„Jumbo“ (2019)

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Filmkritik: Die Regisseurin und Drehbuchschreiberin Zoé Wittock erzählt in ihrem Langfilm-Debüt „Jumbo“ (OT: „Jumbo“, Frankreich, Belgien, Luxemburg, 2019) von einer ungewöhnlichen Liaison zwischen einer jungen Frau und einem Fahrgeschäft.

Jeanne (Noémie Merlant) lebt in ihrer eigenen Welt. Die in sich gekehrte junge Frau arbeitet in einem Vergnügungspark und in ihrer Freizeit verschließt sie sich oft in ihrem Zimmer. Ihre Mutter Margarette (Emmanuelle Bercot) versucht sie aus ihrem Schneckenhaus zu locken, meistens ohne Erfolg. Als der Parkleiter Marc (Bastien Bouillon) auf sie aufmerksam wird, schöpft die Mutter Hoffnung, doch Jeanne hat sich bereits in Jumbo, die neueste Attraktion, verliebt.

Emmanuelle Bercot und Noémie Merlant

Ausschlaggebend für die Geschichte von „Jumbo“ waren die wahren Ereignisse von 2007, als Erika den Eiffelturm heiratet und seinen Namen annahm. Diese Objektophilie, die Liebe zu einem leblosen Objekt, kommt häufiger vor als man denkt. Beispielsweise heiratete 2013 eine Frau in Florida ein Riesenrad mit dem Namen Bruce. Zoé Wittock war davon fasziniert und setzte sich mit Erika in Verbindung. Sie stellte fest, dass sie eine der bodenständigen Personen war, die sie jemals kennengelernt hatte. Danach begann sie sich mit dem Thema Objektophilie zu beschäftigen und schrieb nach und nach die Geschichte von Jeanne. Sie versucht dabei die Gefühle der Protagonistin zu erkunden und ihre Welt einzufangen. Sie schafft es dabei die Figuren nie lächerlich zu machen, sondern versetzt sich in sie hinein. Dabei gibt sie der Beziehung der beiden ungewöhnlichen Liebenden viel Raum und zeigt, wie Intimität auch mit einem Karussell entstehen kann. Dafür verwendet sie eine gelungene Bildsprache zwischen Realismus und farbenfrohen Szenen der Zweisamkeit, in denen es blinkt, piept und auch mal ein bisschen Öl ausläuft. „Jumbo“ ist eine ungewöhnliche Coming-of-Age-Geschichte, welche bis zum Ende

Noémie Merlant

spannend ist und bei der man sich fragt, wie diese Geschichte wohl aufgelöst wird. Hinzu kommt eine starke Mutter-Tochter-Geschichte, welche von dem erzwungenen Miteinander zweier Menschen geprägt ist, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Dass der Film so hervorragend funktioniert, verdankt er natürlich auch seinem großartigen Ensemble. Allen voran Noémie Merlant, welche auch bei „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ (2019) in einer Hauptrolle zu sehen ist, die es schafft, Jeanne in all ihrer Komplexität einzufangen. Der Film besitzt im Gesamten eine starke Mischung aus Authentizität, komplexen Gefühlen, Spannung und einem hervorragendem Spiel des gesamten Ensembles. So ist Zoé Wittocks Debüt mehr als gelungen, zeigt, dass das Kino viele interessante Geschichten zu bieten hat, und liefert damit einen der ungewöhnlichsten Coming-of-Age-Filme der letzten Jahre.     

Noémie Merlant

Fazit: Der belgische Spielfilm „Jumbo“ von Zoé Wittock beschäftigt sich mit der romantischen Liebe von der jungen Jeanne und einem Vergnügungspark-Fahrgeschäft. Er erzählt, inspiriert von wahren Ereignissen, eine ungewöhnliche Coming-of-Age-Geschichte und wird von fantastischen Bildern und einem hervorragenden Ensemble unterstützt, so dass der Zuschauer bis zum Ende von der frischen Liebe der beiden gefesselt ist.

Bewertung: 7/10

Kinostart: unbekannt / DVD-Start: unbekannt

Trailer zum Film „Jumbo“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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