„Raus aus der Mental Load Falle: Wie gerechte Arbeitsteilung in der Familie gelingt“ von Patricia Cammarata (2020)

224 Seiten / Beltz Verlag / 17,95 €

Buchkritik: Die Psychologin, Bloggerin und Podcasterin Patricia Cammarata macht mit ihrem Sachbuch „Raus aus der Mental Load Falle: Wie gerechte Arbeitsteilung in der Familie gelingt“ von einem ganz persönlichen Ansatzpunkt heraus ein Problem in der Gesellschaft deutlich, das die meisten Menschen nicht unter den Begriff Mental Load kennen, das ihnen aber bestimmt vertraut vorkommt.

Den Begriff Mental Load gibt es seit den 1970er Jahren, er macht aber erst in letzter Zeit Schule, was wir im deutschen Raum vor allem der Autorin Patricia Cammarata verdanken, welche nicht müde wird, davon zu berichten. Das Phänomen bezeichnet im Groben die gedankliche Liste, welche meist ein Elternteil oder PartnerIn im Kopf hat und die tagtäglich abgearbeitet wird. Dabei drehen sich die Punkte um die alltägliche Hausarbeit und die Kindererziehung. Meist bleibt diese mentale Last und damit die Verantwortung, dass alles rund läuft, bei einem PartnerIn hängen, welche irgendwann daran scheitern oder zerbrechen könnte. Eine Überlastung kann durch eine wirklich gleichberechtigte Aufteilung von Aufgaben und auch der Gedankenlast vermieden werden. Wie man das erreichen kann, beschreibt die Autorin auf den 224 Seiten ihres nun erschienenen Buches und liefert damit einen wunderbaren Einstieg in ein Thema, das einen in der ein oder anderen Form betrifft, aber noch nicht so thematisiert wurde.

Über die Jahre hat sich die Gesellschaft verändert. Doch dass Frauen als Mütter die Hauptverantwortung im Haushalt und bei den Kindern haben, blieb bestehen, obwohl sie mittlerweile genauso voll berufstätig sind wie ihre Partner. Dieses Verantwortungsbewusstsein ist eingebrannt und zeigt sich bereits bei Paarkonstellationen, wenn es nur um Organisatorisches und Haushalt gilt. Dabei muss es natürlich nicht immer nur die Frau sein, welche die mentale Last trägt, aber es ist immer ein Partner, der scheinbar alles im Kopf haben muss. Das führt bei vielen zu einer Erschöpfung, welche nach und nach immer mehr auslaugt. Gedanken wie „Ich muss mich nur optimieren“ und „Andere schaffen es auch, also muss ich mich mehr anstrengen“ sind meist nur den nächste Schritt auf einer Abwärtsspirale. Aber auf die Idee, dass man es eben nicht allein schaffen muss, kommen nur wenige. Dank der Autorin Patricia Cammarata, welche auch einen Einblick in ihr privates Leben offenbart, bekommt man eine Richtung vorgegeben oder zumindest ein paar Ideen, wie man dem klassischen Rollenmodell entkommen kann und sich dadurch für alle Seiten positive Effekte ergeben. Angenehm ist auch, dass sich dieses Buch für beide Seiten eignet, denn es basht nicht die eine oder andere Partei, sondern zeigt einfach, wo sich falsche Verhaltensmuster eingebrannt haben. Mit viel Humor und amüsanten Zeichnungen von Frollein Motte, nimmt sie die LeserInnen an die Hand (vor allem mit der Schilderung von bekannten Situationen) und zeigt in sieben Kapiteln den Weg zu einem besseren Leben – wie man fast sagen möchte – oder zumindest zu einer gerechten Verteilung von Arbeit und Belastung. Das Buch hinterlässt einen positiven Eindruck und stimmt zuversichtlich. Die LeserInnen bekommen hier ein schönes Gefühl durch das emotionale, authentische und gut recherchierte Sachbuch. Es ist eine absolute Empfehlung, ob man nun unter Mental Load leitet oder nicht.

Fazit: Das Buch „Raus aus der Mental Load Falle: Wie gerechte Arbeitsteilung in der Familie gelingt“ macht auf ein Problem aufmerksam, das in Deutschland weniger unter dieser Namen bekannt ist, das aber viele Menschen betrifft. Die ungleichmäßige Verteilung der Arbeit in Beziehungen betreffend Haushalt, Kindern und Verantwortung führt dazu. Aus einem sehr privaten Ansatz heraus, leichtfüßig geschrieben und mit viel Humor führt uns die Autorin Patricia Cammarata an das Thema heran, zeichnet Parallelen zum eigenen Leben, gibt Tipps und zeigt Kniffe, wie man das Problem anpacken kann. 

Bewertung: 5/5

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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