„Girls/Museum“ (2020)

Dokumentation / Deutschland / 2020

Filmkritik: Die Dokumentation „Girls/Museum“ (Deutschland, 2020) war einer der zwölf Beiträge des Internationalen Wettbewerbs, und feierte auf dem 63. DOK Leipzig 2020 ihre Weltpremiere. Die Regisseurin Shelly Silver macht in diesem Film zusammen mit einer Gruppe Mädchen und den ZuschauerInnen einen gelungenen Spaziergang durch das Museum der bildenden Künste in Leipzig und fängt gleichzeitig die Denkweise junger Menschen ein.

Zusammen mit Mädchen im Alter zwischen 7 und 19 Jahren besucht die Regisseurin Shelly Silver (*1957), die u.a. 2017 auf dem DOK Leipzig ihren Film „A Strange New Beauty“ präsentierte, das Museum der bildenden Künste mitten in Leipzig. Auf drei Etagen verteilt erzählt das Museum die Kunstgeschichte vom Mittelalter bis zur Moderne. Die Mädchen entdeckten dabei eigenständig Werke und beschäftigten sich nicht nur mit dem Dargestellten und dem Interpretationsraum, sondern übertrugen die Gemälde, welche oft Frauen aus männlicher Perspektive einfangen, auf ihre heutige Sicht und bewerten so die Rolle von Frauen in der Gesellschaft damals und heute. Dabei finden die unterschiedlichen Betrachterinnen verschiedene Ansätze, Anliegen und Anknüpfungspunkte und verbinden Kunst mit ihrer persönliche Betrachtung und dem Anliegen der Zeit.

„Girls/Museum“ folgt einer simplen Idee. Es bringt Mädchen und Kunst zusammen. Die bildende Kunst, die seit Jahrhunderten von männlichen Malern und Betrachtern dominiert wird, steht hier im Gegensatz zum modernen, weiblichen Blick. Kombiniert mit einem unschuldigen Ansatz und der eigenen Lebensrealität holen die jungen Interviewpartnerinnen viel aus den Bildern heraus. Von Betrachtungen, Beschreibungen, Einordnungen und Kommentieren ist alles dabei. Da sich die Mädchen selbst die Bilder aussuchen durften und nur mit sehr offenen Fragen konfrontiert wurden, entstehen oft spontane Beschreibungen, die auf sympathische Weise das Denken der Befragten einfangen. Die Regisseurin Shelly Silver drehte den Film über eine längere Zeit und nahm sich Zeit mit jedem Mädchen einen Rundgang durch das Museum zu machen. Nach diesem Film hat man Lust Kunst (wieder) für sich zu entdecken, gerne auch mit neuen Begleitern und einem frischen, ja auch feministischen Blick. Diese Freude an einem neuen Blickwinkel und neuen Gedanken zu alt eingesessener Kunst ruft Silver mit ihrem leichtfüßigen Film mühelos hervor und bietet so gelungene Unterhaltung.

Fazit: Die Regisseurin Shelly Silver besucht zusammen mit jungen Begleiterinnen das Museum der bildenden Künste Leipzig. In ihrer Dokumentation „Girls/Museum“ fängt sie die unverstellten Reaktionen auf die Kunst vom Mittelalter bis in die Moderne ein und überzeugt mit einem erfrischenden, neuen Blick auf Kunst und vor allem die Darstellung und die Rolle der Frauen in der Kunstgeschichte. 

Bewertung: 7,5/10

Trailer zum Film „Girls/Museum“:

geschrieben von Doreen Matthei

Quellen:

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