Fünf Fragen an Chen Yi-Chien

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Interview: Im Gespräch mit der taiwanesischen Filmemacherin Yi-Chien Chen erzählt sie uns mehr über ihren Kurzfilm „Inside Blue“ (OT: „藍色獨白“), gesehen im Programm ‚Schwerpunkt: Nachbilder–Spuren des Traumas‘ des 32. Filmfest Dresden, über Zwangsstörungen, die visuelle Umsetzung und wie Künstler wie Georges Schwizgebel sie inspirieren.

The original english language interview is also available.

Kannst Du mir mehr zur Entstehung Deines Kurzfilms erzählen? Spielen persönliche Erfahrungen von Dir oder Bekannten eine Rolle?

Bei einer Gelegenheit erwähnte meine Tante im Gespräch, dass sie einen Freund hatte, der ein zwanghaftes Verhalten zeigte, das die Menschen um ihn herum nicht verstehen konnten. Dann sah ich mich selbst und die Menschen um mich herum an und stellte fest, dass alle mehr oder weniger verwirrt waren, wobei ich selbst eine störrische Seite hatte. Diese Taten mögen ihren Ursprung in früheren schlechten Erfahrungen gehabt haben, und Handlungen, die dazu dienen, uns zu schützen und unser Bewusstsein abzuschwächen, sind seit langem zur Gewohnheit geworden, aber wenn wir uns dessen selbst nicht bewusst sind, sind wir vielleicht gezwungen, in unser eigenes Denken zurückzufallen.

Wie bist Du das Projekt dann angegangen? Ist es innerhalb eines Rahmens eines Studium entstanden? Wie lange hast Du für die Realisierung benötigt?

Ich interessiere mich für Psychologie, deshalb lese ich gerne viele Artikel und Bücher darüber. Ich habe das Projekt begonnen und während meiner Zeit in der Graduiertenschule eine ganze Menge Film gedreht. Nachdem ich den Master-Abschluss erworben hatte, habe ich den Film weiter fertiggestellt. Da noch andere Arbeiten im Gange waren, dauerte es etwa sechs Jahre, bis ich den Film fertig gestellt hatte.

Was lag Dir bei der Visualisierung am Herzen? Wieso hast Du Dich für die Farbe Blau entschieden?

Ich experimentiere gerne mit verschiedenen visuellen Stilen, um Dinge zu schaffen. Daher bin ich es gewohnt, einen visuellen Stil zu finden, der zu meinem Film passt. Ich denke, diese beharrlichen Ideen sind schwer auszulöschen, weil sie wie in uns eingeprägt sind; deshalb möchte ich sie in einem visuellen Stil wie Drucken präsentieren. Ich habe mich für blaues Klebeband entschieden, weil ich glaube, dass Blau eine relativ ruhige Farbe ist, und es eine Kraft ist, die dazu beitragen kann, den Geist des Protagonisten im Film zu beruhigen.

Welche KünstlerInnen und Werke inspirieren Dich?

Georges Schwizgebel ist einer der grossen Künstler, die mich am meisten inspirieren. Seine Werke haben mich inspiriert, über die Aufführung von Animation nachzudenken. Ich werde nie vergessen, wie überrascht ich war, seine Arbeit „Jeu“ zu sehen.

Kannst Du mir am Schluss noch ein bisschen mehr von Dir erzählen.

Ich wurde 1986 in Taipeh, Taiwan, geboren. Ich erwarb meinen Master-Abschluss am Graduierteninstitut für Neue Medienkunst der Taipei National University of the Arts mit dem Schwerpunkt Animationskunst. Die meisten meiner Werke sind hauptsächlich Illustrationen und animierte Kreationen.

Sind bereits neue Projekte geplant?

Ja, ich habe einige Ideen, aber sie kommen langsam voran…

Die Fragen stellte Doreen Matthei
Übersetzung Michael Kaltenecker

Lies auch die Rezension des Kurzfilms „Inside Blue


Interview: In conversation with the Taiwanese filmmaker Yi-Chien Chen she tells us more about her short film “Inside Blue” (OT: “藍色獨白”), seen in the program ‘Focus: Afterimage Traces of Trauma’ of the 32nd Filmfest Dresden, about obsessive-compulsive disorders, the visual realization and how artists like Georges Schwizgebel inspire her.

Can you tell me more about the making of your short film? Do personal experiences of you or friends play a role?

On one occasion, when chatting with my aunt, she mentioned that she had a friend who had compulsive behavior that the people around him could not understand. Then I looked at myself and the people around me, and I found out that everyone was more or less confused, with myself having a stubborn part. These acts may have originated from previous bad experiences, and actions employed to protect ourselves and to devalue our consciousness have become a habit for a long time, but if we do not realize this ourselves, we may be constrained to fall back in our own thinking.

How did you approach the project? Did it develop within a context like study? How long did it take you to realize it?

I’m interested in psychology so I enjoy reading many articles and books about this. I started the project and made a helf of film during my time in graduate school. After I earned the master’s degree, I continued to finish the film. Because there were other works in progress, so it took me about 6 years to complete the film.

What was important to you in the visualization? Why did you choose the color blue?

I like to experiment with different visual styles to create. Therefore, I’m used to finding a visual style to match my film. I think these persistent ideas are hard to obliterate because they are like being engraved on us; therefore, so  I want to present them in a visual style like prints. I chose to use blue tape because I think blue is a relatively calm color, and it is a force that can help calm the mind of the protagonist in the film.

Which artists and works inspire you?

Georges Schwizgebel is one of the great artists who inspire me the most. His works inspired me to think about the performancing of animation. I will never forget how I was surprised to see his work ”Jeu.”

Can you tell me a little bit more about yourself at the end?

I was born in 1986 in Taipei, Taiwan. I obtained my master’s degree from the Graduate Institute of New Media Art, Taipei National University of the Arts, majored in Animation Arts. Most of my works are mainly illustrations and animated creations.

Are new projects already planned?

Yes, I have some ideas but still in progress slowly…

Questions asked by Doreen Matthei

Read on the german review of the shortfilm „Inside Blue

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