Belgien / Fiktion / 2020

Filmkritik: Mit ihrem Kurzfilm „So We Live“, der seine Weltpremiere auf der 70. Berlinale im ‚Berlinale Shorts‘-Programm feierte, versetzt die Regisseurin Rand Abou Fakher ihre DarstellerInnen und damit die Zuschauer in das alltägliche Leben einer Familie im Krieg.

Während draußen die Bomben fallen, versucht eine Familie darunter Mutter (Amina Alhaj), Vater (Abd Alhameid Alobeid) und zwei Kinder (Rahaf Alobeid und Lona Alobeid) in ihrem abgeschotteten Wohnzimmer dem Alltag wie Schulaufgaben und Haushalt nachzugehen. Doch wie soll das möglich sein, wenn draußen der Krieg weiter tobt und viele Opfer fordert?

Die in Syrien geborene Filmemacherin Rand Abou Fakher (*1995) realisierte mit dem 16-minütigen Spielfilm „So We Live“ ihren zweiten Kurzfilm nach „Braided Love“ (2018). Ganz unabhängig von einer Filmschule setzte sie dieses Projekt um und erzählt in ihrem fiktiven Film eine authentische Geschichte über den Krieg in Syrien. Dabei wählt sie einen engen Fokus, indem sich die gesamte Handlung in einem Zimmer abspielt. Dadurch konzentriert sich der Film auf eine Familie, die versucht Normalität zu leben, welche aber so natürlich nicht möglich ist. Damit macht die Regisseurin das Erleben von Krieg auf sehr emotionale und authentische Weise spürbar unabhängig vom eigentlichen Kriegsgeschehen. Das stand auch im Vordergrund der Produktion, nicht eine aufgehübschte ‚Hollywood‘-Variante des Krieges. Dazu castete sie eine Familie, welche den Schrecken des Krieges selbst erlebt hatte und ermutigte sie zur Improvisation. Dadurch wirkt das Geschehen stellenweise so echt, dass man den Film für eine Dokumentation halten könnte. Dass es keine ist, wird vor allem durch die außergewöhnliche Kameraführung betont. Diese steht im Zentrum und dreht sich unaufhörlich. Damit die Familie

Abd Alhameid Alobeid und Amina Alhaj

ungestört und fern von anderen Eindrücken sich in die Szenerie rein fühlen konnte, kommt die Umsetzung ohne Kameramann oder andere Crew-Mitglieder am direkten Set aus. Dieser technische Kniff, die rotierende Kamera, die authentische Familie und die bedrückende Location, welche das Erleben des Krieges durch ihre dunkle, abgeschirmte Situation ebenfalls betont, ergeben zusammen einen starken, gefühlvollen Film und liefern so einen sehr emotionalen Zugang zu einem Thema, das oft thematisiert wurde, aber hier aufs Neue seinen Schrecken offenbart.

Fazit: Die Filmemacherin Rand Abou Fakher schuf mit ihrem Kurzfilm „So We Live“, einen Spielfilm, ein authentisches Bild von dem Leben im Krieg. Dafür verzichtete sie beim Drehen auf eine Crew am Set, wählte eine rotierende Kameraperspektive, ein bedrückendes Set und eine Familie, die aus eigenen Erfahrungen den Schrecken des Krieges mit kleinen Alltagsbegebenheiten einfängt.   

Bewertung: 7,5/10

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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